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Dr. Tim Urban
Tim Urban
Referent für Forschungskoordination und Öffentlichkeitsarbeit
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1946/1947

1945 gehen die Florentiner Institutsbestände aus Kochendorf an den Central Collecting Point in Offenbach. Senator Benedetto Croce fordert die italienische Regierung öffentlich auf, die Rückführung des Deutschen Historischen Instituts, der Bibliotheca Hertziana und des Deutschen Archäologischen Instituts zu bewirken. Die Alliierten zeigen dafür Verständnis. Die Gründung einer  Treuhänderschaft "Unione Internazionale degli Istituti di Archeologia, Storia e di Storia dell'arte di Roma" dient der Rückführung der Institute nach Italien, ohne zunächst strittige juristische Punkte zu berühren. Ab dem 14. August 1947 sind unter dem Bibliothekar Enrico Jahier, der in der Zwischenzeit kommissarisch die Geschäfte führt, die Bestände im Palazzo Guadagni wieder als "Biblioteca Internazionale d'Arte" zugänglich, finanziert aus Mitteln der UNESCO. Ziel der Unione ist die Rückführung an den italienischen Staat und eine internationale Geschäftsführung. Diese Pläne scheitern jedoch. Bernard Berenson spricht sich 1948 für eine Rückführung der Institute an Deutschland aus.

 

1950-1953

Ab 1950 gibt es konkrete Pläne zu einer deutschen Wiederbeteiligung am Kunsthistorischen Institut in Florenz. 1951 konstituiert sich der Verein mit Sitz in München neu. Die Geschäftsführung übernimmt Ludwig Heydenreich, inzwischen Direktor des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München. Mit Fürsprache von Benedetto Croce erfolgt nun die Rückführung des Instituts in deutsche Verwaltung. Am 27. Februar 1953 einigen sich Bundeskanzler Konrad Adenauer und Ministerpräsident Alcide De Gaspari auf die offizielle Wiedereröffnung der Institute in Italien unter deutscher Leitung. Die Bundesregierung verpflichtet sich, das Florentiner Institut zu unterhalten. Finanzielle Zuwendungen sollen durch das Ministerium des Inneren, später durch das Ministerium für Wissenschaft und Forschung erfolgen.

 

1953-1968

Abb. 11: Ulrich Middeldorf (1901-1983)
Abb. 11: Ulrich Middeldorf (1901-1983)

Am 30.4.1953 wird das Institut an den Vereinsvorstand restituiert. Für den Verein ist die finanzielle Situation des Instituts zunächst sehr problematisch, doch in den Folgejahren steigen die Mitgliedsbeiträge und der Verein kann wieder 12% des Gesamtetats aufbringen. Man verleiht dem Interimsdirektor Jahier das Bundesverdienstkreuz für seine Verdienste, die vor allem dem Bereich Zeitschriften und Neuerscheinungen galten. 1953 erfolgt die feierliche Wiedereröffnung des Institutes mit einer Feier zum Gedenken an Friedrich Kriegbaum und mit dem 1935 nach Chicago emigrierten Ulrich Middeldorf (1901-1983) als neuem Institutsdirektor. (Abb. 11)

Dank der internationalen Kontakte Middeldorfs wird das Institut schnell zu einem Treffpunkt für Gelehrte aus allen Ländern und fördert den Austausch der Institutionen. Zu Middeldorfs Mitarbeitern gehören zwei Assistenten, eine Bibliothekarin, eine Photothekarin, mehrere wissenschaftliche Hilfskräfte, eine Sekretärin und ein Institutsdiener. Und natürlich die Stipendiaten, die auch immer zu einem Teil für das Institut tätig sind.

Die Wiederaufnahme regelmäßiger Studienkurse und der Ausbau der Bibliotheksbestände gehören zu seinen Hauptaufgaben. Ihm gelingen wesentliche Erwerbungen wie die der Privatbibliothek des Florentiner Dombauarchitekten Castellucci und des Architekten Cappugi. Middeldorf bindet die Florentiner Forscher fest in sein Vortragsprogramm ein und macht das Institut wieder zu einer international angesehenen Forschungsstätte. Seine eigenen Forschungen gelten der italienischen Renaissanceskulptur, der Zeichenkunst, dem Kunstgewerbe und der Kleinkunst.

1961 wird aufgrund des erneut bestehenden Platzmangels der Palazzo Capponi-Incontri in der Via Giuseppe Giusti 44 von der Familie des Marchese Attilo Incontri durch die Fritz-Thyssen-Stiftung erworben und als künftiger Institutssitz an den Fördererverein übergeben. (Abb. 12a/b)

 

Abb. 12: Palazzo Capponi-Incontri, 1964
Abb. 12: Palazzo Capponi-Incontri, 1964
Abb. 12a: Lesesaal im Palazzo Capponi-Incontri, 1964
Abb. 12a: Lesesaal im Palazzo Capponi-Incontri, 1964

 

Abb. 13: Überfluteter Zeitschriftenraum im Palazzo Capponi-Incontri, 4. November 1966, während der Flutkatastrophe von Florenz
Abb. 13: Überfluteter Zeitschriftenraum im Palazzo Capponi-Incontri, 4. November 1966, während der Flutkatastrophe von Florenz

Drei Jahre später verlegt man das Institut vom Palazzo Guadagni in den nun ebenfalls mit Geldern der Thyssen-Stiftung und des Innenministeriums für die künftige Nutzung umgebauten und ausgestatteten Palazzo. Bauherr war der Historiker, Staatsmann und Philantroph Gino Capponi gewesen, der im Palazzo Capponi in der gleichnamigen Straße gewohnt hatte. Die neue Lage des Instituts im ehemaligen Künstlerviertel von Florenz (Wohnhäuser von del Sarto, Sangallo, Pontormo, Zuccari, Cellini, Giambologna), nahe der Universität und der einstigen Accademia del Disegno lassen den neuen Standort als überaus geeignet erscheinen. Am 10.2.1964 öffnet das Institut für die Besucher, am 16. Mai folgt der Festakt im Palazzo Vecchio in der Sala dei Duecento. Zunehmend beteiligt sich das Institut auch an Ausstellungen, so an der zu Adolf von Hildebrand. Im Folgejahr richtet man erstmals das Fellowship der Samuel H. Kress Foundation ein und ein Jahr später wird der erste Kress-Stipendiat an das Kunsthistorische Institut in Florenz entsandt. In das gleiche Jahr fällt der Beginn der Arbeiten am Corpus of Florentine Painting. Die jährliche Zahl der Besucher beträgt 1964 etwa 5600. Am 4. November 1966 wird Florenz von der größten Flutkatastrophe seiner Geschichte heimgesucht und auch das Institut ist direkt betroffen. (Abb. 13)

Das Hochwasser des Arno, der Schlamm, die Kanalisation und das ausgelaufene Öl der Heizkessel beschädigen das Gebäude und einen Teil der Buchbestände und des Inventars. Der stellvertretende Direktor von Erffa sichert die wertvollen Bibliotheksbestände. Trotzdem sind an die zehntausend Bücher restaurierungsbedürftig, die Möbel in Mitleidenschaft gezogen und vieles unwiederbringlich verloren. Die Wiederherstellungsarbeiten dauern bis zum Amtsende Middeldorfs 1968 an. Auch in der Stadt hat die Flutkatastrophe unübersehbare Schäden ausgelöst und aus aller Welt reisen die sogenannten "angeli del fango" an, um  die gefährdeten Bestände der Nationalbibliothek und des Staatsarchivs von Florenz zu retten.

 
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