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Dr. Tim Urban
Tim Urban
Referent für Forschungskoordination und Öffentlichkeitsarbeit
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1969-1981

Herbert Keutner (1916-2003) von der Technischen Hochschule Aachen wird Nachfolger Middeldorfs. 1970 spricht sich die Mitgliederversammlung des Vereins zugunsten einer Verstaatlichung des Instituts aus. Es erfolgt die Umwandlung in eine "unselbstständige Bundesanstalt im Geschäftsbereich des Bundesministers für Bildung und Wissenschaft".

Abb. 14: Casa Rosselli, Gartenseite, 1972
Abb. 14: Casa Rosselli, Gartenseite, 1972

Der Verein und die Bundesrepublik schließen einen Vertrag "sui generis", der die alten von den neuen Institutsbeständen trennen soll. Der ehemalige Trägerverein arbeitet nun ausschließlich als Fördererverein und heißt ab jetzt auch "Verein zur Förderung des Kunsthistorischen Instituts in Florenz". Er bleibt Eigentümer des Institutsgebäudes und der älteren Einrichtungs- und Sammlungsbestände. Er ist im Kuratorium vertreten und wirkt auf diese Weise beratend an den wissenschaftlichen Aufgaben des Instituts mit. Die Verwaltung übernimmt das Ministerium mittels eines entsandten Verwaltungsfachmannes. Es entsteht das Archiv zur italienischen Kunst des 20. Jahrhunderts, parallel zum von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Literaturerwerbung zur italienischen Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. 1970 kommen jährlich 18.000 Besucher ins Institut, was seine Kapazitäten nahezu sprengt. Auf Vermittlung des Schatzmeisters Alexander Kreuter wird 1972 der Kauf der an den Palazzo Capponi-Incontri angrenzenden Casa Rosselli (Via G.Giusti 38-40) durch die Stiftung Volkswagenwerk möglich ebenso wie die Übergabe des Gebäudes zur Erweiterung des Instituts an den Fördererverein. Die Casa Rosselli war seit 1920 bis in die späten 40er  Jahre Wohnsitz der Familie Rosselli. Die beiden Brüder Carlo (1899-1937) und Nello (1900-1937)  waren Protagonisten des antifaschistischen Widerstandes in Italien. Am 9. Juni 1937 wurden sie in Bagnoles-de-l'Orme (Normandie) von einem Kommando lokaler Faschisten ermordet, das im Auftrag Mussolinis und des damaligen Außenministers der italienischen Regierung, Galeazzo Ciano handelte. (Abb. 14)

Ab 1974 wird an dem ambitionierten Forschungsprojektes "Die Kirchen von Siena" gearbeitet. In das Jahr 1980 fällt die Ausstellungsbeteiligung an "Arnold Böcklin in Fiesole".

 

1981-1992

Abb. 15: Casa Zuccari, 1988
Abb. 15: Casa Zuccari, 1988

Überleitung des Instituts in den Geschäftsbereich des Bundesministers für Forschung und Technologie unter dem neuen Direktor Gerhard Ewald (1927-1997), vormals stellvertretender Direktor der Staatsgalerie Stuttgart.  In seine Amtszeit fallen die Herausgabe der Bauakten des Florentiner Doms und das Forschungsprojekt zu den Künstlerselbstbildnissen in den Uffizien. An der großen Donatello Ausstellung 1986 beteiligt sich das Institut mit Kongressen und Publikationen.

Wegen umfangreicher Renovierungsarbeiten in der Casa Rosselli und im Palazzo Capponi-Incontri bleibt das Institut von 1981 bis Sommer 1982 geschlossen. Der Eingangsbereich wird völlig neu  gestaltet, ein neuer Lesesaal für Zeitschriften entsteht und der Vortragssaal zieht in die Casa Roselli. 1982 wird das vergrößerte Institut eingeweiht. 1987 folgt eine weitere Expansion, nun auf der gegenüberliegenden Straßenseite: auf Initiative von Detlef Heikamp, Max Seidel, Herbert Beck, Ralph P. Odendall und Mario Piccinini wird der Ankauf der Casa del Sarto-Zuccari, des ehemaligen Wohnhauses des Florentiner Malers Andrea del Sarto und später von Federico Zuccari, der es aufwendig freskierte, in die Wege geleitet, finanziert durch die Deutsche Bank AG. (Abb. 15)

1988 erfolgt die Übergabe der Casa Zuccari an den Verein durch die Deutsche Bank AG, deren Ehrenvorsitzender Hermann J. Abs der entscheidende Fürsprecher für den Erwerb war.

 

1993-2003

Nachfolger von Ewald wird der Schweizer Max Seidel (1940), Ordinarius in Heidelberg, zu dessen Forschungen das große Projekt "Die Kirchen von Siena" gehören. Unter seiner Leitung werden die Kapazitäten des Instituts weiter ausgebaut und regelmäßige wissenschaftliche Tagungen durchgeführt. Die Bibliotheken der Hertziana in Rom, des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München und des KHI in Florenz beschließen 1994 die Gründung eines Verbundes zur Kooperativen, EDV-gestützten Literaturerschließung. Der Aufbau eines gemeinsamen Netzes und einer elektronischen Datenbank gehen damit einher. Das Institut lässt von Mortimer Graf Maltzan ein Restaurierungskonzept für die Casa Zuccari erstellen, das mit Unterstützung italienischer Sponsoren ab 1996 bis 2004 umgesetzt wird. (Abb. 16/17)

 

Abb. 16: Casa Zuccari, Fresko im Erdgeschoss von Federico Zuccari von 1577, 1988
Abb. 16: Casa Zuccari, Fresko im Erdgeschoss von Federico Zuccari von 1577, 1988
Abb. 17: Casa Zuccari, Fresko im Erdgeschoss von Federico Zuccari von 1577, 1988
Abb. 17: Casa Zuccari, Fresko im Erdgeschoss von Federico Zuccari von 1577, 1988

  

1997 feiert man mit Kongressen das hundertjährige Bestehen des Kunsthistorischen Instituts in Florenz und es erscheint der Band von Hans W. Hubert zur Institutsgeschichte. Ein wesentliches Verdienst von Max Seidel war die Vernetzung der Institutsforschungen mit den Aktivitäten der Kulturinstitutionen der Toskana (vor allem Siena, Pisa, Lucca).

Dank seiner Bemühungen übernimmt im Jahr 2002 die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) die Trägerschaft für das Institut, und es beginnt eine neue Aufbauphase. 2005 wird Seidel Ehrenbürger von Florenz und 2006 verleiht ihm die Florentiner Universität die Ehrendoktorwürde.

Der Vorschlag, das KHI in die MPG zu überführen, wurde 2000 seitens des Bundesministeriums für Bildung und Forschung dem Präsidenten der MPG unterbreitet. Das Kuratorium sowie der Förderverein haben diese Option ausdrücklich befürwortet. Innerhalb der MPG ist das Kunsthistorische Institut der Geistes-, Human- und Sozialwissenschaftlichen Sektion zugeordnet. Die feierliche Überleitung des Instituts in die Gesellschaft findet am 3.6.2002 mit einem Festakt in der Aula Magna der Universität Florenz statt.

 

since 2003

Neue Direktoren sind seit 2003 Gerhard Wolf (1952), Professor an der Universität Trier und seit 2006 Alessandro Nova (1954), Geschäftsführender Direktor des Zentrums zur Erforschung der Frühen Neuzeit (Renaissance Institut), Frankfurt/M.

Das Kunsthistorische Institut in Florenz ist dank seiner Projekte, der intensiven Nachwuchsförderung und seinem dichten internationalen Kontaktnetz eines der wichtigsten kunsthistorischen Forschungsinstitute weltweit.

 

Literatur

Hans W. Hubert: Das Kunsthistorische Institut in Florenz. Von der Gründung bis zum hundertjährigen Jubiläum (1897-1997), Firenze 1997.

Das Kunsthistorische Institut in Florenz 1888, 1897, 1925. Wilhelm von Bode zum achtzigsten Geburtstage am 10. Dezember 1925 dargebracht vom Kunsthistorischen Institut in Florenz in Dankbarkeit und Verehrung.

Daniel Schöningh: Der erste kunsthistorische Ferienkurs in Italien für Lehrer höherer Unterrichtsanstalten. Posen 1909. Über die Gründung eines Kunsthistorischen Instituts in Florenz. Denkschrift des Vorstandes, 1899.

 
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