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Geschichte des Instituts
Im Kreise der Gelehrten, Kenner und Künstler um Karl Eduard Freiherr von Liphart (1808-1891), zu denen auch Wilhelm von Bode, Adolph Bayersdorfer, Adolf von Hildebrand und Hans von Marées gehörten, wird die Idee diskutiert, in Florenz nach dem Vorbild des Archäologischen Instituts in Rom eine kunsthistorische Forschungsstätte einzurichten. Das Institut solle aus einer von Fachleuten betreuten Bibliothek und einer Abbildersammlung bestehen. So wäre der direkte Kontakt mit den Kunstwerken und Archiven gewährleistet. Vorbild dafür ist wohl von Lipharts eigenes Haus in der Via Romana, in dem sich der Zirkel gelehrter Kunstkenner trifft und seine Sammlungen an Gemälden, Büchern, Stichen und Altertümern studiert.

1878
1878 ergreift Carl Ruland, der spätere Direktor des Großherzoglichen Museums im Weimar, die Initiative und formuliert eine Denkschrift an den Kronprinzen Friedrich Wilhelm mit dem Vorschlag, ein Kunsthistorisches Institut in Florenz zu gründen. Der Gedanke findet Interesse, doch scheitert das Projekt an der Verweigerung finanzieller Unterstützung durch das Finanzministerium.
 
1888
Seit 1883 setzt sich der Breslauer Professor für Kunstgeschichte August Schmarsow (1853-1936) im preußischen Ministerium nachhaltig für die Gründung des Instituts in Florenz ein. Im Wintersemester 1888 hält er erstmals kunsthistorische Lehrveranstaltungen in Florenz ab. Die neun Studenten der ersten Stunde sind Aby Warburg, Ernst Burmeister, Hermann Ulmann, Max J. Friedländer, Albert Kollmann, Johannes Seger, Max Semrau, August Winkler und Ernst Zimmermann. Mit ihnen gemeinsam ruft  Schmarsow das "Kunsthistorische Institut" aus. Er hält Vorlesungen über italienische Plastik im Circolo Filologico im Palazzo Ferroni, und in seiner Wohnung veranstaltet er Übungen zur Geschichte der italienischen Skulptur und zum Verhältnis von Masaccio und Masolino. Ausflüge zu Kunstdenkmälern in der Umgebung ergänzen das Programm.
(Abb. 1)

1893
Der Kunsthistorikerkongress in Nürnberg beschließt, "an der vornehmsten Stätte kunsthistorischer Studien, in Florenz" ein Forschungsinstitut zu errichten. Ein geschäftsführender Ausschuss wird gebildet, der sich aus den Professoren Max Georg Zimmermann, August Schmarsow und Adolph Bayersdorfer sowie einer fünfzehnköpfigen Kommission zusammensetzt.
(Abb. 2)

1896
Der Ausschuss verfasst den Aufruf zur Gründung "eines kunstgeschichtlichen Institutes", der von zahlreichen namhaften Kunsthistorikern im In- und Ausland unterzeichnet wird und über die "Kunstchronik" Verbreitung findet. Die Ziele des Instituts sind:

1. die Anschaffung einer möglichst vollständigen wissenschaftlichen Bibliothek und einer großen Sammlung von zu vergleichenden Studien geeigneten Abbildungen, die in entsprechenden Arbeitsräumen zugänglich sein sollen.

2. die Anstellung eines "allseitig gebildeten Kunstgelehrten" als ständigen Leiter, der die Sammlungen verwaltet, Kollegen unterstützt und den Nachwuchs führend begleitet.


Mit der Unterstützung des einflussreichen Wilhelm von Bode und anderer kommen beachtliche Spenden aus dem In- und Ausland  zusammen. Der Ausschuss wird erweitert, hinzugewählt werden Wilhelm Bode, Carl Justi, Franz Xaver Kraus und Henry Thode, den Vorsitz übernimmt August Schmarsow. Dieser schlägt den aus der Leipziger Verlegerfamilie stammenden Kunsthistoriker Heinrich Brockhaus (1858 – 1941) für den Direktorenposten vor. Die Institutsgründung und die Wahl Brockhaus’ zum zukünftigen Direktor werden auf dem Internationalen Kunsthistorikerkongress in Budapest öffentlich bekannt gegeben.
(Abb. 3)
 
Abb. 1: August Schmarsow (1853-1936)
Abb. 2: Adolph Bayersdorfer (1842-1901) und Arnold Böcklin (1827-1901)
Abb. 3: Heinrich Brockhaus (1858-1941)
1897
Am 16. November wird das Institut in der Privatwohnung Brockhaus’, in der Viale Principessa Margherita 21 (heute Viale Spartaco Lavagnini), provisorisch eröffnet. Brockhaus erklärte schlichtweg das größte Zimmer seiner Wohnung zum "Kunsthistorischen Institut von Florenz". Später kommt ein Gästezimmer als zweites Zimmer hinzu. Das Institut wird durch die deutsche Reichsregierung und private Spender finanziell unterstützt. Im selben Jahr erscheint die von Schmarsow herausgegebene Festschrift zur Institutsgründung mit wissenschaftlichen Beiträgen zur italienischen Kunst.

Die Gründung des Instituts fällt noch in die Phase der Etablierung der Kunstgeschichte als akademische Disziplin. Die Italienforschung bildete seinerzeit das zentrale Paradigma des Fachs, und von daher war die Schaffung eines Auslandsinstitutes in Florenz ein konsequenter Schritt. So bot sich die Möglichkeit zur werksbezogenen Forschung, die bei den Kunsthistorikern der Gründungsgeneration im Horizont eines übergreifenden Interesses stand, wobei Spätmittelalter und Renaissance den epochalen Schwerpunkt bildeten. (Abb. 4)

 

  Abb. 4: Das Kunsthistorische Institut in der Privatwohnung von Heinrich Brockhaus, 1897
1898
Auf dem internationalen Kunsthistorikerkongress in Amsterdam konstituiert sich unter dem Vorsitz von Franz Xaver Kraus der "Verein zur Förderung des Kunsthistorischen Instituts in Florenz". Der jährliche Etat beträgt ca. 15.000 Mark, der zu einem Drittel privat und zu zwei Dritteln öffentlich aufgebracht wird. Fünf Jahre später erhöht sich der staatliche Zuschuss von 10.000 auf 15.000 Mark. Die Geschäfte führen in Florenz ansässige Mitglieder des Vereinsausschusses. Der Bestand des Instituts umfasst 1899 1900 Bände und 5000 Abbildungen. In der in diesem Jahr erschienenen Denkschrift heißt es: "Das Kunsthistorische Institut in Florenz soll die Aufgabe haben, allen Kunstforschern und Kunstfreunden, die sich eingehend mit der geschichtlichen Entwicklung auf italienischem Boden vertraut machen wollen, möglichste Förderung ihrer Studien zu gewähren, indem es vor allen Dingen Arbeitsräume mit bequemer Benutzbarkeit der einschlägigen Fachliteratur und des erforderlichen Abbildungsmaterials zur Verfügung stellt…An die Spitze dieses Institutes soll ein Kunsthistoriker treten, der als geschäftsführender Direktor die Sammlungen verwaltet, und die Bemühungen aller Benutzer unterstützt, wie besonders den jüngeren Fachgenossen und Studierenden als erfahrener Berater zur Seite zu stehen vermag."

1901
Am 1. Januar wird die erste "Wissenschaftliche Besprechung" im Institut abgehalten, aus der die noch heute üblichen öffentlichen Institutsvorträge hervorgehen. Im Juni legt der Vorstand den ersten Bericht über die Entwicklung des Instituts vor. Zu Brockhaus Kernaufgaben gehören der Aufbau der Sammlungen, die Organisation der wissenschaftlichen Arbeit im Institut und die Kontaktpflege zu in Italien tätigen Forschern. Aber auch die Inventarisierung und Katalogisierung der Neuzugänge gehören zu seinen Aufgaben, unterstützt wird er dabei von seiner Gattin Else.

1903
1903 wird das Institut räumlich erweitert, indem man die angrenzende Wohnung (Viale Principessa Margherita 19) mit einem Arbeitssaal und vier Zimmern anmietet. Erstmalig hat das Institut einen fest angestellten und bezahlten Kustos und Bibliothekar sowie einen Assistenten. Die Assistenten erhalten ein Stipendium und arbeiteten halbtags für das Institut. Im Übrigen verfolgten sie ihre eigenen Studien. Prominenten Besuch erfährt das Institut durch den Kronprinzen Wilhelm und Prinz Eitel Friedrich, die auf diese Weise ihre Wertschätzung eines deutschen Forschungsinstituts im Ausland bekunden.

1906
Der erste Band der neu gegründeten Buchreihe "Italienische Forschungen" erscheint im Verlag von Bruno Cassirer in Berlin. Er enthält vier Beiträge zur italienischen Renaissance. Später werden die "Italienischen Forschungen" ausschließlich Monographien enthalten.

1908
Im Frühjahr findet der erste Studienkurs für Oberlehrer und Direktoren preußischer höherer Schulen statt, die "ihr Leben lang über Italien vorzutragen hatten, ohne es bisher zu kennen". Unter der Leitung von Paul Schubring sollten sie die Kunst der Renaissance aus eigener Anschauung kennen lernen, um deren künstlerischen Gehalt "fruchtbar nutzen zu können", d.h. in die Fächer Deutsch, Geschichte und Religion einzubringen. Initiator war Friedrich Althoff, Ministerialdirigent im preußischen Kultusministerium. Aus dieser Veranstaltung gehen die auch heute noch abgehaltenen regelmäßig stattfindenden Studienkurse hervor, die inzwischen der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses dienen. Das erste Heft der Zeitschrift "Mitteilungen des Kunsthistorischen Instituts in Florenz" erscheint. Bereits zu diesem Zeitpunkt hat das Institut die grundlegenden wissenschaftlichen Aktivitäten entfaltet, die noch heute einen wesentlichen Teil seines Renommées ausmachen. Ab 1910 konkretisieren sich in Rom die Pläne zur Gründung der Bibliotheca Hertziana als Römisches Institut für Kunstgeschichte. Gleichzeitig kursieren ernstzunehmende Überlegungen von Paul Fridolin Kehr, Direktor des Preußisch Historischen Instituts in Rom, zu einer gemeinsamen Direktion für die drei Institute (Hertziana, Preußisches Historisches Institut in Rom und KHI).

1912-1922
Wilhelm von Bode, Generaldirektor der Berliner Museen mit mächtiger Position in Berlin, wird neuer Vereinsvorstand und versucht das Institut vor Vereinnahmungen zu schützen. Zu seinen Verdiensten zählt u.a. die neue Vereinssatzung von 1913, die das Forschungsgebiet des Instituts klar definiert: statt der mittelalterlichen und neueren Kunstgeschichte sollte das Institut nun vornehmlich der Erforschung der mittel- und oberitalienischen Kunst gewidmet sein. Institutsdirektor Brockhaus tritt nach 15 Jahren Institutsleitung zurück, leise Kritik an seinem Wirken kommt von Aby Warburg und Wilhelm von Bode. Nachfolger wird der Weimarer Museumsdirektor Hans Freiherr von der Gabelentz-Linsingen (1872-1946), der mit einer Denkschrift Kehrs ehrgeiziges Projekt der Zusammenführung der Institute schließlich verhindert.

Das durch die angewachsene Bücher- und Photosammlung in räumliche Bedrängnis geratene Institut (Bestand: 8769 Bände und 26.400 Abbildungen) wird in gemietete Räume im zweiten Geschoß des Palazzo Guadagni (Piazza S. Spirito 9) verlegt. (Abb. 5)

 
  Abb. 5: Palazzo Guadagni, um 1964, Foto Bazzechi

Dort befindet sich auch eine Dienstwohnung für den Direktor. Die 22 Räume erstreckten sich L-förmig um den Innenhof herum. Die Decken sind im Stil des 19. Jahrhunderts bemalt und die Fenster öffneten sich zum Platz von Santo Spirito. Im Geschoss darüber eröffnen die Sorelle Bandini ihre gleichnamige Pension, die mit ihrer großen Loggia herrliche Ausblicke auf die Stadt ermöglicht und Generationen von Besuchern des Instituts Aufenthalt gewährt. (Abb. 6)

 
  Abb. 6: Palazzo Guadagni, Loggia, um 1964, Foto Bazzechi

1913 umfasst die Bibliothek bereits rund 12.000 Bände, und die Jahre vor dem Krieg stehen im Zeichen der Neuordnung, zu der die systematische Aufstellung nach Sachgebieten gehört sowie ein noch heute gültiges alphanumerisches Signaturensystem. Seit 1913/14 arbeitet man außerdem bei den wissenschaftlichen Vorträgen mit Diaprojektor und Diasammlung. (Abb. 7a/b/c/d)

 
  Abb. 7a: Studiensaal der Bibliothek im Palazzo Guadagni vor dem Zweiten Weltkrieg mit Walter Biehl und Otto Wenzel
 
1915 wird der Direktor von der Gabelentz-Linsingen zum Heer einberufen. Sein Stellvertreter wird Kurt Zoege von Manteuffel. Am 16. Mai 1915 schließt das Institut "für die Dauer des Krieges", woraus sieben Jahre werden sollen. Deutsche Staatsangehörige müssen Italien verlassen. Das verwaiste Institut steht unter dem Schutz des Schweizer Konsuls Carlo A. Steinhäuslin. Der Verein wird weitergeführt, es gibt nur wenige Austritte. Von Berlin aus werden die "Mitteilungen" weiter publiziert. Am 26.8.1916 wird das Institut nach der Kriegserklärung Italiens an Deutschland beschlagnahmt. Es folgt die Unterstellung an den Sopraintendenten der Florentiner Museen und Galerien Giovanni Poggi und schließlich die Überführung der Bücher- und Photosammlung in die Räumlichkeiten der ehemaligen Hauptpost, die die Uffizien als Depot nutzen. Die Bestände sind Benutzern ab 1920 nur noch in sehr beschränktem Maße für wissenschaftliche Zwecke zugänglich. (Abb. 8)

Wilhelm von Bode engagiert sich 1922 für die Rückgabeverhandlungen und erringt das Vertrauen der italienischen Ministerien, die eigentlich das Florentiner Institut gerne übernehmen würden. Auch ist wieder von Zusammenlegungen der drei italienischen Institute die Rede. Die italienischen Ministerien akzeptieren von Gabelentz nicht mehr als Direktor, da er im Krieg gegen Italien gekämpft hat. Nach dessen Rücktritt wird 1922 der Archäologe Christian Hülsen von den italienischen Behörden favorisiert. Bode jedoch sieht in dem Schweizer Heinrich Bodmer (1885-1950) einen geeigneten Nachfolger, und es gelingt am 10.8.1922 mittels eines königlichen Dekretes schließlich die  Rückgabe der Sammlungen in die deutsche Verwaltung mit Bodmer als neuem, ehrenamtlichem Direktor.

1923-1932
1923 findet die offizielle Wiedereröffnung des Instituts an seinem provisorischen Sitz im Gebäude der Uffizien statt.

Die Inflation hat das Vereinsvermögen quasi zunichte gemacht. Die lange Schließung und der Krieg haben die Zahl der Mitglieder des Vereins von 277 auf 113 sinken lassen, an die bisherige staatliche Förderung ist nicht zu denken. Bodmer kontrolliert zusammen mit einem Assistenten die in den Uffizien in neun Räumen aufgestellten Bestände auf Vollständigkeit. Erfreulicherweise gibt es kaum Verluste.
Im September 1923 wird der regelmäßige Institutsbetrieb mit öffentlichen Sitzungen und italienischer Beteiligung wieder aufgenommen. Die neue Vereinssatzung von 1924 sieht den von italienischer Seite gewünschten internationalen Vereinsausschuss vor.

Zu ihm gehören nun erstmalig nichtdeutsche Mitglieder aus Stockholm, Neapel, Kopenhagen, Florenz, Winterthur, Madrid, Wien, Rom und den USA. Bode gelingt es, private Förderer für den Verein zu motivieren und finanzielle Mittel zum Aufbau des Instituts zu beschaffen. Ab Winter 1926 finden wissenschaftliche Sitzungen statt, an denen Gelehrte verschiedenster Nationen teilnehmen. In der Bibliothek gibt es seit 1925 einen technischen Leiter, um die kriegsbedingten Lücken zu schließen. Die Photothek legt erstmals einen alphabetischen und topographischen Zettelkatalog an.
 
Abb. 7b: Bibliothek im Palazzo Guadagni mit Deckendekoration, 1964
Abb. 7c: Bibliothek im Palazzo Guadagni mit Deckendekoration, 1964
Abb.7d: Photothek im Palazzo Guadagni vor dem Zweiten Weltkrieg
  Abb. 8: Großer Studiensaal des Instituts während seiner provisorischen Unterbringung in den Uffizien, um 1920
 
1924 erfolgt in Bologna eine große Photodokumentation der barocken Denkmäler. Zu den wichtigen Mitarbeitern in der Photothek gehört der ehemalige Stipendiat Ulrich Middeldorf, der sich mit unermüdlichem Idealismus bis 1935 um die Sammlung kümmert. In den Folgejahren arbeiten Wissenschaftler mit Stipendien aus Mitteln des Deutschen Reiches oder einzelner Länder am Institut und die Zahl der Veröffentlichungen steigt. 1925 startet man das Projekt "Handbuch der Kirchen von Florenz", das sowohl als wissenschaftlich kritisches Nachschlagewerk als auch als Führer zu den Denkmälern dienen soll. Aus Anlass von Bodes 80. Geburtstag, der im Oberlichtsaal der ehemaligen Post in den Uffizien gefeiert wird, erscheint eine von Curt H. Weigelt verfasste Schrift über die Geschichte des Florentiner Institutes. 1927 endet der Unterbringungsvertrag in den Uffizien. Das Institut kehrt in die Räume des Palazzo Guadagni zurück, in dem nun 28 Bibliotheksarbeitsplätze und 6 Phototheksarbeitsplätze zur Verfügung stehen.  
Abb. 9: Aby Warburg (1866-1929)

Aby Warburg spricht zur Eröffnung am 15. Oktober die folgenden Worte: "Das Institut ist nicht ein Instrument des Besitzes, sondern der Musikalität: Jeder, der es sich zutraut, mag darauf spielen, nur muss er, in der ununterbrochenen Abschiedssymphonie des Lebens, dafür sorgen, dass er dieses Instrument seinem Nachfolger in bestem Zustand hinterlässt." (Abb.9) Die Buchbestände werden nach der neuen Bibliothekssystematik aufgestellt. In den neuen Räumen haben die Sammlungen auf Jahre hinaus Platz für den zu erwartenden Zuwachs.

Interne Konflikte, vor allem mit dem Assistenten Weigelt, veranlassen den Vereinsvorsitzenden Bode den Vertrag Bodmers als Direktor nicht zu erneuern, was international für Aufsehen sorgt. Bodes Nachfolger Wilhelm Waetzold (1880-1943), Generaldirektor der Berliner Museen, setzt Bodmer jedoch wieder ins Amt ein. (Abb. 10)
 
  Abb. 10: Studiensaal der Bibliothek mit Projektionsmöglichkeiten im Palazzo Guadagni nach 1927
1932-1935
Nachfolger Bodmers wird nach dessen Pensionierung 1932 der Kieler Professor Arthur Haseloff (1872-1955). Das Institut und seine Angestellten leiden massiv unter der maroden Weltwirtschaft, Gehälterkürzungen und finanziellen Einbußen werfen große Probleme auf. Unter Haseloff bekommt die deutsche Kunst ein Gewicht für das Institut, und entsprechend den politischen Tendenzen gehören auch Besuche faschistischer Ausstellungen in Rom und Besichtigungen deutscher Kunst auf italienischem Boden zum Institutsalltag. Haseloff sympathisiert mit der Florentiner NSDAP Ortsgruppe und intrigiert gegen Moritz Hellweg, den unpolitischen deutschen Konsul in Florenz. Wilhelm Waetzold verliert seinen Posten als Berliner Generaldirektor aufgrund von Hitlers "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" und ist damit auch nicht mehr Vereinsvorsitzender. Es ersetzt ihn ab 1937 Heinrich Zimmermann, der Direktor des Kaiser-Friedrich-Museums. Erneut ist die Rede von der Zusammenlegung des Florentiner und des Römischen Instituts, doch wieder scheitern diese Pläne.

1935-1943
Haseloff geht an seine frühere Stelle, von der er nur für ein Jahr beurlaubt war, zurück. Sein Nachfolger in Florenz wird Friedrich Kriegbaum (1901-1943), der bereits mit einem Forschungsstipendium der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft am Institut gearbeitet hatte. Kriegbaum versucht das Kunsthistorische Institut vor der zunehmenden Vereinnahmung durch den nationalsozialistischen Staat zu bewahren. Er fügt sich aber auch den Vorgaben, z.B. mehr Schwerpunkte auf die Erforschung deutscher Kunst in Italien und deutsch-italienischer Wechselbeziehungen zu setzen. Auf die für die Zeit aber typischen Verunglimpfungen nichtdeutscher Kunst sowie deutsch-tümelnde Rhetorik wird verzichtet. Man versucht nach außen die gewöhnlichen Tätigkeiten zu wahren. 1939 verleiht das Institut erstmals die von Adolf von Hildebrand geschaffene Bode-Plakette, die an Luigi Vittorio Fossati Bellani für dessen Verdienste um die Photothek geht. Unter dem Assistenten Werner Haftmann wird der erste Sachkatalog zur Erschließung der Zeitschriftenaufsätze angelegt. In der Photothek richtet Robert Oertel eine Abteilung für italienische Malerei des 19. Jahrhunderts ein.

Der Druck der NSDAP Auslandsorganisation auf das Institut wird stärker; für Leiter, Mitarbeiter und Stipendiaten wird die Parteizugehörigkeit unausweichlich.

1936 erfolgt die politische Gleichschaltung des in Berlin ansässigen Vereins zur Erhaltung des Kunsthistorischen Instituts in Florenz. Die Vereinsspitze wird fast ausschließlich mit politischen Persönlichkeiten der Reichshauptstadt besetzt, was den Einfluss und die Kontrolle durch die NSDAP ermöglicht. Die alten Ausschussmitglieder werden in einen neu geschaffenen Beirat abgedrängt. Der Institutsdirektor wird ab sofort vom Vorstand ernannt und nicht mehr vom Ausschuss gewählt. Diese Änderungen wie auch weitere Interna werden immer weniger publik. 1938 werden "nicht-arische Personen" ausgeschlossen. Nach 1940 erscheinen keine Jahresberichte des Vereins mehr. Die Zahl der Mitglieder fällt auf 108 zurück.

Am 9. Mai 1938 führen Kriegbaum und seine Mitarbeiter Mussolini und Hitler sowie Ribbentrop, Göbbels, Frank, Himmler und Hess durch die Sammlungen des Palazzo Pitti und von dort durch den Vasari-Korridor über den Ponte Vecchio in die Galerie der Uffizien. Zur Erinnerung fertigt das Institut ein Photoalbum an.

Hitlers Besuch begleitet eine Verhaftungswelle, von der auch Hans Purrmann, Leiter der Villa Romana, betroffen ist. Viele der bislang in Italien unbehelligt lebenden jüdischen Intellektuellen versuchen nun zu emigrieren.  Die Lebens- und Arbeitsbedingungen verschlechtern sich dramatisch mit dem Sturz Mussolinis. Verhaftungen, Verfolgungen und Attentate sind an der Tagesordnung. Florenz steht unter Militärverwaltung. Kriegbaum sichert u.a. die Skulpturen Michelangelos in der Medicikapelle vor Luftangriffen. Am 25.9.1943 erfolgt die erste Bombardierung von Florenz durch die Briten, bei der Friedrich Kriegbaum, der gerade den Skulpturenforscher Planiscig in der Via Massaccio besucht, tragischerweise sein Leben verliert.  Posthum ernennt man ihn zum Ehrenbürger von Florenz.

1943/1944
Kriegbaums Nachfolger wird Ludwig Heinrich Heydenreich (1903-1978). Man beginnt mit der Verpackung der Photos und Bücher, obwohl immer noch unklar ist, ob diese nach Deutschland gehen sollen oder in Italien mit Schutz der Sopraintendenza verwahrt werden können. Der Berliner Vereinsvorstand besteht jedoch auf dem Abtransport nach Deutschland. Am 27. Januar 1944 erfolgt die Schließung des Institutsbetriebes im Palazzo Guadagni, in den bis dahin immer noch Besucher gekommen waren. Am 20. Februar 1944 werden die Sammlungsbestände mit einem Sonderzug  und in 700 Kisten nach Deutschland in das Salzbergwerk Kochendorf bei Heilbronn, 180 Meter unter der Erde ausgelagert. Heydenreich wird ehrenamtlicher Mitarbeiter des deutschen militärischen Kunstschutzes und führt so die Geschäfte des Instituts weiter. Zusammen mit den italienischen Denkmalpflegebehörden wird an den Maßnahmen zum Schutz der Kunstwerke Italiens gearbeitet. Heydenreich arbeitet vor allem an der Kennzeichnung historischer Bauten in Florenz, Siena und Pisa mit Schutzschildern, die eine militärische Nutzung oder Belegung ver- und behindern sollten. Über kriegsbedingt zerstörte Kunstwerke werden Photo- und Dokumentenarchive angelegt. Neben diesen so wichtigen erhaltenden Maßnahmen unterstützten die Mitarbeiter des Kunstschutzes wissentlich oder gezwungenermaßen den Kunstraub der NS Führung und sind an gezielten Kunstraubaktionen beteiligt. Heydenreich allerdings scheint zu denen gehört zu haben, die diese Aktionen zu vereiteln versuchten, u.a. als die Sammlung Bernard Berensons aus der Villa I Tatti für Göring geplündert werden sollte. 1944 müssen die deutschen Truppen aus Florenz abziehen und verminen die Arnobrücken. Weitere bedeutende Paläste und Türme der Altstadt werden zerstört. Heydenreich hatte, da sich die Ereignisse abzeichneten, vorab alles fotografisch dokumentieren lassen. Es sind die letzten Aufnahmen, die das alte Florenz dokumentieren.


1946/1947
1945 gehen die Florentiner Institutsbestände aus Kochendorf an den Central Collecting Point in Offenbach. Senator Benedetto Croce fordert die italienische Regierung öffentlich auf, die Rückführung des Deutschen Historischen Instituts, der Bibliotheca Hertziana und des Deutschen Archäologischen Instituts zu bewirken. Die Alliierten zeigen dafür Verständnis. Die Gründung einer  Treuhänderschaft "Unione Internazionale degli Istituti di Archeologia, Storia e di Storia dell'arte di Roma" dient der Rückführung der Institute nach Italien, ohne zunächst strittige juristische Punkte zu berühren. Ab dem 14. August 1947 sind unter dem Bibliothekar Enrico Jahier, der in der Zwischenzeit kommissarisch die Geschäfte führt, die Bestände im Palazzo Guadagni wieder als "Biblioteca Internazionale d'Arte" zugänglich, finanziert aus Mitteln der UNESCO. Ziel der Unione ist die Rückführung an den italienischen Staat und eine internationale Geschäftsführung. Diese Pläne scheitern jedoch. Bernard Berenson spricht sich 1948 für eine Rückführung der Institute an Deutschland aus.

1950-1953
Ab 1950 gibt es konkrete Pläne zu einer deutschen Wiederbeteiligung am Kunsthistorischen Institut in Florenz. 1951 konstituiert sich der Verein mit Sitz in München neu. Die Geschäftsführung übernimmt Ludwig Heydenreich, inzwischen Direktor des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München. Mit Fürsprache von Benedetto Croce erfolgt nun die Rückführung des Instituts in deutsche Verwaltung. Am 27. Februar 1953 einigen sich Bundeskanzler Konrad Adenauer und Ministerpräsident Alcide De Gaspari auf die offizielle Wiedereröffnung der Institute in Italien unter deutscher Leitung. Die Bundesregierung verpflichtet sich, das Florentiner Institut zu unterhalten. Finanzielle Zuwendungen sollen durch das Ministerium des Inneren, später durch das Ministerium für Wissenschaft und Forschung erfolgen.
 
1953-1968
Am 30.4.1953 wird das Institut an den Vereinsvorstand restituiert. Für den Verein ist die finanzielle Situation des Instituts zunächst sehr problematisch, doch in den Folgejahren steigen die Mitgliedsbeiträge und der Verein kann wieder 12% des Gesamtetats aufbringen. Man verleiht dem Interimsdirektor Jahier das Bundesverdienstkreuz für seine Verdienste, die vor allem dem Bereich Zeitschriften und Neuerscheinungen galten. 1953 erfolgt die feierliche Wiedereröffnung des Institutes mit einer Feier zum Gedenken an Friedrich Kriegbaum und mit dem 1935 nach Chicago emigrierten Ulrich Middeldorf (1901-1983) als neuem Institutsdirektor. (Abb. 11)
Dank der internationalen Kontakte Middeldorfs wird das Institut schnell zu einem Treffpunkt für Gelehrte aus allen Ländern und fördert den Austausch der Institutionen. Zu Middeldorfs Mitarbeitern gehören zwei Assistenten, eine Bibliothekarin, eine Photothekarin, mehrere wissenschaftliche Hilfskräfte, eine Sekretärin und ein Institutsdiener. Und natürlich die Stipendiaten, die auch immer zu einem Teil für das Institut tätig sind.
 
Abb. 11: Ulrich Middeldorf (1901-1983), 1964
Die Wiederaufnahme regelmäßiger Studienkurse und der Ausbau der Bibliotheksbestände gehören zu seinen Hauptaufgaben. Ihm gelingen wesentliche Erwerbungen wie die der Privatbibliothek des Florentiner Dombauarchitekten Castellucci und des Architekten Cappugi. Middeldorf bindet die Florentiner Forscher fest in sein Vortragsprogramm ein und macht das Institut wieder zu einer international angesehenen Forschungsstätte. Seine eigenen Forschungen gelten der italienischen Renaissanceskulptur, der Zeichenkunst, dem Kunstgewerbe und der Kleinkunst.

1961 wird aufgrund des erneut bestehenden Platzmangels der Palazzo Capponi-Incontri in der Via Giuseppe Giusti 44 von der Familie des Marchese Attilo Incontri durch die Fritz-Thyssen-Stiftung erworben und als künftiger Institutssitz an den Fördererverein übergeben. (Abb. 12a)

 
  Abb. 12: Palazzo Capponi-Incontri, 1964
 
  Abb. 12a: Lesesaal im Palazzo Capponi-Incontri, 1964
Drei Jahre später verlegt man das Institut vom Palazzo Guadagni in den nun ebenfalls mit Geldern der Thyssen-Stiftung und des Innenministeriums für die künftige Nutzung umgebauten und ausgestatteten Palazzo. Bauherr war der Historiker, Staatsmann und Philantroph Gino Capponi gewesen, der im Palazzo Capponi in der gleichnamigen Straße gewohnt hatte. Die neue Lage des Instituts im ehemaligen Künstlerviertel von Florenz (Wohnhäuser von del Sarto, Sangallo, Pontormo, Zuccari, Cellini, Giambologna), nahe der Universität und der einstigen Accademia del Disegno lassen den neuen Standort als überaus geeignet erscheinen. Am 10.2.1964 öffnet das Institut für die Besucher, am 16. Mai folgt der Festakt im Palazzo Vecchio in der Sala dei Duecento. Zunehmend beteiligt sich das Institut auch an Ausstellungen, so an der zu Adolf von Hildebrand. Im Folgejahr richtet man erstmals das Fellowship der Samuel H. Kress Foundation ein und ein Jahr später wird der erste Kress-Stipendiat an das Kunsthistorische Institut in Florenz entsandt. In das gleiche Jahr fällt der Beginn der Arbeiten am Corpus of Florentine Painting. Die jährliche Zahl der Besucher beträgt 1964 etwa 5600. Am 4. November 1966 wird Florenz von der größten Flutkatastrophe seiner Geschichte heimgesucht und auch das Institut ist direkt betroffen. (Abb. 13)
 
Das Hochwasser des Arno, der Schlamm, die Kanalisation und das ausgelaufene Öl der Heizkessel beschädigen das Gebäude und einen Teil der Buchbestände und des Inventars. Der stellvertretende Direktor von Erffa sichert die wertvollen Bibliotheksbestände. Trotzdem sind an die zehntausend Bücher restaurierungsbedürftig, die Möbel in Mitleidenschaft gezogen und vieles unwiederbringlich verloren. Die Wiederherstellungsarbeiten dauern bis zum Amtsende Middeldorfs 1968 an. Auch in der Stadt hat die Flutkatastrophe unübersehbare Schäden ausgelöst und aus aller Welt reisen die sogenannten "angeli del fango" an, um  die gefährdeten Bestände der Nationalbibliothek und des Staatsarchivs von Florenz zu retten.

1969-1981
Herbert Keutner (1916-2003) von der Technischen Hochschule Aachen wird Nachfolger Middeldorfs. 1970 spricht sich die Mitgliederversammlung des Vereins zugunsten einer Verstaatlichung des Instituts aus. Es erfolgt die Umwandlung in eine "unselbstständige Bundesanstalt im Geschäftsbereich des Bundesministers für Bildung und Wissenschaft".
 
Abb. 13: Überfluteter Zeitschriftenraum im Palazzo Capponi-Incontri, 4. November 1966, während der Flutkatastrophe von Florenz
Der Verein und die Bundesrepublik schließen einen Vertrag "sui generis", der die alten von den neuen Institutsbeständen trennen soll. Der ehemalige Trägerverein arbeitet nun ausschließlich als Fördererverein und heißt ab jetzt auch "Verein zur Förderung des Kunsthistorischen Instituts in Florenz". Er bleibt Eigentümer des Institutsgebäudes und der älteren Einrichtungs- und Sammlungsbestände. Er ist im Kuratorium vertreten und wirkt auf diese Weise beratend an den wissenschaftlichen Aufgaben des Instituts mit. Die Verwaltung übernimmt das Ministerium mittels eines entsandten Verwaltungsfachmannes. Es entsteht das Archiv zur italienischen Kunst des 20.Jahrhunderts, parallel zum von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Literaturerwerbung zur italienischen Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. 1970 kommen jährlich 18.000 Besucher ins Institut, was seine Kapazitäten nahezu sprengt. Auf Vermittlung des Schatzmeisters Alexander Kreuter wird 1972 der Kauf der an den Palazzo Capponi-Incontri angrenzenden Casa Rosselli (Via G.Giusti 38-40) durch die Stiftung Volkswagenwerk möglich ebenso wie die Übergabe des Gebäudes zur Erweiterung des Instituts an den Fördererverein. Die Casa Rosselli war seit 1920 bis in die späten 40er  Jahre Wohnsitz der Familie Rosselli. Die beiden Brüder Carlo (1899-1937) und Nello (1900-1937)  waren Protagonisten des antifaschistischen Widerstandes in Italien. Am 9. Juni 1937 wurden sie in Bagnoles-de-l'Orme (Normandie) von einem Kommando lokaler Faschisten ermordet, das im Auftrag Mussolinis und des damaligen Außenministers der italienischen Regierung, Galeazzo Ciano handelte.
(Abb. 14)
 
  Abb. 14: Casa Rosselli, Gartenseite, 1972
Ab 1974 wird an dem ambitionierten Forschungsprojektes "Die Kirchen von Siena" gearbeitet. In das Jahr 1980 fällt die Ausstellungsbeteiligung an "Arnold Böcklin in Fiesole".

1981-1992
Überleitung des Instituts in den Geschäftsbereich des Bundesministers für Forschung und Technologie unter dem neuen Direktor Gerhard Ewald (1927-1997), vormals stellvertretender Direktor der Staatsgalerie Stuttgart.  In seine Amtszeit fallen die Herausgabe der Bauakten des Florentiner Doms und das Forschungsprojekt zu den Künstlerselbstbildnissen in den Uffizien. An der großen Donatello Ausstellung 1986 beteiligt sich das Institut mit Kongressen und Publikationen.

Wegen umfangreicher Renovierungsarbeiten in der Casa Rosselli und im Palazzo Capponi-Incontri bleibt das Institut von 1981 bis Sommer 1982 geschlossen. Der Eingangsbereich wird völlig neu  gestaltet, ein neuer Lesesaal für Zeitschriften entsteht und der Vortragssaal zieht in die Casa Roselli. 1982 wird das vergrößerte Institut eingeweiht. 1987 folgt eine weitere Expansion, nun auf der gegenüberliegenden Straßenseite: auf Initiative von Detlef Heikamp, Max Seidel, Herbert Beck, Ralph P. Odendall und Mario Piccinini wird der Ankauf der Casa del Sarto-Zuccari, des ehemaligen Wohnhauses des Florentiner Malers Andrea del Sarto und später von Federico Zuccari, der es aufwendig freskierte, in die Wege geleitet, finanziert durch die Deutsche Bank AG. (Abb. 15)

 
1988 erfolgt die Übergabe der Casa Zuccari an den Verein durch die Deutsche Bank AG, deren Ehrenvorsitzender Hermann J. Abs der entscheidende Fürsprecher für den Erwerb war.

1993-2003
Nachfolger von Ewald wird der Schweizer Max Seidel (1940), Ordinarius in Heidelberg, zu dessen Forschungen das große Projekt "Die Kirchen von Siena" gehören. Unter seiner Leitung werden die Kapazitäten des Instituts weiter ausgebaut und regelmäßige wissenschaftliche Tagungen durchgeführt. Die Bibliotheken der Hertziana in Rom, des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München und des KHI in Florenz beschließen 1994 die Gründung eines Verbundes zur Kooperativen, EDV-gestützten Literaturerschließung. Der Aufbau eines gemeinsamen Netzes und einer elektronischen Datenbank gehen damit einher. Das Institut lässt von Mortimer Graf Maltzan ein Restaurierungskonzept für die Casa Zuccari erstellen, das mit Unterstützung italienischer Sponsoren ab 1996 bis 2004 umgesetzt wird. (Abb. 16/17)
 
Abb. 15: Casa Zuccari, 1988
 
  Abb. 16: Casa Zuccari, Fresko im Erdgeschoss von Federico Zuccari von 1577, 1988
 
  Abb. 17: Casa Zuccari, Fresko im Erdgeschoss von Federico Zuccari von 1577, 1988
1997 feiert man mit Kongressen das hundertjährige Bestehen des Kunsthistorischen Instituts in Florenz und es erscheint der Band von Hans W. Hubert zur Institutsgeschichte. Ein wesentliches Verdienst von Max Seidel war die Vernetzung der Institutsforschungen mit den Aktivitäten der Kulturinstitutionen der Toskana (vor allem Siena, Pisa, Lucca).

Dank seiner Bemühungen übernimmt im Jahr 2002 die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) die Trägerschaft für das Institut, und es beginnt eine neue Aufbauphase. 2005 wird Seidel Ehrenbürger von Florenz und 2006 verleiht ihm die Florentiner Universität die Ehrendoktorwürde.

Der Vorschlag, das KHI in die MPG zu überführen, wurde 2000 seitens des Bundesministeriums für Bildung und Forschung dem Präsidenten der MPG unterbreitet. Das Kuratorium sowie der Förderverein haben diese Option ausdrücklich befürwortet. Innerhalb der MPG ist das Kunsthistorische Institut der Geistes-, Human- und Sozialwissenschaftlichen Sektion zugeordnet. Die feierliche Überleitung des Instituts in die Gesellschaft findet am 3.6.2002 mit einem Festakt in der Aula Magna der Universität Florenz statt.

seit 2003
Neue Direktoren sind seit 2003 Gerhard Wolf (1952), Professor an der Universität Trier und seit 2006 Alessandro Nova (1954), Geschäftsführender Direktor des Zentrums zur Erforschung der Frühen Neuzeit (Renaissance Institut), Frankfurt/M.

Das Kunsthistorische Institut in Florenz ist dank seiner Projekte, der intensiven Nachwuchsförderung und seinem dichten internationalen Kontaktnetz eines der wichtigsten kunsthistorischen Forschungsinstitute weltweit.

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Quellen:
Hans W. Hubert: Das Kunsthistorische Institut in Florenz. Von der Gründung bis zum hundertjährigen Jubiläum (1897-1997), Florenz 1997.
Das Kunsthistorische Institut in Florenz 1888, 1897, 1925. Wilhelm von Bode zum achtzigsten Geburtstage am 10. Dezember 1925 dargebracht vom Kunsthistorischen Institut in Florenz in Dankbarkeit und Verehrung.
Daniel Schöningh: Der erste kunsthistorische Ferienkurs in Italien für Lehrer höherer Unterrichtsanstalten. Posen 1909. Über die Gründung eines Kunsthistorischen Instituts in Florenz. Denkschrift des Vorstandes, 1899.
 
 

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