Geschichte

vor 1878

Die Idee einer kunsthistorischen Forschungsstätte in Florenz wird zuerst in einem Gelehrtenkreis um den Sammler Karl Eduard Freiherr von Liphart diskutiert. Seine Wohnung in der Via Romana, mit ihren Sammlungen an Gemälden, Büchern, Stichen und Altertümern, dient Kunstkennern wie Wilhelm von Bode, Adolph Bayersdorfer, Adolf von Hildebrand oder Hans von Marées als Grundlage für ihre wissenschaftlichen Forschungen. Als ältestes kunsthistorisches Auslandsinstitut soll die zu gründende Forschungsstätte eine wissenschaftliche Bibliothek und eine Abbildersammlung umfassen.

Karl Eduard Freiherr von Liphart (1808–1891)

1878

Der zu diesem Kreis gehörende Carl Ruland, später Direktor des Großherzoglichen Museums in Weimar, formuliert eine Denkschrift an den Kronprinzen Friedrich Wilhelm mit dem Vorschlag, ein wissenschaftliches Institut für die junge Disziplin Kunstgeschichte in Florenz zu gründen. Das Vorhaben scheitert jedoch an der fehlenden Unterstützung durch das Finanzministerium.

1888

August Schmarsow, Professor für Kunstgeschichte in Breslau, hält im Wintersemester 1888/89 seine Lehrveranstaltungen an verschiedenen Orten in Florenz ab. Er spricht über italienische Plastik im Circolo Filologico im Palazzo Ferroni, über Masaccio und Masolino, und hält Übungen zur Geschichte der italienischen Skulptur und Malerei in seiner Privatwohnung ab. Die neun Studenten dieses Seminars sind Aby Warburg, Ernst Burmeister, Hermann Ulmann, Max J. Friedländer, Albert Kollmann, Johannes Seger, Max Semrau, August Winkler und Ernst Zimmermann. Schmarsow gilt als wichtigster Initiator des Kunsthistorischen Instituts in Florenz.

August Schmarsow (1853–1936)

1893

Auf dem zweiten Kunsthistorischen Kongress in Nürnberg wird beschlossen, "an der vornehmsten Stätte kunsthistorischer Studien, in Florenz" ein Forschungsinstitut zu errichten. Die Leitung des geschäftsführenden Ausschusses übernehmen Adolph Bayersdorfer (München), August Schmarsow (Leipzig) und Max Georg Zimmermann (Berlin).

Der in der Kunstchronik publizierte "Aufruf zur Gründung eines kunstgeschichtlichen Institutes", wird von zahlreichen namhaften Kunsthistorikern im In- und Ausland unterzeichnet. Neben dem Archäologischen Institut in Rom, soll das neue Florentiner Institut "für die neuere Kunstforschung in Italien eine Heimstatt schaffen". Angestrebt wird der Aufbau einer wissenschaftlichen Bibliothek und einer umfangreichen Sammlung von Abbildungen, die von einem "allseitig gebildeten Kunstgelehrten" verwaltet und geleitet werden. Er soll die hier arbeitenden Kollegen und den wissenschaftlichen Nachwuchs beraten und in ihren Forschungen unterstützen.

1896

Durch den einflussreichen Berliner Museumsdirektor Wilhelm von Bode kommen beachtliche Spenden zusammen. In den Ausschuss werden neben ihm Carl Justi, Franz Xaver Kraus und Henry Thode gewählt. Schmarsow schlägt Heinrich Brockhaus aus Leipzig für den Direktorenposten vor. Auf dem Kunsthistorikerkongress in Budapest wird die Institutsgründung und dessen Wahl zum zukünftigen Direktor bekanntgegeben.

Heinrich Brockhaus (1858–1941)

1897

Im größten Zimmer der Privatwohnung von Brockhaus wird das "Kunsthistorische Institut" am 16. November provisorisch eröffnet. Später kommt ein Gästezimmer als zweiter Raum hinzu. Das Institut wird durch die deutsche Reichsregierung und private Spender finanziell unterstützt. Im selben Jahr erscheint die von Schmarsow herausgegebene Festschrift zur Institutsgründung mit wissenschaftlichen Beiträgen zur italienischen Kunstgeschichte.

Privatwohnung von Heinrich Brockhaus in der Viale Principessa Margherita 21 (heute Viale Spartaco Lavagnini)

1898

Der Verein zur Förderung des Kunsthistorischen Instituts in Florenz wird auf dem Kunsthistorischen Kongress in Amsterdam unter dem Vorsitz von Franz Xaver Kraus (Freiburg) konstituiert. Die in Florenz ansässigen Mitglieder des Vereinsausschusses haben einen jährlichen Etat von ca. 15.000 Mark zu verwalten, der zu einem Drittel privat und zu zwei Dritteln öffentlich aufgebracht wird. Bis 1899 können 1.900 Bände und 5.000 Abbildungen verzeichnet werden.

Franz Xaver Kraus (1840–1901), © Museum "Schöne Stiege" Riedlingen, www.museum-digital.de

1901

Am 1. Januar wird die erste "Wissenschaftliche Besprechung" im Institut abgehalten, die bis heute als öffentliche Vorträge weitergeführt werden. Zu Brockhaus Kernaufgaben gehören der Aufbau der Sammlungen, die Organisation der wissenschaftlichen Arbeit im Institut und die Kontaktpflege zu in Italien tätigen Forschern. Bei der Inventarisierung und Katalogisierung der Neuzugänge wird er von seiner Frau Else Brockhaus unterstützt.

1903

Im Jahr 1903 wird das Institut räumlich erweitert, indem man die angrenzende Wohnung (Viale Principessa Margherita 19) mit einem Arbeitssaal und vier Zimmern anmietet. Es können ein Kustos und ein Bibliothekar in fester Anstellung sowie ein Assistent bezahlt werden. Die Assistenten erhalten ein Stipendium und arbeiten neben ihren eigenen Studien halbtags für das Institut. Durch ihren Besuch bekunden die deutschen Kronprinzen Wilhelm und Prinz Eitel Friedrich in diesem Jahr ihr Interesse und ihre Wertschätzung für die Forschungseinrichtung.

1906

Der erste Band der neu gegründeten Buchreihe "Italienische Forschungen" erscheint im Verlag von Bruno Cassirer in Berlin. Er enthält vier Beiträge zur italienischen Renaissance. Später werden die "Italienischen Forschungen" ausschließlich Monographien enthalten.

1908

Im Frühjahr findet der erste Studienkurs für Oberlehrer und Direktoren preußischer höherer Schulen statt, die "ihr Leben lang über Italien vorzutragen hatten, ohne es bisher zu kennen". Unter der Leitung von Paul Schubring sollten sie die Kunst der Renaissance aus eigener Anschauung kennen lernen, um deren künstlerischen Gehalt "fruchtbar nutzen zu können", d.h. in die Fächer Deutsch, Geschichte und Religion einzubringen. Initiator war Friedrich Althoff, Ministerialdirigent im preußischen Kultusministerium.

Das erste Heft der Zeitschrift "Mitteilungen des Kunsthistorischen Institutes in Florenz" erscheint.

1910

Ab 1910 konkretisieren sich Pläne zur Gründung der Bibliotheca Hertziana in Rom, als ein weiteres deutsches Auslandsinstitut für Kunstgeschichte. Paul Fridolin Kehr, Direktor des Preußisch Historischen Instituts in Rom, schlägt eine gemeinsame Direktion für die drei Institute vor (Hertziana, Preußisches Historisches Institut in Rom und Kunsthistorisches Institut in Florenz).

1912

Als neuer Vereinsvorstand definiert Wilhelm von Bode, Generaldirektor der Berliner Museen, 1913 in der neuen Vereinssatzung das Forschungsgebiet des Instituts: statt der mittelalterlichen und neueren Kunstgeschichte sollte das Institut nun vornehmlich der Erforschung der mittel- und oberitalienischen Kunst gewidmet sein. Brockhaus tritt nach 15 Jahren Institutsleitung zurück, und sein Nachfolger wird der Weimarer Museumsdirektor Hans Freiherr von der Gabelentz-Linsingen, der sich in einer Denkschrift genau wie Bode gegen Kehrs ehrgeiziges Projekt der Zusammenführung der römisch-florentinischen Institute schließlich ausspricht.

Da die schnell angewachsene Bücher- und Fotosammlung in räumliche Bedrängnis gerät (8.769 Bände und 26.400 Abbildungen), wird das Kunsthistorische Institut in Florenz in eine Wohnung auf der 2. Etage des Palazzo Guadagni (Piazza S. Spirito 9) verlegt, in dem neben den Institutsräumen auch eine Dienstwohnung für den Direktor angemietet wird.

In der Etage über dem Institut gewährt die Loggia der Pension Bandini, in der zahlreiche auswärtige Besucher des Instituts unterkommen, Ausblicke auf die Stadt. Die Jahre vor dem 1. Weltkrieg stehen im Zeichen der Neuordnung, zu der die systematische Aufstellung nach Sachgebieten gehört sowie ein noch heute gültiges alphanumerisches Signaturensystem.

Palazzo Guadagni, um 1964, Foto: Ivo Bazzechi

Loggia des Palazzo Guadagni, um 1964, Foto: Ivo Bazzechi

Bibliothek im Palazzo Guadagni, um 1927-1935

Photothek im Palazzo Guadagni vor dem Ersten Weltkrieg

1915

Als von der Gabelentz-Linsingen zum Kriegsdienst einberufen wird, bestellt man Kurt Zoege von Manteuffel zu seinem Stellvertreter. Am 16. Mai 1915 schließt das Institut "für die Dauer des Krieges" und wird unter den Schutz des Schweizer Konsuls Carlo A. Steinhäuslin gestellt. Der Förderverein wird weitergeführt und die "Mitteilungen" von Berlin aus publiziert. Nach der Kriegserklärung Italiens an Deutschland wird das Institut am 26. August beschlagnahmt. Es folgt die Unterstellung an den Superintendenten der Florentiner Museen und Galerien Giovanni Poggi und schließlich die Überführung der Bücher- und Fotosammlung in die Räumlichkeiten der ehemaligen Hauptpost, die die Uffizien als Depot nutzen.

1922

Wilhelm von Bode engagiert sich 1922 für die Rückgabeverhandlungen bei den italienischen Ministerien. Wieder ist von der Zusammenlegung der drei deutschen Auslandsinstitute die Rede. Da von Gabelentz-Linsingen im Krieg gegen Italien gekämpft hat und von seinem Posten zurücktreten muss, schlägt von Bode den Schweizer Heinrich Bodmer als Nachfolger vor. Am 10. August erfolgt mittels eines königlichen Dekretes schließlich die Rückgabe der Sammlungen mit Bodmer als ehrenamtlichem Direktor.

1923

Offizielle Wiedereröffnung des Instituts an seinem provisorischen Sitz in der ehemaligen Post in den Uffizien. Die Inflation hat das Vereinsvermögen quasi zunichte gemacht. Die lange Schließung und der Krieg haben die Zahl der Mitglieder des Fördervereins von 277 auf 113 sinken lassen, an neuerliche staatliche Förderung ist nicht zu denken. Die in neun Räumen verwahrten Bestände sind fast vollständig erhalten. Im September 1923 wird hier der regelmäßige Institutsbetrieb mit öffentlichen Sitzungen wieder aufgenommen.

Großer Studiensaal des Instituts in den Uffizien, nach 1923

1924

Die neue Vereinssatzung von 1924 sieht den von italienischer Seite gewünschten internationalen Vereinsausschuss vor. Zu ihm gehören nun erstmalig Mitglieder aus Stockholm, Neapel, Kopenhagen, Florenz, Winterthur, Madrid, Wien, Rom und den USA. Bode gelingt es, private Förderer für den Förderverein zu gewinnen und beträchtliche finanzielle Mittel zum Aufbau bzw. Ausbau des Instituts zu erwerben. Im gleichen Jahr erfolgt in Bologna eine große Fotodokumentation der barocken Denkmäler. Zu den Mitarbeitern der Photothek gehört der ehemalige Stipendiat Ulrich Middeldorf, der sich bis 1935 mit unermüdlichem Einsatz um die Sammlung kümmert.

1925

Man startet das Projekt "Handbuch der Kirchen von Florenz", das sowohl als wissenschaftlich kritisches Nachschlagewerk als auch als Denkmalsführer dienen soll. Aus Anlass von Bodes 80. Geburtstag, der in den Räumen des Instituts gefeiert wird, erscheint eine von Curt H. Weigelt verfasste Schrift über die Geschichte des Florentiner Instituts. Seit 1925 ist ein technischer Leiter der Bibliothek angestellt, um die kriegsbedingten Lücken zu schließen. Die Photothek legt einen alphabetischen und topographischen Zettelkatalog an. Ab Winter 1926 finden wissenschaftliche Sitzungen statt, an denen Kunsthistoriker aus verschiedenen Nationen teilnehmen.

1927

Das Institut kehrt in die Räume des Palazzo Guadagni zurück, in dem nun 34 Arbeitsplätze in Bibliothek und Photothek zur Verfügung stehen. Aby Warburg, einer der verdienstvollsten Förderer des Instituts, spricht zur Eröffnung am 15. Oktober:

"Das Institut ist nicht ein Instrument des Besitzes, sondern der Musikalität: Jeder, der es sich zutraut, mag darauf spielen, nur muss er, in der ununterbrochenen Abschiedssymphonie des Lebens, dafür sorgen, dass er dieses Instrument seinem Nachfolger in bestem Zustand hinterlässt."

Ein Direktorenwechsel sorgt im selben Jahr für Aufsehen. Interne Konflikte, vor allem mit dem Assistenten Weigelt, veranlassen den Vereinsvorsitzenden Bode den Vertrag Bodmers als Direktor nicht zu erneuern. Bodes Nachfolger Wilhelm Waetzold (1880–1943), Generaldirektor der Berliner Museen, setzt Bodmer jedoch wieder ins Amt ein.

Studiensaal der Bibliothek mit Projektionsmöglichkeiten im Palazzo Guadagni, nach 1927

Aby Warburg (1866–1929)

1932

Nachfolger Bodmers wird Professor Arthur Haseloff (1872–1955) aus Kiel. Aufgrund der Weltwirtschaftskrise müssen Gehälter gekürzt werden und das Institut verzeichnet massive finanzielle Einbußen. Haseloff verlegt die Forschungsschwerpunkte auf die "deutsche Kunst", und setzt Besuche faschistischer Ausstellungen in Rom und Besichtigungen deutscher Kunst in Italien an. Haseloff sympathisiert mit der Florentiner NSDAP Ortsgruppe und intrigiert gegen Moritz Hellweg, den deutschen Konsul in Florenz. Aufgrund von Hitlers "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" verliert Wilhelm Waetzold seinen Posten als Berliner Generaldirektor und ist damit auch nicht mehr Vereinsvorsitzender. Seine Stelle wird ab 1937 durch Heinrich Zimmermann, den Direktor des Kaiser-Friedrich-Museums besetzt.

1935

Nachfolger von Haseloff in Florenz wird Friedrich Kriegbaum (1901–1943), der vorher mit einem Forschungsstipendium der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft am Institut gearbeitet hatte. Kriegbaum versucht das Kunsthistorische Institut vor der zunehmenden Vereinnahmung durch den nationalsozialistischen Staat zu bewahren. Er fügt sich aber auch den Vorgaben, z.B. auf die Erforschung deutscher Kunst in Italien und deutsch-italienischer Wechselbeziehungen zu fokussieren.

1936

Die Fördervereinsspitze wird fast ausschließlich mit Personen aus der politischen Führungsriege aus Berlin besetzt, was die Kontrolle und Durchsetzung der ideologischen Ziele der NSDAP ermöglicht. Die alten Ausschussmitglieder werden in einen neu geschaffenen Beirat abgedrängt. Der Institutsdirektor wird vom Vorstand ernannt und nicht mehr vom Ausschuss gewählt. 1938 werden "nicht-arische Personen" ausgeschlossen. Nach 1940 erscheinen keine Jahresberichte des Fördervereins mehr. Die Zahl der Mitglieder fällt auf 108 zurück.

1938

Am 9. Mai führen der Institutsdirektor Kriegbaum und Marino Lazzari, Generaldirektor "delle Antiche e delle Arti", Mussolini und Hitler von den Sammlungen des Palazzo Pitti über den Vasari-Korridor und Ponte Vecchio in die Galerie der Uffizien. Dem in einem Fotoalbum dokumentierte Besuch der zwei faschistischen Machthaber in Florenz folgt eine Verhaftungswelle, von der auch Hans Purrmann, Leiter der Villa Romana, betroffen ist. Viele der bislang in Italien unbehelligt lebenden jüdischen Intellektuellen versuchen daraufhin zu emigrieren. Das Institut ist an den von Mussolini initiierten Schutzmaßnahmen des "patrimonio artistico nazionale" gegen Luftangriffe der Alliierten beteiligt.

1939

Das Institut verleiht zum ersten Mal die von Adolf von Hildebrand geschaffene Bode-Plakette. Ausgezeichnet wird Luigi Vittorio Fossati Bellani für seine Verdienste um die Photothek. Der Druck der NSDAP Auslandsorganisation auf das Institut wird stärker. Direktor, Mitarbeiter und Stipendiaten müssen Parteizugehörigkeit vorweisen.

1943

Am 25. September erfolgt die erste Bombardierung von Florenz durch die Briten, bei der Kriegbaum sein Leben verliert. Posthum wird er zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Sein Nachfolger wird Ludwig Heinrich Heydenreich (1903–1978). Der Berliner Vereinsvorstand besteht auf einer Evakuierung der Sammlungsbestände nach Deutschland.

Ludwig Heinrich Heydenreich (1903–1978)

© Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München

1944

Am 27. Januar wird das Institut im Palazzo Guadagni geschlossen. Am 20. Februar bringt ein Sonderzug 700 Kisten mit Büchern und Abbildungen in das Salzbergwerk Kochendorf bei Heilbronn. Als ehrenamtlicher Mitarbeiter des militärischen Kunstschutzes führt Heydenreich die Geschäfte weiter. Mit der italienischen Denkmalpflege arbeitet er an der Kennzeichnung historischer Bauten in Florenz, Siena und Pisa, die eine militärische Belegung verhindern sollen. Im Krieg zerstörte Kunstwerke werden dokumentiert. Gleichzeitig unterstützen die Aktionen des deutschen Kunstschutzes aber den Kunstraub der NS Führung. Als die Sammlung Bernard Berensons aus der Villa I Tatti für Göring geplündert werden soll, versucht Heydenreich dies zu verhindern.

1945

Die Florentiner Institutsbestände werden aus Kochendorf an den Central Collecting Point in Offenbach gebracht. Die Rückführung des Deutschen Historischen Instituts, der Bibliotheca Hertziana und des Deutschen Archäologischen Instituts nach Italien soll über die dafür gegründete Treuhänderschaft "Unione Internazionale degli Istituti di Archeologia, Storia e di Storia dell'arte di Roma" erfolgen.

1947

Finanziert durch die UNESCO werden die Bestände im Palazzo Guadagni im August wieder als "Biblioteca Internazionale d'Arte" zugänglich gemacht. Die "Unione" strebt die Übergabe an den italienischen Staat und eine internationale Geschäftsführung an, doch diese Pläne scheitern.

1950

Ab 1950 gibt es konkrete Pläne einer deutschen Wiederbeteiligung am Kunsthistorischen Institut in Florenz. Ein Jahr später konstituiert sich der Förderverein mit Sitz in München neu. Die Geschäftsführung übernimmt Ludwig Heydenreich, inzwischen Direktor des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München. Benedetto Croce setzt sich für die Verwaltung des Instituts durch deutsche Behörden ein.

1953

Am 27. Februar einigen sich Bundeskanzler Konrad Adenauer und Ministerpräsident Alcide De Gaspari auf die offizielle Wiedereröffnung der Institute in Italien unter deutscher Leitung. Die Bundesregierung verpflichtet sich das Florentiner Institut zu unterhalten. Finanzielle Zuwendungen sollen durch das Ministerium des Inneren, später durch das Ministerium für Wissenschaft und Forschung erfolgen.

Am 30. April erfolgt die Restitution an den Vereinsvorstand. Nach anfänglichen finanziellen Schwierigkeiten kann der Verein nach einigen Jahren wieder 12% des Gesamtetats aufbringen. Dem Interimsdirektor Jahier wird das Bundesverdienstkreuz für seine Verdienste um den Aufbau der Bibliothek verliehen.

1953 erfolgt die Wiedereröffnung mit einer Feier zum Gedenken an Friedrich Kriegbaum. Der 1935 nach Chicago emigrierte Ulrich Middeldorf (1901–1983) wird neuer Direktor.

Dank der internationalen Kontakte Middeldorfs wird das Institut schnell zu einem Treffpunkt für Gelehrte aus vielen Ländern und pflegt Kontakte zu zahlreichen anderen Institutionen weltweit. Zu Middeldorfs Mitarbeitern gehören zwei Assistenten, eine Bibliothekarin, eine Photothekarin, mehrere wissenschaftliche Hilfskräfte, eine Sekretärin und ein "Institutsdiener". Die Stipendiaten sind wiederum teilweise für das Institut tätig.

Middeldorf sorgt für die Wiedereinführung regelmäßiger Studienkurse und den Ausbau der Bibliotheksbestände. Ihm gelingen wesentliche Erwerbungen wie die der Privatbibliothek des Florentiner Dombauarchitekten Castellucci und des Architekten Cappugi.

Ulrich Middeldorf (1901–1983)

1961

Aufgrund des erneuten Platzmangels wird der Palazzo Capponi-Incontri in der Via Giuseppe Giusti 44 von der Familie des Marchese Attilio Incontri durch die Fritz-Thyssen-Stiftung erworben und als künftiger Institutssitz an den Förderverein übergeben. Bauherr des Palazzo war der Historiker, Staatsmann und Philanthrop Gino Capponi.

Palazzo Capponi-Incontri, 1964

1964

Drei Jahre später wird das Institut vom Palazzo Guadagni in den mit Geldern der Thyssen-Stiftung und des Innenministeriums umgebauten und ausgestatteten Palazzo verlegt. Der neue Standort liegt im ehemaligen Künstlerviertel von Florenz, in dem sich die Wohnhäuser von del Sarto, Sangallo, Pontormo, Zuccari, Cellini, Giambologna befanden, nahe der Universität und der einstigen Accademia del Disegno. Am 10. Februar öffnet das Institut für die Besucher, am 16. Mai folgt der Festakt im Palazzo Vecchio. Zunehmend beteiligt sich das Institut auch an der Vorbereitung von Ausstellungen. Die jährliche Zahl der Nutzer wächst auf 5.600.

Lesesaal im Palazzo Capponi-Incontri, 1964

1966

1966 wird der erste Fellow der Samuel H. Kress Foundation an das Institut entsendet und im gleiche Jahr werden die Arbeiten am "Corpus of Florentine Painting" aufgenommen.

Am 4. November 1966 hat Florenz die größte Flutkatastrophe seiner Geschichte zu verzeichnen. Auch das Institut ist schwer getroffen, da der Schlamm des Hochwassers, die Kanalisation und das ausgelaufene Öl der Heizkessel nicht nur das Gebäude, sondern auch einen Teil der Buchbestände und des Inventars beschädigen. Der stellvertretende Direktor von Erffa sichert zwar weitestgehend die wertvollen Bibliotheksbestände doch sind nach der Flut an die zehntausend Bücher restaurierungsbedürftig, die Möbel in Mitleidenschaft gezogen und vieles unwiederbringlich verloren. Die Wiederherstellungsarbeiten dauern bis zum Amtsende Middeldorfs 1968 an.

Überfluteter Zeitschriftenraum im Palazzo Capponi-Incontri,
4. November 1966

1970

Herbert Keutner (1916–2003) von der Technischen Hochschule Aachen wird Nachfolger Middeldorfs. 1970 spricht sich die Mitgliederversammlung des Fördervereins zugunsten einer Verstaatlichung des Instituts aus. Es erfolgt die Umwandlung in eine "unselbstständige Bundesanstalt im Geschäftsbereich des Bundesministers für Bildung und Wissenschaft".

Der Förderverein und die Bundesrepublik schließen einen Vertrag "sui generis", der die alten von den neuen Institutsbeständen trennen soll. Der ehemalige Trägerverein arbeitet nun ausschließlich als Förderverein und heißt ab jetzt auch "Verein zur Förderung des Kunsthistorischen Instituts in Florenz". Er bleibt Eigentümer des Institutsgebäudes und der älteren Einrichtungs- und Sammlungsbestände und ist im Kuratorium vertreten. Die Verwaltung übernimmt das Ministerium mittels eines entsandten Verwaltungsfachmannes. Es entsteht das "Archiv zur italienischen Kunst des 20. Jahrhunderts", parallel zur von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Literaturerwerbung zur italienischen Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts.

1970 werden jährlich 18.000 Besucher gezählt, was die Kapazitäten nahezu sprengt. Auf Vermittlung des Schatzmeisters des Fördervereins Alexander Kreuter wird 1972 der Kauf der an den Palazzo Capponi-Incontri angrenzenden Casa Rosselli (Via G.Giusti 38–40) durch die Stiftung Volkswagenwerk möglich. Diese war bis in die späten 40er Jahre Wohnsitz der Familie Rosselli. Die beiden Brüder Carlo (1899–1937) und Nello (1900–1937) kämpften im antifaschistischen Widerstand in Italien. Am 9. Juni 1937 wurden sie in Bagnoles-de-l'Orme (Normandie) im Auftrag Mussolinis ermordet. Eine Gedenktafel befindet sich heute an der Fassade des Instituts.

Gartenseite der Casa Rosselli, 1972

1974

Ab 1974 wird an dem ambitionierten Forschungsprojekt "Die Kirchen von Siena" gearbeitet.

1980/81

Unter dem Direktor Gerhard Ewald (1927–1997), stellvertretender Direktor der Staatsgalerie Stuttgart, wird das Institut dem Geschäftsbereich des Bundesministers für Forschung und Technologie zugeordnet. In seine Amtszeit fallen die Herausgabe der Bauakten des Florentiner Doms und das Forschungsprojekt zu den Künstlerselbstbildnissen in den Uffizien. Wegen umfangreicher Renovierungsarbeiten bleibt das Institut von 1981 bis Sommer 1982 geschlossen. Der Eingangsbereich wird völlig neu gestaltet, ein neuer Lesesaal für Zeitschriften entsteht und der Vortragssaal zieht in die Casa Roselli.

1986 beteiligt sich das Institut mit Kongressen und Publikationen an der großen Donatello-Ausstellung.

1987

Auf Initiative von Detlef Heikamp, Max Seidel, Herbert Beck, Ralph P. Odendall und Mario Piccinini wird der Ankauf der Casa del Sarto-Zuccari, des ehemaligen Wohnhauses Andrea del Sartos und später Federico Zuccaris, der es aufwendig freskierte, in die Wege geleitet. 1988 erfolgt die Übergabe des Gebäudes an den Förderverein durch die Deutsche Bank AG, die den Erwerb finanziell ermöglichte und deren Ehrenvorsitzender Hermann J. Abs der entscheidende Fürsprecher war.

Casa Zuccari, 1988

1993

Nachfolger von Ewald wird Max Seidel (*1940), Ordinarius in Heidelberg und mit Peter A. Riedl Leiter des Projekts "Die Kirchen von Siena". Unter seiner Leitung werden die Kapazitäten des Instituts weiter ausgebaut.

1994

Die Bibliotheken der Hertziana in Rom, des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München und des Kunsthistorischen Instituts in Florenz beschließen die Gründung eines Verbundes zur Kooperativen, EDV-gestützten Literaturerschließung. Damit einher geht der Aufbau eines gemeinsamen Netzes und einer elektronischen Datenbank.

Das Institut lässt von Mortimer Graf Maltzan ein Restaurierungskonzept für die Casa Zuccari erstellen, das mit Unterstützung italienischer Sponsoren ab 1996 bis 2004 umgesetzt wird.

Gartensaal im Erdgeschoss der Casa Zuccari, 1988

Decke des Gartensaals im Erdgeschoss der Casa Zuccari, 1988

1997

Das hundertjährige Bestehen des Kunsthistorischen Instituts in Florenz wird mit verschiedenen Kongressen gefeiert. Anlässlich des Jubiläums besucht der amtierende Bundespräsident Roman Herzog das Institut.

2000

Das Kunsthistorische Institut in Florenz in die Max-Planck-Gesellschaft zu überführen, wird seitens des Bundesministeriums für Bildung und Forschung dem Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft vorgeschlagen. Das Kuratorium sowie der Förderverein haben diese Option ausdrücklich befürwortet.

2002

Die Max-Planck-Gesellschaft übernimmt die Trägerschaft des Instituts. Die feierliche Überleitung erfolgt am 3. Juni mit einem Festakt in der Aula Magna der Universität Florenz. Ein Fachbeirat wird eingerichtet, als Vorsitzende Elizabeth Cropper gewählt, Direktorin des CASVA, Washington DC. Seit 2004 finden regelmäßige Evaluierungen statt – zunächst im Abstand von 2 Jahren, dann im Abstand von 3 Jahren.

2003/06

Neue Direktoren werden 2003 Gerhard Wolf, Professor an der Universität Trier und 2006 Alessandro Nova, Professor an der Universität Frankfurt und Direktor des Zentrums zur Erforschung der Frühen Neuzeit (Renaissance Institut), Frankfurt am Main.

Mit der Überführung des Kunsthistorischen Instituts in Florenz in die Max-Planck-Gesellschaft und unter der operativen Doppeldirektion avanciert das Institut zu einer internationalen Forschungsstätte, die an den Grundlagendebatten der Kunstgeschichte teilnimmt.

2005

Die Casa Zuccari wird nach ihrer Restaurierung mit einem Festakt eingeweiht. Max Seidel wird Ehrenbürger von Florenz.

2006/07

Mit der Einrichtung verschiedener Forschungsprojekte werden die Förderformate der Max-Planck-Gesellschaft übernommen: 2006–2011 Max-Planck-Forschungsgruppe "Das wissende Bild. Epistemologische Grundlagen profaner Bildlichkeit vom 15.–19. Jh." (Michael Thimann), 2007–2012 Minerva-Forschungsgruppe "Kunst und die Kultivierung der Natur" (Hannah Baader). Avinoam Shalem wird Max-Planck-Fellow mit dem Projekt "Crossing Boundaries, Creating Images: the Prophet Muhammad in Literary and Visual Traditions" (bis 2015).

2008

Die Generalsanierung des Palazzo Capponi-Incontri und der Casa Rosselli beginnt. Bis 2013 wird der gesamte Gebäudebestand in der Via Giuseppe Giusti nach neuesten denkmalpflegerischen und konservatorischen Standards sensibel in Stand gesetzt.

2009

Im Rahmen der Sanierungsarbeiten bezieht die Photothek im Dezember ihr neues Quartier im Palazzo Grifoni Budini Gattai an der Piazza Santissima Annunziata. Das von der Getty Foundation finanzierte Projekt "Art, Space and Mobility in the Early Ages of Globalization" nimmt seine Arbeit auf.

Palazzo Grifoni Budini Gattai, 2009

2010

In Kooperation mit den Staatlichen Museen zu Berlin wird das Forschungs- und Stipendienprogramm "Connecting Art Histories in the Museum. The Mediterranean and Asia" initiiert. Zusammen mit der Freien Universität Berlin wird die Juniorprofessur für italienische Kunst der Frühen Neuzeit (Wolf-Dietrich Löhr) eingerichtet.

2011

Als neue Max-Planck-Forschungsgruppe wird ab das Projekt "Objects in the Contact Zone – The Cross-Cultural Lives of Things" (Eva-Maria Troelenberg) eingerichtet.

2012

Neuer Vorsitzender des Fachbeirats wird Horst Bredekamp, Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin.

2014

Die Minerva-Forschungsgruppe "Nomos der Bilder: Manifestation und Ikonologie des Rechts" (Carolin Behrmann) wird gefördert.

Das Institut beteiligt sich an der großen Ausstellung "Florenz!", die in der Bundeskunsthalle in Bonn gezeigt wird.

2015

Der letzte gedruckte Band der seit 2004 im Verlag Klaus Wagenbach erscheinenden "Edition Giorgio Vasari" wird veröffentlicht. Die Ausgabe findet in digitaler Form eine Weiterführung.

Gesamtausgabe der "Edition Giorgio Vasari"

2017

Am 12. Dezember feiert das Institut sein 120-jähriges Bestehen.

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