Forschung

Ephemere Architektur im kunsttheoretischen Diskurs (1660/61–1789)

Anne Spagnolo-Stiff

Entwurf eines ephemereren Triumphbogens
Bez.: "Decoration d’un Arc de Triomphe du Coté du Faubourg a Paris, a la Porte St. Martin au Retour du Roy, au mois du Septembre 1745. Du Dessein du Jacques François Blondel, dessiné par P. de Swart",
Aquarellierte Tuschzeichnung, 27,7 x 31,2 cm. Musée Carnavalet, Paris, Inv. n° D 6159

Das Projekt widmet sich der kunsttheoretischen Situierung des Phänomens der temporären, künstlerischen Ausstattung von Feierlichkeiten zur Zeit des Ancien Régime. Da es sich bei Gelegenheitsaufbauten um Artefakte handelt, die eine genaue Situierung in das jeweilige Festereignis und den damit verbundenen historischen Kontext einfordern, werden sie in der Literatur meist monografisch respektive topografisch und chronologisch eingegrenzt behandelt. Eine theoretische Bestimmung ephemerer Architektur mit ihrer reichen Typologie erlaubt, über das einzelne Festereignis hinauszuweisen und Fragen wie etwa die nach ihrer Stellung in der Architektur- und Kunsttheorie zu verfolgen. Eine länderübergreifende Analyse der relevanten zeitgenössischen Schriften ist geplant. Ausgangspunkt bilden französische Texte; in einem zweiten Schritt sollen italienisch- und deutschsprachige Werke hinzugezogen werden.

Bis auf wenige Ausnahmen wurden temporäre Dekorationen lediglich marginal in der Kunstliteratur thematisiert. Sie fanden jedoch in anderen Schriftgattungen Beachtung. Neben der Festberichte werden Schriften zum Zeremonial, zum Turnier- und Festwesen (Claude-François Menestrier) oder zur Theater- und Ballettkunst (Michel de Pure) auch Traktate zur Pyrotechnik (Amadée François Frézier) und Architektur (Jean-Louis de Cordemoy, Antoine Desgodets, Jean François Blondel d. J.) ausgewertet.

Nach der Befragung, in welchen Werken, aus welchem Anlass, in welchem Zusammenhang, mit welcher Intention und zu welchem Zeitpunkt das Thema Festarchitektur zur Sprache gebracht wird, sollen die Texte auf ihren, das Phänomen grundsätzlich reflektierenden Gehalt untersucht werden. Handelt es sich um praktische Anleitungen, werden Illustrationen beigegeben, wird eine Typologie aufgestellt? Bemüht man sich sogar um eine auf ästhetischen Kategorien basierende Systematik? Dass die Antworten nicht zuletzt durch die länderspezifisch sehr unterschiedliche Ergiebigkeit der Quellen und die andersartig geführte kunsttheoretische Diskussion sowie aufgrund des gewählten, relativ langen Zeitraums sehr verschieden ausfallen werden, ist abzusehen und wird zu einem facettenreichen Bild führen.

Die Prämisse, dass Festdekorationen durch ihre Vergänglichkeit bestimmt sind, stellt den selbstredenden Ausgangspunkt jedweder Erörterung dar, an dem sich die kunsttheoretische Situierung zu orientieren hat. Die hieraus resultierenden Überlegungen, welche Konsequenzen sich dadurch für die ephemere Architektur ergaben, kulminierten in dem jeweils gefällten Urteil, ob ihre Vergänglichkeit positiv als Chance oder negativ als Einschränkung begriffen wurde. Einerseits konnten temporären Dekorationen etwa Konzessionen eingeräumt, andererseits diese sogar vom selben Autor beim vorgestellten Exempel als regelwidrig und somit unstatthaft verworfen werden. Genau solcherlei der temporären Architektur innewohnende Ambivalenz gilt es aufzuspüren.

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