Wissen(schaft) online

Roundtable

Abteilung Direktion Alessandro Nova

Organisatoren: Carsten Blüm, Anna Schreurs, Thorsten Wübbena

Im vergangenen Jahrzehnt sind eine Vielzahl von Projekten und Initiativen gestartet worden, die es Fachwissenschaftlern ermöglichen sollen, ihre Arbeitsergebnisse online - in verschiedensten Formaten, von der Edition bis zur wissenschaftlichen Kommentierung in Publikationen Dritter - zu veröffentlichen. Doch nicht annähernd in gleichem Maße nahmen Geisteswissenschaftler diese Angebote an. Häufig erfolgte bestenfalls ein rein passiver Konsum, die rezipierende Nutzung von Angeboten wie etwa E-Journals. Grundlegend für den hier skizzierten und am Kunsthistorischen Institut (Max-Planck-Institut) für den 29. März 2011 geplanten Roundtable sind die Erfahrungen bei der Konzeption und Realisierung eines großen Online-Publikationsprojekts wie Sandrart.net. Ziel des Rundgesprächs ist eine grundlegende Reflexion über die weitgehende Passivität seitens der geisteswissenschaftlichen Community, was die Freigabe und die Verbreitung ihrer wissenschaftlichen Erkenntnisse in digitalen Medien angeht.

Das Festhalten am reinen Print-Publizieren begründet sich offenbar vor allem in der geringen Verwertbarkeit der Online-Publikationen für das eigene wissenschaftliche Renommee bzw. den beruflichen Werdegang. So steht beispielsweise die wissenschaftliche Würdigung der Mitarbeit an einem Online-Projekt noch immer in keinem recht nachvollziehbaren Verhältnis zur Anerkennung einer entsprechenden Mitarbeit bei einer Print-Edition. Ängste scheinen jedoch auch hinsichtlich der Datensicherheit und langfristigen Verfügbarkeit zu bestehen, durch die der Fortbestand der eigenen wissenschaftlichen Leistung oder der Arbeitsergebnisse angezweifelt wird. Schließlich wäre zu fragen, inwieweit die jüngst im Rahmen der virulenten Frage "How is the Internet changing the way you think?" (vgl. Umfrage im Onlinemagazin für Wissenschaftskultur Edge.org 2010) erschienenen Bücher und Statements von "Aussteigern", also solchen, die sich einige Monate Internet-Abstinenz auferlegten (Nassim Taleb, Alex Rühle) oder medienkritischen Autoren wie Frank Schirrmacher, Nicholas Carr oder Maryanne Wolf, die vor den Gefahren des ausschließlich auf digitale Texte konzentrierten Lesens warnt, eine Bedeutung für die beschriebene Skepsis vor dem digitalen Publizieren hat.

Ein Aspekt der Diskussion am runden Tisch soll daher die grundsätzliche Akzeptanz und Wertschätzung von Online-Publikationen sein sowie die Frage, inwiefern hier möglicherweise ein bis zu einem gewissen Grad unüberbrückbarer Gegensatz zwischen Theorie bzw. Wunschdenken (nicht zuletzt auch im Hinblick auf die angestrebte stärkere Durchsetzung von Open Access) und Praxis (den "ungeschriebenen Regeln" der geisteswissenschaftlichen Communities) besteht. Das Rundgespräch soll einerseits einen Rahmen bieten, in dem sich die Diskutanten über ihre Erfahrungen und ihren Umgang mit der beschriebenen Online-Skepsis austauschen können sowie Befürworter und Förderer der Verfügbarmachung von Forschung im Netz mit jenen geisteswissenschaftlichen Forschern im Plenum zusammenbringen, die bislang nur zögerlich die Chance einer Online-Publikation ergriffen oder im kollektiven wissenschaftlerverbund mitgearbeitet haben.

PROGRAMM

Montag, 28. März, Palazzo Grifoni, Vortragssaal

18.00 Uhr

Prof. Dr. Irene Dingel (Direktorin des Instituts für Europäische Geschichte Mainz)

Europäische Geschichte Online - eine transnationale Geschichte Europas im Internet. Konzeption - Realisierung - Erfahrungen

Dienstag, 29. März, Palazzo Grifoni, Vortragssaal

9.45 Uhr

Dr. Thomas Stäcker (Stellvertretender Direktor Herzog August Bibliothek, Wolfenbüttel; Abteilungsleitung Integrierte Medienbearbeitung)

Perspektiven der Zusammenarbeit von Forschung und Bibliothek, oder: Warum und wie erstelle ich eine digitale Edition?

10.30 Uhr

Prof. Dr. Hubertus Kohle (Ludwig Maximilians Universität München, Mitherausgeber des Rezensionsjournals "Sehepunkte", http://www.sehepunkte.de/)

Die Zukunft war immer schon anders als die Vergangenheit. Über die Kunstgeschichte im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit

11.15 Uhr

Kaffeepause

11.45 Uhr

Dr. Jan Simane (Kunsthistorisches Institut Florenz MPG, Direktor der Bibliothek)

"So with the internet and e-books, do we really need millions for libraries?" Die Rolle der Bibliothek im Zeitalter des Online-Publizierens

12.30 Uhr

Mittagspause

14.00 Uhr

David Ludwig, M.A. (Wiss. Mitarbeiter Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik, Berlin)

Wikipedia als Modell für Chancen und Probleme digitaler Publikationen

15.00 Uhr

ROUNDTABLE Wissen(schaft)online - Probleme, Möglichkeiten und Perspektiven

Moderation: Dr. Verena Gebhard (Wiss. Bibliothekarin des KHI Florenz)

Teilnehmer:

Carsten Blüm, Irene Dingel, Hubertus Kohle, David Ludwig, Alessandro Nova, Anna Schreurs, Jan Simane, Thomas Stäcker, Thorsten Wübbena

Kunsthistorisches Institut in Florenz - Max-Planck-Institut
Palazzo Grifoni - Seminarraum
Via dei Servi 51
50122 Firenze
PD. Dr. Anna Schreurs  
E-Mail:schreurs@...

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