Conferenza serale

Frank Fehrenbach: Zwischen Allegorie und Materie: Brunnen in Perugia und Neapel

im Rahmen des Studienkurses "Wasser-formen: Geschichte, Gestalt und Semantik eines Elements"

Konzept und Organisation: Alessandro Nova, Hana Gründler und Stephanie Hanke

Begleitende Experten: Hannah Baader, Wolfgang Detel, Bruce Edelstein, Frank Fehrenbach, Berthold Hub, Wolfgang Loseries

Die technischen Leistungen, die das Wasser über große Entfernungen und "gegen die Natur" seines Gewichts in die vormoderne Stadt bringen, spiegeln soziale und häufig auch militärische Macht. Städtische Brunnen sind damit immer auch politische Monumente par excellence. Zugleich setzen sich Städte über ihre Brunnen explizit in ein Verhältnis zum natürlich Gegebenen. In meinem Vortrag möchte ich Anlagen vergleichen, die gleich durch mehrere Jahrhunderte und eine bedeutende geographische Entfernung getrennt sind - ein Experiment! Zum einen sind dies die Brunnen der Pisano-Werkstatt in Perugia, die gegen Ende des 13. Jahrhunderts ausgeführt wurden, nachdem ungeheuere hydraulische Schwierigkeiten überwunden werden konnten. Die ausführenden Künstler allegorisieren die mirakelhafte und lebensspendende Erscheinung des fließenden Wassers. Zum anderen geht es um die Neapolitaner Brunnen Naccherinos, Pietro Berninis und der Fanzago (17. Jahrhundert). In ihnen tritt der allegorische Apparat scheinbar zurück, um die Versöhnung von Stadt und umgebender Natur bildhaft zu inszenieren. In beiden Fällen machen die Brunnen Grenzen durchlässig: zwischen Stadt und Natur, Geschichte und Gegenwart, Allegorie und Materie.

   

Frank Fehrenbach studierte Kunstgeschichte, Mittelalterliche und Neuere Geschichte sowie Philosophie in Tübingen und Basel; Promotion 1995 an der Universität Tübingen mit der Arbeit Licht und Wasser: zur Dynamik naturphilosophischer Leitbilder im Werk Leonardo da Vincis. Anschließend war er Postdoc-Stipendiat an der Bibliotheca Hertziana in Rom (1992-95) sowie Assistent am Kunsthistorischen Institut in Florenz (1996-2001). Nach seiner Habilitation 2003 an der Universität Basel über Gianlorenzo Berninis Fontana dei Quattro Fiumi und Nicola Salvis Fontana di Trevi nahm er einen Ruf als Senior Professor der Harvard University an (2005-13). Er erhielt den Hans Janssen-Preis für Europäische Kunstgeschichte der Akademie der Wissenschaften in Göttingen (1996) sowie den Preis der Aby Warburg-Stiftung in Hamburg (2004); außerdem war er Fellow am Wissenschaftskolleg in Berlin (2010-11). Seit 2013 hat er eine Alexander von Humboldt-Professur an der Universität Hamburg inne, wo er die Forschungsstelle "Naturbilder/Images of Nature" leitet. Sein aktuelles Forschungsprojekt befasst sich mit der Kategorie der "Lebendigkeit" in der frühneuzeitlichen Kunst.

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14 Ottobre 2016, ore 18:00

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