Bildergeschichten. Illustrationen italienischer Chroniken im kommunalen Umfeld

Studientage

Der Studientag fragt nach dem Platz der illustrierten Schrift im Gefüge der verschiedenen Medien, die Träger von kommunalem Gedankengut sein können. In illustrierten Stadtchroniken stellen sich die schriftlich fixierte und verbildlichte Vergangenheit als Ausdruck des Geschichtsbewusstseins sowie des gegenwärtigen Selbstentwurfs der städtischen Eliten dar. Die Bilder können den Text schmücken und strukturieren, ihn erklären, ergänzen oder zusammenfassen, ihm weitere Bedeutungsebenen beigeben, sie können sich an eine andere Öffentlichkeit als das Lesepublikum richten. Die Frage nach Funktion und Gebrauch schließt sich an: Wer hatte den Auftrag erteilt, die Stadtgeschichte zu illustrieren? Welchem Publikum waren die Bilder zugänglich? Welche Rolle spielten Bilder beim Verlesen der Stadtgeschichte? Wirkten die Bilder aus dem Chronikzusammenhang hinaus in den öffentlichen Stadtraum?

Stadtchroniken beschreiben meist neben universalgeschichtlichen Ereignissen lokalhistorische Begebenheiten, die weit zurückliegen oder gerade erst geschehen sein können, für deren bildliche Darstellung der Illuminator nicht auf tradierte Ikonographien zurückgreifen konnte. Daher ist bei der Analyse der Bildsprache die mögliche Übernahme und Umdeutung visueller Topoi aus anderen Kontexten (Bibel-, Romanillustrationen, Rechtsbücher etc.) zu beachten. Die Verwendung von Bildzeichen aus anderen Bereichen - wie der Heraldik - oder die bildliche Fixierung performativer öffentlicher Akte können bei der Illustration von Stadtchroniken eine besondere Rolle spielen.

Um das spezifisch ‚Kommunale’ an Text und Bild in Stadtchroniken erkennen zu können, ist ein Vergleich mit anderen Typen der Chronistik, wie Welt-, Staats-, Kloster-, Bischofschroniken relevant.

Innerhalb des städtischen Umfeldes ist die rechtliche Stellung des Bildes von Bedeutung: Konnte ein Bild denselben Beweischarakter wie ein Schriftstück erlangen? Gibt es ‚gemalte’ Urkunden? Wie weit ist eine illustrierte Chronik demnach doppelt "wahr"?

Desweiteren sollen andere Träger von Text/Bild-Gruppen - Inschriften an Kirchenportalen, Stadttoren und anderen öffentlichen Orten, Münzen, Siegel, mit Tituli versehene Wandgemälde - in ihrem Verhältnis zu den illustrierten Stadtchroniken berücksichtigt werden.

Aus einem interdisziplinären Blickwinkel soll der Studientag die Rolle der illustrierten (Stadt-) historiographie im System der kommunalen Kunst des Mittelalters beleuchten. Die Besonderheit des Mediums - des 'Bilderbuches' - wird dabei besonders in Betracht gezogen werden.

Kunsthistorisches Institut in Florenz - Max-Planck-Institut
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Verena Gebhard M.A.  
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