Michael Mitterauer / John Morrissey: Pisa as a Centre (Michael Mitterauer) / Pisa's Network (John Morrissey)

Vortrag / Conferenza

Die beiden Referate, die die Summerschool "Pisa and the Mediterranean" eröffnen werden, sind komplementär konzipiert. Es geht einerseits um Pisa als Zentrum, andererseits um "Pisas Netzwerk". Netzwerk meint Beziehungen zwischen Zentren auf gleicher oder ähnlich hoher Ebene ohne ausgeprägte Abhängigkeitsverhältnisse. Pisas Netzwerk umspannte im Hochmittelalter zeitweise den ganzen Mittelmeerraum, also eine Großregion, wie sie auch im Titel der Studienwoche angesprochen wird, die unsere Referate einleiten. Bei Pisa als Zentrum werden andere Raumbeziehungen zum Thema gemacht. Es geht um Mittelpunktfunktionen der Stadt innerhalb unterschiedlicher Einzugsbereiche - herrschaftlicher, militärischer, wirtschaftlicher und kultureller Abhängigkeiten im Sinne der sozialgeographischen Zentralorttheorie, die hier an historisch weit zurückliegenden Zeiten angewandt werden soll -, für das Hochmittelalter konkret gesprochen um den "contado" der Stadt, die Mark Tuszien, den Stadtstaat Pisa, die zur Domkirche gehörige Diözese bzw. Erzdiözese, den wirtschaftlichen Einzugsbereich des Handelszentrums Pisa. In Anschluss an solche zentralen Funktionen der Stadt werden zentrale Institutionen und die mit ihnen korrespondierenden Baulichkeiten behandelt - gleichsam die Zentren des Zentrums. Die Gebäude der "Piazza dei miracoli" stehen dabei im Vordergrund. Von den zentralen Institutionen ausgehend werden in einem dritten Schritt spezifische Repräsentationen von Zentralität behandelt. Bei diesen kulturellen Ausdrucksformen kommen Beziehungen innerhalb des mediterranen Netzwerks zur Sprache - zu Rom, zu Konstantinopel, zu Jerusalem. So ergeben sich trotz komplementärer Konzeption zwischen den beiden Referaten manche Berührungspunkte.

Prof. Dr. Dr. hc. Michael Mitterauer besuchte das Wiener Schottengymnasium. Nach einem Studium an der Universität Wien promovierte er 1960. Forschungsaufenthalte führten ihn u.a. nach München. 1969 halbilitierte er sich im Fach Wirtschafts- und Sozialgeschichte, 1971 wurde er zum außerordentlichen und 1973 zum ordentlichen Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Wien berufen. Er erhielt zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen, darunter den Preis der Stadt Wien für Geisteswissenschaften (1996), den Großen Leopold-Kunschak-Preis (2004), den Preis des Historischen Kollegs ("Deutscher Historikerpreis", 2004) und das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst ( 2007).

Publikationen (Auswahl)

Karolingische Markgrafen im Südosten. Fränkische Reichsaristokratie und bayerischeStammesadel im Österreichischen Raum (Archiv für österreichische Geschichte 123,1963); Zollfreiheit und Marktbereich, Studien zur mittelalterlichen Wirtschaftsverfassung am Beispiel einer niederösterreichischen Altsiedellandschaft (Forschungen zur Landeskunde von Niederösterreich 18, 1969); Grundtypen alteuropäischer Sozialformen. Haus und Gemeinde in vorindustrieller Zeit, Gesammelte Aufsätze (1979); Markt und Stadt im Mittelalter. Beiträge zur historischen Zentralitätsforschung (Stuttgart 1979); The European Family - Patriarchy to Partnership (gemeinsam mit Reinhard Sieder, Oxford 1982, republished 1983, 1988, 1989); Historische Familienforschung (gemeinsam mit Reinhard Sieder, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 38 (1982); Sozialgeschichte der Jugend (Frankfurt a. Main 1986); "Gelobt sei der dem Schwachen Kraft verleiht", Zehn Generationen einer jüdischen Familie im alten und neuen Österreich (= Damit es nicht verlorengeht... 14, Wien 1987); Historisch-anthropologische Familienforschung. Fragestellungen und Zugangsweisen (= Kulturstudien 15, Wien 1990); Ungtomstidens sociala historia (Göteborg 1991); I giovani in Europa dal medioevo oggi (Roma 1991); Familie und Arbeitsteilung, Historisch vergleichende Studien (Wien 1992); A History of Youth (Oxford 1992); Ahnen und Heilige. Namengebung in der europäischen Geschichte (München 1993); Dimensionen des Heiligen. Annäherungen eines Historikers (Wien 1996); Antenati e Santi. L'imposizione del nome nella storia europea (= Biblioteca di cultura storica 229, Torino 2001); Geschichte der Familie, gemeinsam mit Andreas Gestrich und Jens-Uwe Krause (= Kröners Taschenausgabe Bd. 376, Stuttgart 2003); Warum Europa? Mittelalterliche Grundlagen eines Sonderwegs (München 2003), Pisa. Seemacht und Kulturmetropole, gemeinsam mit John Morrissey (Essen 2007)

Kunsthistorisches Institut in Florenz - Max-Planck-Institut
Sala conferenze
Via Giuseppe Giusti 38
50121 Florenz
Dr. Hannah Baader  
Telefon:+39 055 24911-73
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