'Insculpta imago' - Siegelstempel und Siegelabdrücke im Mittelmeerraum

Internationale Tagung

organisiert von Ruth Wolff und Gerhard Wolf, gefördert durch die Fritz-Thyssen-Stiftung

Das Siegel als Artefakt in kleinstem Format ist reich an Bildern und Zeichen. Mit seiner 9000 Jahre alten Geschichte gehört es zu den ältesten und beständigsten Reproduktionsmedien von Bildern und tritt in zahlreichen Kulturen auf. Ein Siegelstempel bzw. ein Rollsiegel, eine Siegelzange oder eine in einen Siegelring gefasste Gemme kann eine Vielzahl von Abdrücken in Ton, Blei oder Wachs erzeugen. Siegel haben so im Vergleich zu anderen Artefakten eine potenzierte und weit reichende Diffusion, im diplomatischen Schriftverkehr, im Handel, aber auch als Repräsentations- und Sammelobjekte. Beide, sowohl der Siegelstempel als auch der Siegelabdruck, sind plastische Bilder - 'insculptae imagines': Was auf dem Stempel vertieft einskulpiert oder eingraviert ist, erscheint auf dem Abdruck reliefartig erhöht.

Siegel sind in einer riesigen Anzahl erhalten. Sie werden von der Ägyptologie, Archäologie, Judaistik, Byzantinistik, den Islamwissenschaften, der historischen Mediävistik und jüngst auch verstärkt von den Kunstwissenschaften erforscht, allerdings zumeist nur im Rahmen der eigenen Disziplin. Entsprechend der Traditionen des jeweiligen Faches steht dabei entweder der Siegelstempel oder der Siegelabdruck im Vordergrund. Die Tagung am Kunsthistorischen Institut in Florenz beschäftigt sich mit Siegeln von der Spätantike bis zur Frühen Neuzeit im Mittelmeerraum als einer Region des vielfältigen Kontakts und der Koexistenz verschiedener Kulturen. Sie zielt auf eine Begegnung der genannten Disziplinen und versteht das Siegel als transkulturelles Bild- und Reproduktionsmedium. Im Mittelpunkt steht die 'imago insculpta' sowohl des Siegelstempels als auch des Siegelabdrucks, wobei 'imago' entsprechend des mittelalterlichen Verständnisses das gestaltete Siegelbild als ganzes im Zusammenspiel von Bild, Text und Zeichen meint. Gefragt wird insbesondere nach Momenten der Begegnung von Siegel-Bildern verschiedener mediterraner Kulturen, ihrem rechtlichen Status, der Innovation oder des betonten Festhaltens an Bildformeln- und formularen, nach ihrer wechselseitigen Rezeption, der Rolle der Materialität von Siegelstempel- und Abdruck und dem Zusammenspiel mit andern Artefakten und Symbolen.

Die Tagung steht im Zusammenhang mit dem Projekt "Siegel-Bilder", das unter Leitung von Prof. Dr. Gerhard Wolf und Prof. Dr. Michael Stolleis am Kunsthistorischen Institut in Florenz in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt a. M. von Dr. Ruth Wolff durchgeführt wurde.

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Kunsthistorisches Institut in Florenz - Max-Planck-Institut
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50122 Firenze
Dr. Ruth Wolff  
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