Heinrich Dilly: Weder Grimm, noch Schmarsow, geschweige denn Wölfflin... - Zur jüngsten Diskussion über die Diaprojektion um 1900

Im Rahmen der Vortragsreihe "Fotografie als Instrument und Medium der Kunstgeschichte" der Photothek des Kunsthistorischen Instituts in Florenz

Die Diskussion über die wahrlich eigenartige Lichtbildprojektion in der Kunstgeschichte ist kaum bekannt. Deshalb werde ich, zuerst über sie und diesen Teil des kunstwissenschaftlichen Instrumentariums informieren. Aus den Ausführungen werde ich dann den Schluss ziehen, dass sich die Forschungen wohl auf die Genese und Einführung der Projektion konzentriert haben, dass aber eine ganze Geschichte ihrer Auswirkungen sowie der Alternativen dazu noch nicht einmal angedacht worden ist.

Es ist daher an der Zeit und wäre nur konsequent, die Geschichte zu Ende zu erzählen bzw. zu schreiben, selbst wenn man weiß, dass es auch dann immer noch das eine oder das andere anzufügen und zu verbessern gibt, ja selbst wenn das ganze Konstrukt in wenigen Jahren wieder eingerissen werden wird! Für solch eine Rekonstruktion ist hier allerdings weder Raum noch Zeit. Deshalb werde ich im zweiten Teil nur einige Anhaltspunkte für diese viel längere Geschichte geben.

Weil sich jedoch auch die kunst- und kulturwissenschaftlichen Interessen immer schneller ändern, ist eine erneute Begründung dieser Geschichte geboten. Ist denn diese so eigenartig stumme, stille, wortkarge und fast ausschließlich praktizierte und präsentierte, kaum reflektierte und noch sehr viel weniger dokumentierte Geschichte der Lichtbildprojektion für die Kunst- und Wissenschaftsforschung immer noch nötig? Konnten im Laufe des in diesem Falle nun dreißigjährigen wissenschaftlichen Kleinstkrieges, wie Bruno Latour sagen würde, nicht einige anscheinend triftige Argumente dafür ad acta gelegt? Daher werde ich im dritten und letzten Teil mit einer Begründung schließen. Vielleicht kann sie einen neuen Ansatz beim Schärfen des wissenschaftlichen Instrumentariums bieten.

Dr. Heinrich Dilly, Prof. der Kunstgeschichte i.R.

1977 Promotion zum Dr. phil. aufgrund der Dissertation "Kunstgeschichte als Institution - Studien zur Geschichte einer Disziplin" (Frankfurt am Main 1979).

1984-1995 Professor für Kunstgeschichte an der Universität Stuttgart. Gast- und Vertretungsprofessor an den kunsthistorischen Instituten bzw. Seminaren in Halle, Hamburg, Marburg, Bochum, Frankfurt und Zürich sowie am Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe. Seit 1995 Professor für neueste Kunstgeschichte und Kunsttheorie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in Halle.

1985/86 Fellow an Netherlands Institute for Advanced Study in Wassernaar und 2006 am Clark Art Institute in Williamstown; 1999/2000 Scholar am Getty Research Institute in Los Angeles.

Publikationen vornehmlich zur Geschichte der Kunstgeschichte, über einige südwestdeutsche Künstler, über die Frage "Ging Cézanne ins Kino?" sowie über Wörlitz und den Fürsten Franz von Anhalt-Dessau. Jüngst ist erschienen: "Adolph Goldschmidt 1863-1944 - Normal Art History im 20.Jahrhundert." Hrsg. von Gunnar Brands und Heinrich Dilly, Weimar 2007.

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