Forschung

Tiermemoriale der Vormoderne

Fabian Jonietz

Francisco de Holanda nach Raffael: Tiermemorial für den Elefanten Hanno (1516), ca. 1539/40, Federzeichnung in Os desenhos das antigualhas

Im Gegensatz zu vielen Tiergräbern, die seit der Mitte des 18. Jahrhundert in Europa entstehen und (etwa im Fall der Aufträge Friedrichs II.) bis heute vielfach Beachtung gefunden haben, ist die Praxis des Betrauerns und Bestattens von Tieren in der älteren Zeit bislang kaum aufgearbeitet: Ein Ungleichgewicht der Forschung, das nicht zuletzt fehlgeleitete Deutungen der späteren Monumente hervorgerufen hat, die von Kunsthistorikern oft als voraussetzungslose Manifestationen aufklärerischer Vorstellungen verstanden worden sind. Das Projekt zielt aus diesem Grund auf eine erstmalige, möglichst umfassende Erfassung früher Nachweise malerischer und skulpturaler Memoriale für verstorbene Tiere und sammelt in diesem Zusammenhang weitere Dokumentationen des funeralen Kontextes, etwa Trauerreden und -gedichte, Beispiele der Aufbewahrung und Inszenierung ausgestopfter oder mumifizierter Körper der Hof- und Haustiere sowie theologische und humoristische Verhandlungen des Umgangs mit verstorbenen Tieren. Unter Berücksichtigung des frühneuzeitlichen Wissens über Tierbestattungsriten und parodistische Tierepitaphien der römischen Antike (und das damit zusammenhängende Sammeln und Ausstellen entsprechender antiquarischer Relikte seit der Renaissance) und der im Spätmittelalter intensivierten Diskussion um tierische Reliquien und die grundsätzliche Legitimation der Bestattung von Tieren, die Praxis von Votivgaben für Tiere und ähnlicher Aspekte soll die auf der Basis eines Katalogs vormoderner Memoriale für Tiere fußende Untersuchung somit helfen, die Mensch-Tier-Beziehung im Hinblick auf die Präsenz des Tieres als Akteur im höfischen und städtischen Leben sowie die historische Übertragung anthropogener Sozialpraktiken auf das Tier weiter zu bestimmen – nämlich über die natürliche Schwelle des Todes hinaus.

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