Ästhetiken der Freiheit. Inoffizielle Kunst und Philosophie in Prag 1948-1989
Hana Gründler
Kreatives Nichtstun im Arbeiterstaat, Widerstand mit Windeln, partizipative Happenings in der Altstadt und opulente Collagen, in denen die sowjetische Invasion bildmächtig inszeniert wird: Die künstlerischen und publizistischen Strategien, sich trotz staatlicher Zensur kritisch mit der Gegenwart in der ČSSR auseinanderzusetzen und Räume der ästhetischen und ethischen Freiheit zu eröffnen, waren so vielgestaltig wie raffiniert.
Die ‚inoffizielle‘ Prager Szene war hinter dem Eisernen Vorhang mitnichten abgekoppelt von Trends und Debatten im Westen, sondern gestaltete diese aktiv mit. So nahm der Künstler Jiří Kolář 1968 an der documenta 4 teil und der aus der Universität gedrängte Philosoph Jan Patočka lud Anfang der 70er Jahre zu vielbesuchten Wohnzimmerseminaren, wo er ähnlich wie Michel Foucault über Selbstsorge nachdachte.
Hana Gründler erzählt die bemerkenswerte Geschichte dieser Parallelkultur: vom enfant terrible Václav Havel und den sozialistischen Reformhoffnungen der 60er Jahre über die brutale Niederschlagung des Prager Frühlings im August 1968 bis hin zur Charta 77 und der Samtenen Revolution 1989. Sie zeichnet ein ungewöhnliches Porträt der Stadt Prag als Schutzort des Undergrounds und fragt nach der Aktualität dieser subversiven ästhetischen Praktiken.
Weitere Information
2026, 304 pp., 12 color illustrations, 76 b/w illustrations
16 x 24 cm
ISBN: 978-3-8031-3769-2


