Steffi Roettgen: Abbild und Urbild im Dialog - zur Abformung von Ghibertis "Porta di mezzo"

Vortrag organisiert vom Verein zur Förderung des Kunsthistorischen Instituts in Florenz (Max-Planck-Institut) e.V., in Zusammenarbeit mit dem Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München

Die 1990 an ihrem originalen Standort (östliche Tür des Baptisteriums in Florenz) durch ein Duplikat ersetzte Bronzetür, die allgemein als Porta del Paradiso bezeichnet wird, wurde zum ersten Mal im Jahr 1771 in Gips abgeformt, und zwar auf Anregung von Anton Raphael Mengs. Dieser Abguss, der sich heute in eher schlechtem Zustand in der Accademia delle Belle Arti in Florenz befindet und der kürzlich durch eine vom KHI unternommene Fotokampagne bildlich dokumentiert wurde, war ein Meilenstein in der Ghiberti-Rezeption des 19. Jahrhunderts, da er für die meisten Abgüsse in den traditionellen Abgusssammlungen als Matrix diente. Eng mit der Geschichte des Abgusses ist die Vorgeschichte der Restaurierung des Originals verbunden, die momentan kurz vor dem Abschluss steht. Um die Problematik der Restaurierung und der Substitution der Originale durch Kopien geht es im letzten Teil des Vortrages, wobei die Reproduktionsgeschichte von Michelangelos David zur Sprache kommt und der "postmodern" konnotierte heutige Umgang mit Abgüssen berühmter plastischer Bildwerke.

Prof. Dr. Steffi Roettgen

Studium der Kunstgeschichte, der klassischen Archäologie, der Theaterwissenschaft und der Vor- und Frühgeschichte in Erlangen, München und Bonn. 1974 Promotion bei Herbert von Einem in Bonn, 1976-1979 Auslandsstipendium der DFG in Rom (Bibliotheca Hertziana) und Madrid. 1979-1980 Museumsvolontariat in München, 1981 Werkvertrag am Bayerischen Nationalmuseum für die Inventarisation der Grabmäler des Alten Südlichen Friedhofs in München. 1980-1985 Assistentin am Institut für Kunstgeschichte an der LMU München. 1985-1990 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunsthistorischen Institut in Florenz. 1992 Habilitation TU Berlin, seitdem Lehrtätigkeit in Berlin und München. 2001 apl. Professur an der LMU München. Assoziierte Gastwissenschaftlerin am KHI Florenz. Forschungsschwerpunkte: Italienische Malerei des 18. Jahrhunderts, Wand- und Deckenmalerei des Barock in Italien, Anton Raphael Mengs, Die italienische Topographie im Blick der Nordländer.

Zentralinstitut für Kunstgeschichte
Raum 242 (2. OG)
Katharina-von-Bora-Straße 10
80333 München

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