Research

Der "Fior di Virtù". Studien zur Ausstattung und Rezeption eines italienischen Tugendbuchs aus dem frühen Trecento

Patrick Dooling | Deutscher Akademischer Austauschdienst

Das Forschungsvorhaben zielt auf die Erschließung von Ausstattung, Rezeption und Funktion des italienischen Tugendbuchs Fior di Virtù aus dem frühen vierzehnten Jahrhundert. Als eines der populärsten Werke der italienischen Buchproduktion des Spätmittelalters und der Frührenaissance weist das Tugendkompendium eine breite Überlieferung illustrierter Handschriften und Drucke auf. Die Moraldidaxe lässt hierbei eine eigenständige Illustrationstradition mit Wechselwirkungen zu den verwandten Textgattungen der Fabelbücher, Enzyklopädien und Bestiarien erkennen. Der anonyme Kompilator des Florilegiums veranschaulicht die insgesamt 35 Tugenden und Laster durch jeweils zwei exempla. Wesentliches Merkmal des Fior di Virtù ist, dass eines dieser exempla stets eine Tierlegende darstellt. Dabei bricht die unkonventionelle Zuordnung von Verhaltensweisen und exempla entschieden mit antiken und mittelalterlichen Traditionen. Von kunsthistorischer Signifikanz ist neben der umfangreichen illustrierten Überlieferung der Schrift besonders ihre weitreichende Rezeption in den Bildkünsten: Die exempla wurden früh in allegorischen Darstellungen der Tugenden und Laster aufgegriffen und besonders die Tiere der Smilitudines verselbstständigten sich und bildeten einen eigenständigen, neuartigen und greifbaren Kanon von Tiersymbolen aus. Die weitreichende Rezeption des Fior di Virtù in Literatur und Bildkünsten beruht dabei auch auf seiner breiten geographischen Verbreitung, in noch größerem Maße aber auf seiner vertikalen Popularität in der Gesellschaft der italienischen Kommunen der Zeit. Das Tugendbuch lässt sich vielfach in privaten Bibliotheken und Buchbeständen sowie als Lektüre der Volkssprache an den kommunalen Schulen nachweisen. Der Fior di Virtù ermöglicht es, Einblick zu nehmen in die Geisteswelt von Auftraggeber, Künstler und Rezipient und bietet ein hohes Erkenntnispotential hinsichtlich der Genese, Funktion und Rezeption von Bildwerken und Ikonographien in den norditalienischen Kommunen vom 14. bis zum 16. Jahrhundert.

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