Evening lecture

Markus Ritter: Kontext und Transfer in Westasien und Europa: Das Textil für Sultan Abu Said von Iran und Gold-Seide-Stoffe mit arabischer Schrift im Spätmittelalter

Seit dem frühen Mittelalter gehörten Textilien zu den Luxusgütern aus islamischen Staaten und Byzanz, deren Ästhetik und technische Qualität in Europa bewundert und nachgeahmt wurden. Als mobile und anpassbare Objekte konnten sie transkulturell und in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet werden. Der prunkvolle Gold-Seide-Stoff mit monumentalen arabischen Inschriften für Sultan Abu Said von Iran wurde in Europa für das Begräbnis von Herzog Rudolf IV. genutzt. Der Vortrag geht von diesem neu untersuchten Beispiel aus, um den Wechsel der Kontexte zu zeigen, und fragt, wie jeweils die Inschriften verstanden wurden. Vergleichbare Gold-Seide-Stoffe kamen im 13.-14. Jahrhundert in großer Zahl aus Westasien. Die europäische Rezeption lässt sich als spätmittelalterlicher Kulturtransfer diskutieren.

   

Markus Ritter studierte Islamkunde (Islamische Kunstgeschichte und Archäologie) in Bamberg, Ankara und Kairo. Nach Studienaufenthalten in Teheran promovierte er 2003 mit einer Arbeit zu Moscheen und Madrasabauten in Iran 1785-1848: Architektur zwischen Rückgriff und Neuerung (Brill, 2006). Von 2004-09 war Markus Ritter wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Iranistik, Zentrum Asienwissenschaften und Sozialanthropologie, von 2010-12 Assistenzprofessor für Geschichte der Islamischen Kunst am Kunsthistorischen Institut der Universität Zürich. Seit August 2012 ist er Universitätsprofessor für Islamische Kunstgeschichte am Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien. Markus Ritter ist Mitbegründer und Stellvertretender Vorsitzender der Ernst Herzfeld-Gesellschaft zur Erforschung der Islamischen Kunst und Archäologie.

   

Der Vortrag ist Teil der Vortragsreihe des von Gerhard Wolf geleiteten DFG-Projektes Networks: Textile Arts and Textility in a Transcultural Perspective (4th-17th Cent.).

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July 15, 2015, 8:00pm

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