Die Nacht der Bilder

Eine Beschreibung der Prozession zu Maria Himmelfahrt in Rom aus dem Jahr 1462

Philine Helas und Gerhard Wolf

In der Nacht vor Mariae Himmelfahrt fand in Rom ab dem 9. Jahrhundert die wichtigste städtische Prozession statt, die zwei der bedeutendsten Kultbilder der Stadt involvierte. Die Salvatorikone, die in der Sancta Sanctorum des Lateranpalastes verwahrt wird, zog, begleitet von den städtischen und kirchlichen Autoriäten, zur Basilika von Santa Maria Maggiore, um dort das hochverehrte Marienbild zu besuchen. Um 1318 konstituierte sich eine Societas, welche sich als Verehrer und Wächter des Salvator der Sancta Sanctorum verstand. Diese Bruderschaft, die das merkantile Bürgertum wie den Adel einband, gründete wenig später ein Hospital und führte dies gerade in der Zeit des avignonesischen Exils der Päpste so erfolgreich, daß ihre städtische Reputation ebenso wie ihre Rolle im Kontext des Bildkultes stetig wuchs. Auch nach der Rückkehr der Päpste verstand sie es, ihre Rolle zunächst neu zu bestärken, was sich u.a. in einer Serie von Statuenbüchern manifestiert. In den Jahren 1462 1464, zusammenfallend mit einer weiteren Expansion des Hospitals, ordnete die Societas ihre Dokumente neu und legte einen Codex an, der neben den üblichen Inventaren und Mitgliederlisten auch die ausführlichste Beschreibung der Prozession enthält, die wir bis zu diesem Zeitpunkt kennen. Sie gibt einen detaillierten Einblick in die komplexe Sakraltopographie der Stadt, in ihre Einbindung der antiken Monumente und erlauben die Rekonstruktion der antikisierenden Rituale um die Begegnung der beiden Kultbilder in ihrer politischen und religiösen Dimension. Die Quelle wirft so ein Schlaglicht auf Bilderkult und Antikenrezeption, aber auch auf karitative Praxis und Sozialstrukturen im Rom der Renaissance.

Rombach Verlag, Freiburg im Breisgau 2011

Quellen zur Kunst, 33
ca. 134 S., 10 s/w Abbildungen, 13 Farbabb.
ISBN 978-3-7930-9648-1

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