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Ideenfahrzeuge - Bilderfahrzeuge. Die sogenannten Tarock-Karten des Mantegna

Susanne Pollack

Die Charakteristik von Drucken hat Aby Warburg 1912 durch einen Vergleich treffend beschrieben: Er nennt Drucke bewegliche Fahrzeuge, mit deren Hilfe Bilder große Strecken in kurzer Zeit bewältigen können. Durch die Erfindung des Druckes, so bemerkt er außerdem, wurden die Bilder befreit und mobil gemacht und eine neue Epoche des Austausches künstlerischer Kultur zwischen Norden und Süden konnte beginnen. Eine Bilderserie, die für die eben beschriebenen Eigenschaften von Drucken exemplarisch ist, sind die sogenannten Tarock-Karten des Mantegna. Noch vor 1467 entstanden, gehören sie zu den frühesten Beispielen des italienischen Kupferstichs. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts finden sich zunächst in Italien, bald darauf auch nördlich der Alpen unzählige Kunstwerke, welche die Kenntnis der Stichserie voraussetzen. Diese besteht aus insgesamt 50 Blättern, die mit wenigen Ausnahmen eine das Bild dominierende Einzelfigur zeigen und durch Bildunterschriften in fünf Gruppen unterteilt werden, welche die Stände, die Musen, die Wissenschaften, die Tugenden und die Planeten zeigen. Der bis heute gebräuchliche Titel "die sogenannten Tarock-Karten des Mantegna" ist doppelt irreführend, denn weder ist Mantegna ihr Schöpfer, noch handelt es sich um Tarock-Karten oder irgendeine andere Art von Spielkarten. Das Dissertationsprojekt ist in zwei Teile untergliedert. Der erste ist der Untersuchung der Stichserie selbst gewidmet. Ausgehend von der These, dass diese von Beginn an als ein Vorlagenwerk konzipiert war, soll vor allem die Ikonografie der Figuren untersucht werden, um klar benennen zu können, inwieweit diese an bereits vorhandene Darstellungsmuster anschließt und an welchen Stellen sie über diese hinaus geht bzw. ganz eigenständige Kreationen hervorbringt. Im zweiten Teil der Arbeit soll die Wirkung der sogenannten Tarock-Karten im Mittelpunkt stehen. Da es aufgrund der großen Anzahl von Rezeptionsbeispielen unmöglich ist, diese in ihrer Gesamtheit gleichermaßen zu beachten, wurden zwei Zentren stellvertretend ausgewählt, die für die weitreichende und lang anhaltende Rezeption wegbereitend und besonders bedeutsam waren (Urbino und Nürnberg). Untersuchungsleitende Fragen werden dabei sein: Entstand eine ikonografische und stilistische Tradition, die sich eindeutig auf die sogenannten Mantegna-Tarocke zurückführen lässt - waren sie tatsächlich 'Bilderfahrzeuge'? Konnten durch die Stiche philosophische Konzepte des Humanismus verbreitet werden - fungierten sie also auch als 'Ideenfahrzeuge'?

Ziel der Arbeit ist es, durch die Untersuchung der künstlerischen Rezeption nicht nur einen Beitrag zur weiteren Erforschung der sogenannten Tarock-Karten des Mantegna zu leisten, sondern auch neue Erkenntnisse über eine allgemeine, durch das Aufkommen des Kupferstiches veränderte, künstlerische Praxis vorzulegen. Hierbei sollen am Beispiel der sogenannten Mantegna-Tarocke vor allem die künstlerischen und kulturellen Transferleistungen des neuen Mediums herausgearbeitet werden.


 

Collaboratori
Susanne Pollack

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