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"Images et paroles en Exil". Avignon und Italien in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts

Gerhard Wolf

Dieses Projekt verfolgt und transformiert einen Teilaspekt des übergreifenden Forschungsschwerpunktes "Zwischen Mirakel und Magie. Bilderkult und Bildkonzepte in Spätmittelalter und Renaissance". Es konzentriert sich auf die Zeit des Avignoneser Exils, vor allem dessen erste Jahrzehnte.

Während das Heilige Jahr 1300 einen Schub in den Prozessen der Universalisierung der Christianitas und der Individualisierung des 'Christenmenschen' bedeutete und der römischen Kirche darin eine zentrale Rolle zukam, erlebt noch dieselbe Generation von Pilgern den Zusammenbruch und das Exil der Päpste. Dem Jubelpapst Bonifaz VIII. wird post mortem der Prozess wegen Idolatrie gemacht. Ab 1310 entsteht eine Vielzahl bildkünstlerischer und literarischer Werke im und aus dem Exil. Die Divina Commedia ist ein Stück Exilliteratur, welches einen bildhaft organisierten und politisch motivierten Weltentwurf liefert, der die Frage nach dem Ort des Individuums in der Geschichte stellt. Dante selbst gerät durch Verdächtigungen seitens Johannes XXII. in Avignon in den Verdacht, sich an bildmagischen Attentaten gegen den Papst beteiligt zu haben.

Insgesamt sind die Jahrzehnte 1310 bis 1340 charakterisiert durch den Konflikt zwischen Imperium und Papsttum, den eine neue politische und rechtliche Theoriebildung begleitet, den Armutstreit und die Verfolgung von religiösen Laiengemeinschaften, die Häresieprozesse und Verurteilung von Theologen und Intellektuellen (Marguerite Porète, Wilhelm von Ockham, Marsilius von Padua, Meister Eckhart) durch die Kurie und eine Verdichtung von Problemlagen, die sich um Individuum, Bild und Körper drehen: Der wichtigste Aspekt ist der Streit um die visio beati fica, d.h. die unmittelbare Gottesschau der Gläubigen nach dem individuellen Tod. Johannes XXII. hat sich dieser schon seit dem späteren 13. Jahrhundert verbreiteten Auffassung widersetzt, erst sein Nachfolger Benedikt XII. erhebt sie 1346 zum Dogma.

Unter der Prämisse, dass diese Jahrzehnte eine fundamentale, noch kaum erforschte Weichenstellung für das frühneuzeitliche Europa bedeuten, setzt das Projekt an bei einer Untersuchung irdischer wie jenseitiger Optik in Texten und Bildern, wobei ein Ausgangspunkt das Paradies Dantes bildet, in welchem sich in einer komplexen Blick- und Bildregie Himmelsraum und irdische Geschichte allegorisch verschränken.
Untersucht werden sollen in weitgreifender ideengeschichtlicher Kontextualisierung (vor allem im Rekurs auf Ockham und Marsilius):

- Memoria, Repräsentation und Heilserwartungen in Grabmalskulptur und Bildprogrammen des Trecento
- die Rolle intellektueller, künstlerischer und merkantiler Eliten im Spannungsfeld von Avignon, angiovinischem Neapel, Imperium und oberitalienischer Stadtkultur (Werke, Aufträge etc.)
- die Verortung kommunaler Selbstbestimmung der italienischen Städte in Entwürfen übergreifender Ordnungen (Imperium, Italia, Mittelmeerraum, Terra cognita etc.)
- Bildmagie und Gottesschau: Fernwirkungen und Blickräume zwischen Exil und Jenseits


 

Collaboratori
Gerhard Wolf

Ulteriori informazioni
International Conference "Images and words in exile. Avignon and Italy in the first half of the 14th century (1310-1352)" (Firenze/Avignon, 7 - 11 April 2011)


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