Forschung

'Splendid Material'. Lyonel Feiningers fotografische Praxis als Synthese und Reflexion der Moderne

Franziska Lampe

Lyonel Feininger: Ohne Titel (Bäume und Schatten im Schnee vor dem Bauhaus Meisterhaus, Dessau), 1929, Glasplattennegativ, 4,5 x 5,9 cm. BRLF 30.6. Harvard Art Museums/Busch-Reisinger Museum, Gift of T. Lux Feininger

Die Dissertation widmet sich dem fotografischen Nachlass des vor allem als Maler bekannten Bauhaus-Meisters Lyonel Feininger (1871–1956). Es ist die Aufgabe des Projektes, seine fotografischen Praktiken erstmals umfassend als eigenständigen Teil des Gesamtwerks zu bestimmten und dabei die künstlerischen Experimente sowie den generellen Gebrauch des Mediums zu untersuchen. Dabei werden die fotografischen Arbeiten innerhalb der kunstästhetischen und theoretischen Diskurse seiner Zeit verortet sowie vor der Technikgeschichte der Fotografie abgebildet. Das Vorhaben greift elementare Fragen zu Feiningers Bildreflexion auf, indem es die unterschiedlichen Bildmedien in ihren konstitutiven künstlerischen, politischen und sozialen Bezügen in den Blick nimmt.

Der Fotografie stand Feininger eigentlich stets kritisch gegenüber und er zeigte sich besorgt ob der zunehmenden 'Technisierung' der Kunst. Es ist daher umso erstaunlicher, dass gerade er ein Konvolut von ca. 20.000 Foto-Objekten hinterlassen hat, dessen Großteil sich in Sammlungen der Harvard University in Cambridge, Mass. befindet. Diese enorme Anzahl ist Beleg seiner doch offensichtlich intensiven Auseinandersetzung mit fotografischen Praktiken. Bisher konnte diesem wichtigen Aspekt seines Werkes jedoch nur kursorisch nachgegangen werden, wie der Fokus auf einen Teil seiner Fotografien aus den späten 1920er Jahren, die in dem Harvard-Ausstellungsprojekt von Laura Muir 2011 gezeigt wurden.

Als biografischer Akt, Experimentierfeld künstlerischen Ausdrucks oder als Dokument des eigenen Schaffens, in Form von Werkreproduktionen, übernimmt das mediale Dispositiv zentrale Funktionen in seinem Schaffen, und zwar ab ca. 1900 bis in die 1950er Jahre. Ausgehend von der individuellen Materialität fotografischer Bilder diskutiert das Forschungsprojekt die unterschiedlichen bildgebenden Techniken, die Feininger eingesetzt hat: vom Rollfilm über das Glasplattennegativ zum Farbdiapositiv. Das Promotionsprojekt untersucht die Fotografie somit als Agens der Moderne auf vielschichtige Weise und geht der Frage nach, welche Rolle eine sich wandelnde Wahrnehmung und Artikulation von Visualität in den Künsten der Avantgarde zukommt. Es leistet dabei eine wissenschaftliche Transferleistung, die kunst- und bildwissenschaftliche Theorien mit aktuellen Positionen aus der Visual Culture und Objektforschung verbindet.

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