Jacob-Burckhardt-Preis-Verleihung

Terza edizione

Das Kunsthistorische Institut in Florenz - Max-Planck-Institut und sein Förderverein verleihen den Jacob-Burckhardt-Preis 2009 an Dr. Rebecca Müller, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunstgeschichtlichen Institut der Johann Wolfgang von Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Mit dem Preis werden ihre Forschungen auf dem Gebiet der italienischen Kunst gewürdigt.

Programm

Gerhard Wolf, Geschäftsführender Direktor des Kunsthistorischen Instituts in Florenz - Max-Planck-Institut

Saluto

Herbert Beck, Vorsitzender des Vorstands des Vereins zur Förderung des Kunsthistorischen Instituts in Florenz (Max-Planck-Institut) e.V.

Begrüßung

Valentino Pace, Università degli Studi di Udine

Laudatio

Rebecca Müller, Kunstgeschichtliches Institut, Goethe-Universität Frankfurt am Main

Geschichte und Ideal in Gentile Bellinis "Prozession am Markustag"

Zum Vortrag: Geschichte und Ideal in Gentile Bellinis "Prozession am Markustag"

In dem Zyklus zu den Wundern der Kreuzreliquie, der am Ende des 15. Jahrhunderts für den Sitzungssaal der Scuola Grande di San Giovanni Evangelista in Venedig entstand, nimmt Bellinis Prozession am Markustag die zentrale Stellung ein. Die Wahl des Handlungsmoments dieser "istoria" überrascht: Es geschieht ein Wunder, aber der Maler erzählt es nicht. Gezeigt wird vielmehr die Devotion, die erst zu dem mirakulösen Ereignis führt, und dies in einer Weise, die nach den Kategorien einer von interagierenden Figuren getragenen Komposition und der Betrachteraffizierung durchaus ungeeignet für die Darstellung von Handlung erscheinen muß. Die Lesung des Gemäldezyklus durch Giorgio Vasari geht in die Irre: ein beredtes Zeugnis für die Fehldeutung der für die venezianische narrative Malerei charakteristischen Erzählstrukturen. Das Gewicht, das Bellini der Gestaltung des Stadtraumes und der Prozession als Zeremoniell zumißt, und nicht zuletzt die Präsenz des Malers im Bild führen zu der Frage, wie sich historisch gedachtes Geschehen und bildliche Darstellung zueinander verhalten. Es läßt sich zeigen, daß die Verehrung der Reliquie nicht zur Beiläufigkeit oder zum Vorwand gerät. Vielmehr konstituiert sich Bellinis Prozession in spezifischer Weise als ein Ereignisbild, und dieser Vorgang wird bildimmanent reflektiert.

Dr. Rebecca Müller studierte Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Mittelalterliche Geschichte in Tübingen, Rom und Bonn. 1996 schloss sie ihr Studium bei Prof. Dr. Gunter Schweikhart an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn ab; der Titel ihrer Magisterarbeit lautete: "Der Hochaltar der Johanneskirche in Crailsheim. Ein Flügelretabel aus der Wolgemutwerkstatt in Nürnberg". 1999 wurde sie an der Philipps-Universität Marburg bei Prof. Dr. Ingo Herklotz mit Untersuchungen zur Spolienverwendung im mittelalterlichen Genua promoviert.

Von 2000 bis 2002 absolvierte Dr. Rebecca Müller ein Volontariat an den Staatlichen Museen zu Berlin - Stiftung Preußischer Kulturbesitz. In dieser Zeit kuratierte sie unter anderem eine Ausstellung der Zeichnungen von Daniel Nikolaus Chodowiecki im Kupferstichkabinett. Nach Lehraufträgen an der Humboldt-Universität zu Berlin und der Otto-Friedrich-Universität Bamberg folgte im Sommersemester 2005 die Vertretung einer Juniorprofessur an der Universität Hamburg. Seit dem Wintersemester 2005/06 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunstgeschichtlichen Institut der Johann Wolfgang von Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

Während ihres Studiums und ihrer Promotion war sie Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes, außerdem assoziiertes Mitglied des Graduiertenkollegs "Die Renaissance in Italien und ihre europäische Rezeption. Kunst - Geschichte - Literatur" der Universität Bonn. Später war sie Postdoc-Stipendiatin am Graduiertenkolleg "Kunstwissenschaft - Bauforschung- Denkmalpflege" der Universitäten Bamberg und Berlin (TU), am Deutschen Studienzentrum in Venedig sowie am KHI. Bis September 2005 hielt sie sich als Stipendiatin der Fritz Thyssen-Stiftung in Florenz auf und organisierte hier gemeinsam mit Dr. Jeanette Kohl eine Tagung zur Gattung der Büste.

Einen Schwerpunkt von Forschung und Lehre von Dr. Rebecca Müller bilden Rezeption und Transformation der Antike im Mittelalter. Dabei stehen einerseits der Umgang mit den materiellen Überresten der Antike, d.h. die Verwendung von Spolien, und andererseits die Wiederaufnahme antiker Gattungen im Mittelpunkt. Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf der spätmittelalterlichen Malerwerkstatt, hier vor allem auf Fragestellungen zur Produktion von Altarretabeln in Süddeutschland und Venedig. Ihr Habilitationsprojekt trägt den Arbeitstitel "Die Vivarini. Werkstattorganisation, Patronage und Bildkonzepte in Venedig 1440 bis 1480". Außerdem bearbeitet Dr. Rebecca Müller die Viten der venezianischen Maler der Familie Bellini und des Andrea Mantegna im Rahmen der deutschen kommentierten Ausgabe der "Vite" Vasaris, herausgegeben von Alessandro Nova (Wagenbach Verlag).

Hinweis

Diese Veranstaltung wird durch Fotografien und/oder Videoaufnahmen dokumentiert. Falls es nicht Ihre Zustimmung findet, dass das Kunsthistorische Institut in Florenz Aufnahmen, auf denen Sie erkennbar abgebildet sein könnten, für die Veranstaltungsdokumentation und Öffentlichkeitsarbeit (z.B. Social Media) verwendet, bitten wir um eine entsprechende Rückmeldung.

Biblioteca degli Uffizi
Salone Magliabechiano Firenze - Loggiato degli Uffizi
50122 Firenze

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