Workshop

Piazza e monumento. Skulpturale Raumbildung in der Frühneuzeit

Organisiert von der Forschergruppe "Piazza e monumento"

Die Verbindung von Platz und Monument, die der Workshop verfolgt, betrifft die Relation von Skulptur/Plastik und dem Außenraum der Stadt. Mit letzterem ist nicht ein gegebener, 'leerer' Raum gemeint, sondern Räume, die durch bildliche Monumente erst entstehen, qualitativ geschaffen werden. Wenn sich die Veranstaltung der Piazza-Gruppe den Prozessen der skulpturalen Raumbildung widmet, so geht es zunächst grundsätzlich um "Forderungen, die aus der Form des Monuments selbst erwachsen" (Albert Erich Brinckmann, Platz und Monument, 1908). Der Form-Begriff der frühen kunsthistorischen Platzforschung wäre heute sicher zu ergänzen durch Fragen nach Materialität, Oberfläche, aber auch nach Intransparenz und Schwere/Leichtigkeit des plastischen Mediums. Dennoch wurden für die Analyse des öffentlichen Monuments hier wichtige Rahmenbedingungen geschaffen, die der wissenschaftlichen Diskussion vielleicht nicht immer unbedingt bewusst sind. Ein Ziel des Workshops ist es daher, das neuartige Dispositiv des Raums, das die frühe kunsthistorische Platzforschung bereitstellte, auch hinsichtlich seiner Bedeutung für die Erforschung der Skulptur zu diskutieren.

Die Kategorie des Raums, die um 1900 sowohl Camillo Sitte als auch Albert Erich Brinckmann ins Zentrum ihrer Stadtforschungen stellten, machte es möglich, das öffentliche Monument erstmals in seinem unmittelbaren Kontext zu verstehen. In den Illustrationen zu ihren Texten verzeichnen beide Autoren stets die örtliche Position des Bildwerkes, die zum Ausgangspunkt dafür wird, die Art der Zusammenhänge im Platz zu untersuchen. Für die Erforschung der Skulptur, die sich bis dahin vor allem auf den ‚Gehalt’ eines Bildwerks konzentriert hatte, waren damit erstmals die Voraussetzungen gegeben, nicht nur dessen mimetische Fähigkeit, sondern auch seine räumliche Ausstrahlung als bedeutungskonstitutiv zu verstehen. Die besetzenden, raumgreifenden oder verdrängenden Funktionen eines Monuments erschienen hier als eigenständige Qualität, die mit zur Aussage eines Werks beitrugen. Dies bedeutete nicht nur eine wichtige Voraussetzung für die Entstehung der modernen Skulptur, die selbst mehr und mehr auf abbildende Werte verzichtete, sondern auch für die zeitgenössische Diskussion um den "öffentlichen Raum", der sich durch die Modernisierung der Stadt verändert hatte.

Die Werke der Frühneuzeit bieten eine gute Forschungslage, um die hier angeschnittenen Fragen auf verschiedensten Ebenen zu verfolgen. Die freie Aufstellung von Standbildern, die mehr und mehr deren überlieferte Position in oder vor der Kirchenwand ablöste, verlangte eine verstärkte Auseinandersetzung mit der Wirkung des Bildwerks im bewusst gesuchten Abstand zur Bebauung. Von Donatello ist überliefert, wie genau er sich mit dem Standpunkt des Betrachters und dem Ort der Aufstellung von Figuren beschäftigte. Der neuzeitliche Platz erforderte die Einbettung des Bildwerks in größere Distanzen, Richtung und Gestik der figürlichen Darstellungen prägten den Stadtraum nun aktiv. Dabei konnten verschiedene räumliche Zonen des Platzes neue Bedeutung erlangen, wie sich paradigmatisch in Florenz an der Piazza della Signoria zeigt. Dass die Mitte des Platzes keineswegs zeitenübergreifend besetzt wurde, machen die Reihenuntersuchungen von Camillo Sitte (Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen, 1889) deutlich. Vielmehr hatte das Mittelalter die Mitte des Platzes frei gehalten, Ehrensäulen oder Brunnen wurden neben der Einmündung von Straßen in den Platz aufgestellt. Die veränderte Bereitschaft, einem zeitgenössischen Individuum öffentliche Verehrung zuzugestehen, ließ jedoch spätestens seit dem 15. Jahrhundert neue Ausprägungen einer monumentalisierten Selbstdarstellung auf öffentlichen Plätzen entstehen. Mit der Piazza del Campidoglio in Rom für die Statue des Marc Aurel wurde erstmals seit der Antike wieder die Mitte eines Platzes gesucht, die von nun an fest an die monumentale Figur und deren Rezeption aus unterschiedlichen Standpunkten gebunden ist. Dieses setting übertrug sich auf die europäischen Residenzstädte der Frühneuzeit und fand in den Places Royales eine weitere Ausdifferenzierung. Die neuere Platzforschung (Bek, Achse und Monument, 2005) macht deutlich, wie das Monument in Verbindung mit axialen Systemen auch das fürstliche Territorium markiert und damit über die Stadt hinauswirkt.

Das hier umrissene Problemfeld von Platz und Monument soll es ermöglichen, die Forschung zur Skulptur in einen stärkeren Austausch mit der Platzforschung zu bringen. In dem Bezug zur Platzforschung, wie sie um 1900 entstand, ergeben sich - wie angedeutet -möglicherweise auch neue Fragen für die Skulpturforschung.

Kunsthistorisches Institut in Florenz - Max-Planck-Institut
Sala conferenze
Via Giuseppe Giusti 38
50121 Florenz

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