Research

Paolo Veronese als »Inventore«

Nils Jonas Weber | Doctoral Fellow, Landesgraduiertenförderung Baden-Württemberg

Paolo Veronese: Der tote Christus, von Maria und einem Engel gestützt, 147 x 111,5 cm, Öl/Leinwand, Eremitage, Sankt Petersburg, ca. 1576-1582

Trotz der siegreichen Schlacht von Lepanto (1571) begann in den 1570er Jahren ein Jahrzehnt der Krisen für die venezianische Republik, die neben zwei verheerenden Bränden im Dogenpalast (1574/1577) mit einer der schwersten Pestkatastrophen ihrer Geschichte zu kämpfen hatte. Die Krisen waren bekanntermaßen Auslöser für ein gesamtgesellschaftliches Bedürfnis nach religiöser Erbauung, das sich einerseits in einer Veränderung der religiösen Praktiken, andererseits in einer neuen Bildkultur manifestierte. Im Zuge dieser Entwicklungen sah sich insbesondere Paolo Veronese, der in Venedig für seine »magnificenza« und seine monumentalen Festdarstellungen bekannt war, der Gefahr ausgesetzt, dass seine Bilder als konservative Relikte einer vergangenen, optimistischeren Zeit erscheinen würden. Um dem entgegenzuwirken, entwickelte der Künstler in seinem Spätwerk eine neue Bildsprache, die dem Zeitgeist entsprechend eine dramatischere Vermittlung von religiösen Heilsbotschaften anstrebt. Das Dissertationsprojekt untersucht diese letzte Schaffensphase des Künstlers, wobei die einzelnen Kunstwerke nicht als isolierte Erscheinungen eines homogenen »Altersstils« analysiert werden, sondern im Kontext ihrer individuellen Werkgenese und im Hinblick auf die divergierenden Erwartungshaltungen der Auftraggeber, zu denen so unterschiedliche Personen wie Simone Lando, der melancholische Sekretär des Dogen Nicolò da Ponte, oder die Mönche der Reformbewegung der Cassinesischen Kongregation gehören. Die charakteristischen Merkmale von Veroneses späten Werken - bspw. die dunkle Chromatik und die emotionale Kommunikation der Bildfiguren - werden folglich als Elemente eines kontinuierlichen Experimentierens interpretiert, mit welchem der Künstler den Anforderungen einer erstarkten spirituellen Intensität im Kontext der gesellschaftlichen, politischen und religiösen Konflikte eine »vision plus sombre« (D. Rosand) entgegensetzt.

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