Ethik & Architektur-Dialog

Crossing the Line: Colonial and Postcolonial Architecture in Africa

Organized by Brigitte Sölch

Italienische Kolonialarchitektur und ihre Folgen

Simone Bader

Italienische Soldaten betraten den Landstrich am Roten Meer 1886, eroberten das Gebiet sukzessiv und gaben ihm 13 Jahre später den Namen Eritrea. Die einheimische Bevölkerung erlebte die Invasion als einen empfindlichen Einschnitt in ihre kulturellen Gewohnheiten und Traditionen. Für tiefgreifende Veränderungen sorgten vor allem Architekten und Bauherren, die in der Kolonie die einmalige Chance erkannten, eigene Vorstellungen und Ideen umzusetzen ohne auf schon vorhandene Strukturen Rücksicht nehmen zu müssen. Vielmehr konnten sie kompromisslos ihrem Architekturverständnis genauso Ausdruck verleihen wie ihrer gesellschaftlichen Stellung im neu entstehenden städtebaulichen Gefüge. Indigene Siedlungsstrukturen mussten sogar, wenn sie den Ausbau der Zentren störten, vollständig weichen.

Vor diesem kolonialhistorischen Hintergrund stellt sich umso mehr die Frage, wie die heutige eritreische Bevölkerung mit diesem schwierigen Erbe umgeht, bedeutete es doch für Generationen Unterdrückung und veränderte die eigene Identität nachhaltig? Wie also kann auf Formen und Strukturen aufgebaut werden, die vor allem dazu dienten, die koloniale Gesellschaft zu kontrollieren? Fragen, die nicht nur für Eritrea bedeutend sind, sondern ganz Afrika betreffen und die zukünftige architektonische Gestaltung dieses ganzen Kontinents nicht unerheblich beeinflussen.

In diesem Vortrag sollen die Probleme anhand der Entwicklung der italienischen Kolonialstadt Asmara analysiert und erste Lösungsansätze vorgestellt werden, die anschließend frei zur Diskussion stehen.

 

Simone Baader ist seit Januar 2013 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Architekturmuseum der TU München und hat die Ausstellung, den Katalog und das erweiterte Begleitprogramm zu "AFRITECTURE-Bauen mit der Gemeinschaft" maßgeblich mitbestimmt und organisiert. Ende 2012 reichte sie ihre Dissertation "Moderne in Afrika. Asmara - Die Konstruktion einer italienischen Kolonialstadt" an der Humboldt-Universität zu Berlin ein. Für ihre Forschung nahm sie an einem Austauschprogramm der University of California (Berkeley) teil, arbeitete im Archiv des Infrastrukturministeriums in Asmara und erhielt ein Stipendium des Deutschen-Historischen Instituts in Rom. Zuvor arbeitete sie als Assistentin in der Galerie Contemporary Fine Arts, Berlin, und erhielt Werkverträge für verschiedene Aufgabenstellungen an der Neuen Nationalgalerie.

    

AFRITECTURE and beyond. Architekturausstellungen und die Fragen der Ethik

Andres Lepik

Nach der Postmoderne und dem Kult der Star-Architektur ist die Frage nach der gesellschaftlichen Relevanz der Disziplin gegenwärtig wieder in die öffentliche Debatte gerückt. Schon die 7. Architekturbiennale des Jahres 2000 in Venedig trug den Titel: "Less Aesthetics, More Ethics" - wobei hier aber kaum konkrete Beispiele zu finden waren. Seit der wirtschaftlichen Krise von 2008 wenden sich Architekten vermehrt Projekten zu, bei denen sie Entwürfe für die "anderen 99%" der Weltbevölkerung entwickeln. Ob Slum-Upgrading in den brasilianischen Favelas oder Lehmbau in Afrika, Flüchtlingslager im Nahen Osten oder auch bessere Gestaltung für Notunterkünfte in Europa: eine junge Generation von Architekten stellt ihre Kompetenz und Kreativität in den Dienst von Gesellschaftsschichten, die nach dem üblichen Verständnis ihrer Profession nicht als ihre Kunden auftreten würden.

Mit der Ausstellung "AFRITECTURE. Bauen mit der Gemeinschaft" wurde das Thema der sozial engagierten Architektur im Architekturmuseum München in der Pinakothek der Moderne an 26 Beispielen aus Subsahara präsentiert. Diese Ausstellung ist die Fortsetzung einer längeren Reihe von Präsentationen, die mit "Small Scale, Big Change. New Architectures of Social Engagement" im MoMA 2010 begann. Mit AFRITECTURE ist es erstmals gelungen, die Besucher aktiv in die Präsentation einzubinden und die Ausstellung zu einer offenen Plattform des Diskurses zu machen.

   

Andres Lepik studierte Kunstgeschichte und Germanistik an den Universitäten Augsburg und München und promovierte über Architekturmodelle der Renaissance an der Bibliotheca Hertziana in Rom. Von 1994 an war er als Kurator an den Staatlichen Museen zu Berlin tätig, von 1998 bis 2004 wissenschaftlicher Referent des Generaldirektors. Von 2004 bis 2007 übernahm er die Leitung der Architektursammlung 20. / 21. Jahrhundert an der Kunstbibliothek. Von 2007 bis 2011 Curator am Department for Architecture and Design im Museum of Modern Art, New York. 2011/2012 Loeb-Fellow an der Graduate School of Design, Harvard University. Seit Oktober 2012 Professor für Architekturgeschichte und kuratorische Praxis an der TU München und Direktor des Architekturmuseums der TUM in der Pinakothek der Moderne.

Ausstellungskurator von zahlreichen Architekturausstellungen an den Staatlichen Museen zu Berlin, u. a.: "Architekturmodelle der Renaissance" (Altes Museum, 1995), "Renzo Piano" 2000 (Neue Nationalgalerie), "Mies in Berlin" (Altes Museum, 2001), "Content/Rem Koolhaas und OMA AMO" (Neue Nationalgalerie 2003/4). Am Museum of Modern Art kuratierte er: "Small Scale, Big Change. New Architectures of Social Engagement" (2010/2011) und am Architekturmuseum: "AFRITECTURE - Bauen mit der Gemeinschaft" (2013/2014)

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