Ortwin Dally: Archäologie und Fotografie

Wissenschaftliches Kolloquium / Colloquio scientifico

Archäologie bedarf zur Vermittlung ihrer objektbezogenen Forschungen der Darstellung. Der Autopsie der Objekte kommt eine wesentliche Rolle zu, aber schon bei der Betrachtung mehrerer Objekte ist die Darstellung unverzichtbar. Insofern spielten Abbildungen in der sich allmählich herauskristallisierenden Fachwissenschaft Archäologie von Anfang an eine bedeutende Rolle. Die Fotografie war ein Medium, das unmittelbar nach seinem Erscheinen in der Archäologie zwar diskutiert, dann aber Eingang in die wissenschaftlichen Praxis erst verstärkt seit den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts fand. Zunächst wurde das Medium anhand bestimmter Objekte erprobt, wichtige Impulse gaben neben den Corpusvorhaben archäologische Grabungen, bei denen die Fotografie auf der Grabung selber, dann aber auch zur Dokumentation der gefundenen Objekte eingesetzt wurde. Erst in den neunziger Jahren sollte die Lichtbildprojektion verstärkt Resonanz finden, mithin zu einem Zeitpunkt, als sie bereits in anderen Arbeitsbereichen der Archäologie schon Anwendung fand. Die Debatte um das Für und Wider der Fotografie entzündete sich an ihrer Möglichkeit, Dinge präzise abzubilden und ihrer Technizität, die sie zu einem vermeintlich objektiven Mittel der Bilddarstellung werden ließ. Der Vortrag versucht der Frage nachzugehen, welchen Status die Fotografie im Horizont der sich institutionell verfestigenden Archäologie in der 2. Hälfte des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts eingenommen hat, und in welchem Verhältnis sie zu anderen Medien der bildlichen Darstellung in diesem Zeitraum gestanden hat.

Prof. Dr. Ortwin Dally

1988-1996 Studium der Klassischen Archäologie, der Griechischen und Lateinischen Philologie sowie der Alten Geschichte in Bonn, Basel, Freiburg im Breisgau und Heidelberg; 1996 Promotion zum Dr. phil. an der Fakultät für Orientalistik und Altertumswissenschaften der Universität Heidelberg; 1996/97 Mitarbeiter der Heidelberger Akademie der Wissenschaften; 1997 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Klassische Archäologie der Universität Heidelberg; 1997/98 Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts; 1998-2003 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Klassische Archäologie der Freien Universität Berlin; 2002-2003 Forschungsstipendium (Junior Fellowship) am Harvard Center of Hellenic Studies in Washington, D.C.; 2004 Habilitation im Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften der Freien Universität Berlin; seit 2004 Generalsekretär des Deutschen Archäologischen Instituts und seit 2007 Mitarbeit im Exzellenzcluster "Topoi", Area A I "Central Places" und Area C III "Acts" (Sprecher); 2008 Ernennung zum Honorarprofessor im Fach Klassische Archäologie der Freien Universität Berlin; seit 2008 Erster Vorsitzender der Archäologischen Gesellschaft zu Berlin

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