Call for Papers & Applications

Organisation: Dr. Stephanie Hanke, Prof. Dr. Alessandro Nova, Dr. Mandy Richter, Prof. Dr. Gerhard Wolf
Wissenschaftliche Gäste: Prof. Dr. Matthias Schnettger, Bettina Morlang-Schardon M.A., Davide Ferri M.A., Brenna Larson M.A.

"La plus mal connue – et la plus difficile à comprendre – des villes marchandes italiennes", so charakterisierten die französischen Annales noch in den 1980er Jahren die Forschungslage zu Genua. In der Tat erweist sich die ligurische Hafenstadt als eine bis heute verkannte Größe, die in der Kunstgeschichte auf internationaler Ebene relativ wenig Beachtung findet, angesichts ihrer Komplexität jedoch eine eingehendere Beschäftigung verdient. Nicht nur dominierte Genua über Jahrhunderte hin die Seekriege des Mittelmeeres, weite Bereiche des Fernhandels sowie das europäische Bankwesen, sondern verfügt noch heute über eines der größten Altstadtgebiete Italiens, das in einer einzigartigen Verdichtung eine Vielzahl opulenter Paläste, Kirchenbauten und stadtnaher Villen vorweisen kann.

Auch der diesjährige Studienkurs des Kunsthistorischen Instituts in Florenz möchte dazu beitragen, la Superba, wie man die See- und Handelsrepublik zu Recht in ihrer Blütezeit nannte, in ihren ästhetischen, räumlichen und politischen Ordnungen näher zu erschließen. Im Fokus steht mit dem Zeitraum des 16. und 17. Jahrhunderts das lange secolo d'oro dei Genovesi, in dem Genua eine spektakuläre ökonomische und künstlerische Blütezeit erlebte. Die durch Andrea Doria herbeigeführte Allianz mit Karl V. eröffnete der Stadt neue Handelswege sowie den Zugriff auf die Finanzgeschäfte des spanischen Herrscherhauses. Zugleich stabilisierte sich mit der Etablierung eines aristokratisch-republikanischen Regiments die innergenuesische Situation der zuvor durch Familienzwiste und Fremdherrschaft gebeutelten Gesellschaft. Es entstand eine oligarchische Führungsklasse, deren konkurrierende und zugleich in einer Art "kapitalistischer Interessengemeinschaft" avant la lettre gebundene Adelsfamilien angesichts der veränderten außen- wie innenpolitischen Lage neue Repräsentationsbedürfnisse entwickelten. Der Adel investierte massiv in Palast- und Villenbauten, deren aufwendige Freskenzyklen oftmals historische Errungenschaften des jeweiligen Adelsgeschlechts – von Schlachtensiegen bis hin zur Entdeckung Amerikas durch Kolumbus – glorifizieren. Schon Rubens erkannte die herausragende Qualität der Genueser Adelsresidenzen, die er in seinem Stichwerk Palazzi di Genova der nordalpinen Nobilität als Modell für moderne und standesgemäße Paläste an die Hand gab. Besonderen Anreiz für diese Investitionen des vermögenden Adels schuf dabei die in Genua einzigartige staatspolitische Nutzung der Privatpaläste zur Unterbringung offizieller Gäste der Republik – ein System, für das Ennio Poleggi treffend den ambiguen Begriff der reggia repubblicana geprägt hat. Gänzlich anders als in der Seerepublik Venedig, die für Genua stets Rivalin, aber auch Vor- und Gegenbild war, gingen damit staatliche und private Repräsentation Hand in Hand und vollzogen sich innerhalb eines Systems kontinuierlicher Austarierung und Neuformulierung von Machtansprüchen innerhalb der Oligarchie.

Diesem Spannungsfeld öffentlicher und dynastischer Interessen gilt die besondere Aufmerksamkeit des Studienkurses, der die Kunstpatronage und die urbane Gestalt Genuas aus den spezifischen historischen und sozialen Bedingungen heraus beleuchten möchte. Im Fokus stehen Architektur und Ausstattung ausgewählter Stadtpaläste und Villen, des Dogenpalastes und des berühmten Bankhauses San Giorgio, aber auch die Investitionen der uomini privati auf dem Gebiet des Kirchenbaus, etwa die für Genua charakteristischen Gentilizkirchen. Thematisiert werden visuelle Strategien der politischen Selbstdarstellung in Wand- und Fassadenmalereien, Porträtbildnissen und Ehrenstatuen. Mit den Prachtstraßen der Strada Nuova und der Via Balbi sowie der Piazza Banchi rücken die frühneuzeitlichen Überformungen und Neuordnungen des mittelalterlichen Stadtkörpers in den Blick. Dabei gilt es, Einzelobjekte innerhalb eines Systems konkurrierender Auftraggeberschaften zu erschließen und darüber die künstlerische und politische Alterität der Stadt Genua sowie die Nachwirkungen ihrer Strukturen bis in die Gegenwart der europäischen Gesellschaft zu erfassen.

     

Der als Exkursion angelegte Studienkurs richtet sich an fortgeschrittene Studierende, Doktorandinnen und Doktoranden sowie PostDocs in einer frühen Phase nach der Promotion im Fach Kunstgeschichte oder verwandter Disziplinen. Von den Teilnehmern wird die Übernahme eines Referates auf Deutsch, Italienisch oder Englisch sowie eine aktive Diskussionsbeteiligung erwartet. Voraussetzung ist eine gute passive Kenntnis der deutschen sowie aufgrund der Literaturlage ebenso der italienischen Sprache. Das Institut übernimmt die Kosten der Unterkunft und vergütet die Hälfte der tatsächlich entstandenen Fahrtkosten; zusätzlich wird den Teilnehmern ein Tagegeld gewährt.

Die Bewerbung sollte einen Lebenslauf, Zeugniskopien und gegebenenfalls eine knappe Zusammenfassung der Masterarbeit oder des Dissertationsprojektes enthalten. Eigene Themenvorschläge oder die Angabe vorrangiger Interessengebiete für Referate sind möglich und sollen, soweit es das Programm zulässt, berücksichtigt werden. Die Bewerberinnen und Bewerber erhalten bis Mitte Mai 2020 Bescheid über die Auswahl und Vergabe der Referatsthemen.

Bitte senden Sie Ihre Unterlagen bis zum 15. April 2020 in einer PDF-Datei (max. 2 MB) mit dem Betreff "Studienkurs 2020" an die Direktion Prof. Dr. Alessandro Nova (dirnova@khi.fi.it sowie hanke@khi.fi.it).

For the third consecutive year, the Institut national d'histoire de l'art, the Villa Finaly and the Kunsthistorisches Institut in Florenz will award two postdoctoral grants to researchers requiring access to Florentine institutions. These grants are intended for researchers in art history, French or foreign, who wish to carry out research in Florentine archives or libraries. Applicants must hold a doctoral degree or be conservateurs du patrimoine. The grant amounts to € 3,000. Awardees are housed at Villa Finaly for a period to be determined (participation costs are € 25 per day for maintenance, in addition to the city tax of € 3 per night and per person within the limit of 7 consecutive nights). The Villa can only receive scholarship holders between January 7 and March 31 or between November 1 and December 15.

Selection committee

The selection committee consists of a representative of the INHA, a representative of the Villa Finaly, a member from the Universités de Paris (the Villa Finaly is the property of the Universités de Paris), a representative of the Kunsthistorisches Institut in Florenz and of an external scholar chosen jointly and by mutual agreement. The committee meets once a year to choose the awardees for the following year.

Application documents

Applications for the 2021 selection must be submitted online on the INHA platform (here) no later than April 5, 2020 before midnight (CET). Only applications submitted online on the INHA platform will be considered.

The file (in French or in English) must include:

1. A letter of application addressed to the director general of the INHA and to the director of the Villa Finaly
2. A curriculum vitae
3. A detailed work program (4 pages maximum) in French or English including:

  • A general presentation of the research;The particular subject requiring the candidate's presence in Florence;
  • The research institutions where the documentation and archives that will be visited are located;
  • Proposals for how this research might be diffused through a conference, a seminar, the establishment of a partnership with research institutions on site or elsewhere, will be particularly appreciated.

4. A recommendation letter by an established scholar in support of the application.
5. The completed information sheet.

Contact

For more information, please contact the Secrétariat of the Département des études et de la recherche of the INHA at +33 (0)1 47 03 85 81 or via e-mail: der-dir@inha.fr.

Organized by: Ariella Minden, Alessandro Nova, and Luca Palozzi

This conference proposes to bring failure into focus as a crucial component of artistic production. Understanding failure as a generative force rather than the antagonist to success offers an opportunity for a paradigmatic shift away from the overpowering rhetoric of accomplishment and artistic progress which is still so predominant in art history –instead re-evaluating trial and error. This may lead, in turn, to a more nuanced understanding of art in its making, that is, as process, with an emphasis on the latter, rather than on the finished object.

This conference's chronological span encompasses the years 1150 to 1750 and the emergence of new methods of scientific and artistic inquiry rooted in practices of empirical observation and sustained experimentation. In so doing, it aims to provide a wider critical framework within which to probe making at the intersections of art, science, and technology. Artists would not have experienced these realms as separate, since their everyday workshop practice showed them as contiguous and porous. They experimented with different materials, forged their own tools, and, in their quest for new and expressive means, bridged and breached boundaries between media and techniques. Very often, they failed. Although failure is usually neglected and often stigmatised in art history, the historical record is not erased.

Evidence of past failure –one's own, or in the form of transmitted knowledge– abounds in artistic and artisanal treatises, and in the surviving documentation, not to mention the objects themselves. Mural painting, for instance, was an exacting medium. In his Libro dell'arte of the late-fourteenth century, Cennino Cennini admonished fellow painters that winter is the best season for painting in fresco, since in frescoing a wall on a hot summer's day the plaster would dry too quickly. Experimentation gone awry runs rampant in practice, as with Cimabue's blackened monumental Crucifixion at Assisi, which would have cautioned others on the hazards of expanding the use of a lead white pigment from panel to wall painting. And it was Leonardo da Vinci's technical audacity, after all, that led him to explore the possibility of using an oil binder in the making of his Last Supper in Milan, much to the detriment of this work's durability.

Not only did artists toy and flirt with failure, but sometimes they harnessed it as an expressive means in its own right. Donatello decided not to amend a defect in the wax model for the veil of his Judith, resting on the figure's head, realizing that it would give viewers the impression of worn-out fabric– well suited to the persona of the Biblical heroine. Indeed, the whole history of bronze casting, and of casting in general, could be rewritten from the viewpoint of failure.

Experiments failed in toto or in part are integral to understanding the history of the so-called applied arts, as well. Maiolica, glass making, and metalwork, for example, relied on the transfer of artisanal knowledge to ensure the multi-generational survival of workshops. Reappraising failure thus also challenges the canonical distinction between arti maggiori and arti minori. Furthermore, as one begins to consider the development and movement of technologies across time and space, a broader geographical perspective is inherent. Particular techniques and classes of objects, such as lusterware from Egypt and Spain, in all its brilliance, easily transgressed cultural and political boundaries, holding appeal to wider audiences all over Europe, and beyond. This prompted local artists and artisans to try and penetrate their technical secrets, a process in which failure was endemic and on occasions even commercially disastrous.

A history of art that is not exclusively result oriented takes the experiments that went wrong as primary historical evidence for the vast array of activities that constitute art making.

We welcome papers that consider the broader geography of failure from 1150 to 1750 including, but not limited to the following contexts:

  • archival documents that record or litigate instances of artistic failure;
  • artisanal epistemologies; the creation and transmission of workshop knowledge through, for instance, the assemblage and handing down of recipe books;
  • drawing practices, the compilation of model books, and their circulation, e.g. through copies and prints; the making of three-dimensional models and casts; issues of dissemination, replication and indexicality;
  • the significance of experimentation in painting and sculpture, and across the applied arts (glass, ceramics, metalwork, textile, leatherwork);
  • how artists came to terms with failure philosophically, for example, in their inscriptions and retrospectively in their writings;
  • artistic treatises, their creation and readership, with an emphasis on the discussion of trial and error in artistic practice;
  • how modern tools of technical analysis, i.e. carried out by museum conservators and technicians, can help detect, prove or else disprove historical cases of artistic failure on material and technical levels.

   

We solicit 25-minute papers from both early career researchers and senior scholars to be given in English. Please send a 300-word paper proposal and a one-page bio to the conference organizers at: dirnova@khi.fi.it by 15 March 2020.

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