Dieter Blume: Metamorphosen der Liebe - Ovid-Lektüre im Trecento

Seminar

Der Vortrag steht im Zusammenhang mit einem größeren Forschungsprojekt von Dieter Blume zu:

Mythos und Allegorie im italienischen Trecento

Die entscheidende Weichenstellung für das neuzeitliche Verständnis des antiken Mythos liegt im Trecento. Auch wenn bereits in den Jahrhunderten zuvor eine Rezeption der einschlägigen antiken Texte stattgefunden hat, erreicht dies in der Zeit um 1300 eine neue Intensität. Dies steht in engem Zusammenhang mit der Entwicklung der Poesie und der Aufwertung des Schreibens in der Volkssprache (volgare). Neben Dante, Boccaccio und Petrarca spielen hier eine Reihe weiterer Autoren eine Rolle. Die Allegorisierung der antiken Mythen scheint häufig nur ein Modell gewesen zu sein, welches die Anbindung an das christliche Weltbild ermöglicht sowie Mythos und Poesie von dem Vorwurf des Irrelevanten schützt. Deutlich ist vielmehr ein Interesse an dem narrativen Gehalt der Mythen und insbesondere an dem dort entfalteten emotionalen Drama. Dies prägt auch die in größere Zahl entstehenden Bildfassungen - wie jene prächtige Ovid-Handschrift (Petrus Berchorius) in Gotha (Forschungsbibliothek Cod. Membr. I 98) oder die lebendigen Zeichnungen einer Ovid-Übersetzung in Florenz (Bibl. Nazionale, Ms. Panciatichi 63) Der Mythos wird zu einem Vehikel neuer Erfahrungen und übt einen anderen Blick auf die Wirklichkeit ein.

Das Projekt ist als ein Baustein für ein differenzierteres Verständnis der Kunst des Trecento und ihrer spezifischen Modernität zu versehen.

Prof. Dr. Dieter Blume

Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Ethnologie an der Universität Heidelberg. Promotion 1981 mit der Arbeit "Wandmalerei als Ordenspropaganda. Bildprogramme im Chorbereich franziskanischer Konvente Italiens bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts" (publ. 1983).

Konzeption der Ausstellung "Natur und Antike in der Renaissance" im Liebieghaus, Frankfurt/Main 1985. Habilitation an der LMU in München 1991 mit der Schrift "Regenten des Himmels. Astrologische Bilder in Mittelalter und Renaissance" (stark erweiterte Publikation in der Schriftenreihe des Warburg-Hauses in Hamburg, 2000).

Lehre an den Universitäten München, Frankfurt, Heidelberg, Zürich sowie Baltimore/USA (John Hopkins Univ.). Seit 1994 Professor an der Friedrich Schiller Universität in Jena.

2003/04 Richard-Krautheimer-Gastprofessur an der Bibliotheca Hertziana, Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte, in Rom. Leiter des Forschungsprojektes "Bild und Wissenschaft - Geschichte der Sternbilderdarstellungen von 800 bis 1500". Mitglied der internationalen Forschergruppe des "Michael-of-Rhodes-Project" am Dibner Institut for the History of Science and Technology des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge/Mass., USA.

Kunsthistorisches Institut in Florenz - Max-Planck-Institut
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