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Von der Kunst des sozialen Aufstiegs - Die Familie Rezzonico zwischen Venedig und Rom

Almut Goldhahn

Zwischen 1758 und 1761 schuf Pietro Longhi ein kleinformatiges Porträt, welches den aus Venedig stammenden Papst Clemens XIII. Rezzonico (1758-69) im Kreise seiner Familie zeigt. Schemenhaft ist im Hintergrund die kolossale Kolonnadenarchitektur des Petersplatzes in Rom angedeutet. In diesem Werk, dessen Entstehungsgeschichte bis heute im Dunkeln liegt, fokussiert Longhi mit der ihm eigenen subtilen Beobachtungsgabe den Höhepunkt des Sozialaufstiegs einer venezianischen Kaufmannsfamilie, die ursprünglich aus Como stammte und sich erst in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Venedig niedergelassen hatte. Gegen die Zahlung von 100.000 Dukaten ließen sie 1687 ihren Namen in das 'libro d'oro' der Stadt einschreiben. Damit gehörten sie zu den zahlreichen Aufsteigerfamilien, die seit 1648 die Möglichkeit ergriffen hatten, sich käuflich den Adelstitel der Serenissima zu erwerben. Formal zählten sie nun zwar zur venezianischen Führungsschicht, doch vom alten Adel zur 'nobilità nuova' degradiert, blieb ihnen auch weiterhin die Möglichkeit zur aktiven politischen Mitbestimmung im oligarchischen System der Adelsrepublik verwehrt. Wie durch die hier unternommene Untersuchung nachgewiesen werden konnte, verfolgten deshalb die Rezzonico bereits sehr früh enge klienteläre Bindungen an einflussreiche Familien in Rom, die nicht zuletzt 1737 zur Ernennung Carlo Rezzonicos zum Kardinal und schließlich 1758 zu seiner Wahl zum Papst Clemens XIII. führten. Durch dieses Ereignis gelang es der Familie, sich aus dem starren Gesellschaftssystem der venezianischen Adelsrepublik zu lösen und sich nicht zuletzt aufgrund des ausgeprägten Nepotismus' von Clemens XIII. als Papstfamilie in der römischen Hocharistokratie zu etablieren.

Im Zentrum der Dissertation steht die Untersuchung der komplexen Beziehung zwischen dem sozialen Aufstieg und der intensiven Kunstpatronage der Rezzonico. Denn gesellschaftlicher Aufstieg konnte in der frühen Neuzeit nur gelingen, wenn er von Investitionen in kulturelles Kapital begleitet war. Um die Stellung der Familie im sozialen Gefüge der beiden Städte Venedig und Rom erstmals genauer zu bestimmen, wurde zahlreiches Archivmaterial zusammengetragen und ausgewertet. Dies bildet die Grundlage, um die Kunstförderung der Familie an signifikanten Beispielen auf ihre jeweilige Intention hin befragen zu können. Neben einer umfangreichen Kunstsammlung sind vor allem die Villa in Bassano del Grappa und der Familienpalast am Canal Grande Gegenstand des Interesses. Dem gegenüber stehen die Aufträge aus der römischen Zeit der Familie. Zu nennen wären die Errichtung einer Familienkapelle in der venezianischen Nationalkirche San Marco, Piranesis Platzgestaltung und der Neubau der Kirche Santa Maria del Priorato auf dem Aventin sowie schließlich Canovas Grabmal für Clemens XIII. in Sankt Peter.


 

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Almut Goldhahn

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