Matinée
Jürgen Müller
Kunst und Subversion
Wo offene politische oder religiöse Agitation riskant oder aussichtslos ist, gewinnen Techniken der Verstellung an Bedeutung. Subversive Kunst greift Normen und Autoritäten nicht frontal an, sondern destabilisiert ihren Geltungsanspruch durch Verstellung, Inversion, Parodie, Komik und Ironie. Kultur erscheint als polemogener Raum, in dem Normen gesetzt, bestritten und ästhetisch unterlaufen werden. Für kulturelle Phänomene ist der Begriff der Subversion dort produktiv, wo Konfliktparteien unterschiedlich mächtig sind. Der Unterschied zur Protestkunst liegt in einer doppelten Lesbarkeit: Protest sagt offen „Nein“, subversive Kunst sagt scheinbar „Ja“ und unterläuft gerade dadurch den Anspruch des Gemeinten. Der Vortrag stellt Beispiele unterschiedlicher Künstler und Epochen vor, um einen ersten Eindruck der Möglichkeit subversiver Kunstproduktion zu vermitteln.
10. September 2026, 11:00 Uhr
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