Online-Ausstellung

Tommaso Breccia Fratadocchi.
Farben einer Studienreise 1966/1968

Eine Online-Ausstellung der Photothek des Kunsthistorischen Instituts in Florenz – Max-Planck-Institut in Zusammenarbeit mit der Abteilung Wolf

Ab dem 16. März 2026 präsentiert die Photothek des Kunsthistorischen Instituts in Florenz – Max-Planck-Institut eine neue Online-Ausstellung. Exemplarisch wird eine Auswahl aus den rund 900 Farbdiapositiven vorgestellt, die der römische Architekt Tommaso Breccia Fratadocchi (1936–2021) während seiner Studienreisen zwischen 1966 und 1968 durch die historische Kulturlandschaft Armeniens aufnahm. Viele der dokumentierten Sakralbauten zählen heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Fotografien zeigen nicht nur die Einzigartigkeit von Architektur und Landschaft – in einem Gebiet, das heute teilweise zur Türkei und zum Iran gehört –, sondern auch den spezifischen Blick eines Architekten auf Bauwerke, Natur und Menschen. Während Breccia Fratadocchis Schwarz-Weiß-Aufnahmen früh publiziert und an Institutionen in Lissabon und Rom übergeben wurden, blieben die Farbdias bislang unveröffentlicht. Sie wurden 2024 von Benedetta Papàsogli Breccia dem Institut geschenkt.

1966 reisten Tommaso Breccia Fratadocchi und Paolo Cuneo mit Kollegen nach Eriwan, um Feldforschungen zur armenischen Architektur durchzuführen. Die Organisation eines Aufenthalts in der damaligen Sowjetunion war komplex und nur dank persönlicher Kontakte und großen Engagements möglich. Während der Reise dokumentierte Breccia Fratadocchi systematisch Landschaft, Architektur und Menschen – mit zwei Hasselblad-Kameras für Schwarz-Weiß-Aufnahmen und Farbdias. Seine Fotografien zeugen von einem geschulten architektonischen Blick. Oft suchte er erhöhte Standpunkte, erklomm Dächer oder eingestürzte Kuppeln, um Grundrisse und Raumstrukturen sichtbar zu machen. Im Innenraum richtete er die Kamera häufig nach oben, um das einfallende Licht einzufangen. Sonnenstrahlen treten in Dialog mit Säulen, Bögen und Kuppeln und eröffnen neue Raumwahrnehmungen. Vor der von Tuffstein geprägten Landschaft erscheinen Personen und vor allem Kinder in leuchtenden Kleidern als gezielte Farbakzente. Zugleich dienen sie als Maßstabsträger: Die armenischen Kirchen sind nicht monumental, wirken jedoch in der Weite der Hochebene größer. Durch die Einbeziehung von Kindern wird diese Illusion subtil gebrochen, ohne sie ganz aufzuheben. Natur und Architektur gehen in den Aufnahmen eine enge formale Beziehung ein. Kuppeltamboure greifen Gebirgssilhouetten auf, Dekore korrespondieren mit Pflanzenformen. Mitunter wird die Architektur von der Natur so stark absorbiert, dass das Motiv kaum mehr eindeutig bestimmbar ist – eine bewusst irritierende Wirkung. Da bildliche Darstellungen in armenischen Kirchen selten sind, gewinnen Textilien besondere Bedeutung. Mit Kreuzen und floralen Mustern beleben sie die dunklen Innenräume. Breccia Fratadocchi richtet seinen Blick auf diese farbigen Elemente, die liturgische Praxis und volkstümliche Votivtraditionen zugleich dokumentieren.

Die Ausstellung thematisiert außerdem den Umgang mit historischem Fotomaterial, dessen Farbigkeit durch Licht, Wärme und Feuchtigkeit sichtbar gealtert ist. Die Dias wurden konservatorisch gesichert, digitalisiert und katalogisiert. Heute werden sie gekühlt aufbewahrt und die Digitalisate sind über die Digitale Photothek frei konsultierbar. Trotz Farbstichen, Flecken und anderen Materialveränderungen wurde bewusst auf digitale Restaurierung verzichtet, um die dem Material immanenten Alterungsprozesse der analogen Fotografien kenntlich zu machen.

Konzept und Texte: Beatrice Spampinato, Ute Dercks

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