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Genese und Ausdifferenzierung neuer Bildformen für Heilige im Italien des 15. und 16. Jahrhunderts

Jasmin Kreszentia Sawicki

Giampietrino: Heilige Katharina, um 1525, Öl/Lw, 64 x 50 cm. Florenz, Gallerie degli Uffizi

Das Dissertationsprojekt fokussiert ausgehend von Leonardo da Vincis Johannesdarstellung eine bisher kaum erforschte Gruppe von Bildern der Tafelmalerei Norditaliens: selbstständige Einzeldarstellungen von Heiligen im späten Quattro- und frühen Cinquecento. Im Gegensatz zu den, auf die byzantinische Ikonentradition zurückgehenden Marien- und Christusbildern wurden Heilige – mit wenigen Ausnahmen – bis zur Mitte des Quattrocento lediglich im Verbund mehrteiliger Bildformen dargestellt. Im Zentrum der Untersuchung steht darum die Frage, unter welchen Bedingungen die Bildaufgabe entstand, in welchem Kontext die Werke verortet waren und welche Funktion sie erfüllten.

Da sich eine Vielzahl der selbstständigen Heiligenbilder durch eine Offenheit für plurale Rezeptionsweisen auszeichnet, wird die These aufgestellt, dass diese nicht auf eine Funktion beschränkt waren und beispielweise zugleich der Devotion, dem Kunstgenuss oder der Repräsentation dienen und ebenso Gegenstand einer humanistischen Diskussion sein konnten. Anstatt eine lineare Entwicklung nachzuzeichnen, in der das ‚Kultbild’ durch das ‚Kunstbild’ abgelöst wird, wird besonders im Hinblick auf das Potential einer pluralen Nutzung nach der strukturellen Kontinuität zwischen der kleinformatigen Tafelmalerei des Trecento und den neuen Heiligenbildern des späten Quattrocento gefragt. Weiterhin verknüpfen die experimentellen, oft dezidiert auf die ‚Aktivierung’ des Betrachters angelegten künstlerischen Strategien das Thema mit übergreifenden Fragen. So wurden in diesen Bildern nicht nur Wege der Betrachteraffizierung getestet, sondern ebenso neue Sujets konzipiert, mit ikonographischen Signifikationsprozessen experimentiert oder die Kategorie der Angemessenheit verhandelt.

Um sowohl die spezifische Struktur einzelner Bilder als auch die Diversität des Phänomens mit dem damit verbundenen Spektrum an Innovation und Qualität insgesamt zu verdeutlichen werden exemplarisch ausgewählte Werke mit dem Geneseprozess der neuen Bildform kontextualisiert. Dabei werden nicht nur Werke namhafter Künstler analysiert, es soll ebenso untersucht werden, was eine gewisse Breitenwirkung erhielt und als ‚Standard’ dieser neuen Bildform bezeichnet werden kann.

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