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Dr. Tim Urban
Tim Urban
Referent für Forschungskoordination und Öffentlichkeitsarbeit
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1908

Im Frühjahr findet der erste Studienkurs für Oberlehrer und Direktoren preußischer höherer Schulen statt, die "ihr Leben lang über Italien vorzutragen hatten, ohne es bisher zu kennen". Unter der Leitung von Paul Schubring sollten sie die Kunst der Renaissance aus eigener Anschauung kennen lernen, um deren künstlerischen Gehalt "fruchtbar nutzen zu können", d.h. in die Fächer Deutsch, Geschichte und Religion einzubringen. Initiator war Friedrich Althoff, Ministerialdirigent im preußischen Kultusministerium. Aus dieser Veranstaltung gehen die auch heute noch abgehaltenen regelmäßig stattfindenden Studienkurse hervor, die inzwischen der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses dienen. Das erste Heft der Zeitschrift "Mitteilungen des Kunsthistorischen Instituts in Florenz" erscheint. Bereits zu diesem Zeitpunkt hat das Institut die grundlegenden wissenschaftlichen Aktivitäten entfaltet, die noch heute einen wesentlichen Teil seines Renommées ausmachen. Ab 1910 konkretisieren sich in Rom die Pläne zur Gründung der Bibliotheca Hertziana als Römisches Institut für Kunstgeschichte. Gleichzeitig kursieren ernstzunehmende Überlegungen von Paul Fridolin Kehr, Direktor des Preußisch Historischen Instituts in Rom, zu einer gemeinsamen Direktion für die drei Institute (Hertziana, Preußisches Historisches Institut in Rom und KHI).

 

1912-1922

Wilhelm von Bode, Generaldirektor der Berliner Museen mit mächtiger Position in Berlin, wird neuer Vereinsvorstand und versucht das Institut vor Vereinnahmungen zu schützen. Zu seinen Verdiensten zählt u.a. die neue Vereinssatzung von 1913, die das Forschungsgebiet des Instituts klar definiert: statt der mittelalterlichen und neueren Kunstgeschichte sollte das Institut nun vornehmlich der Erforschung der mittel- und oberitalienischen Kunst gewidmet sein. Institutsdirektor Brockhaus tritt nach 15 Jahren Institutsleitung zurück, leise Kritik an seinem Wirken kommt von Aby Warburg und Wilhelm von Bode. Nachfolger wird der Weimarer Museumsdirektor Hans Freiherr von der Gabelentz-Linsingen (1872-1946), der mit einer Denkschrift Kehrs ehrgeiziges Projekt der Zusammenführung der Institute schließlich verhindert.

Das durch die angewachsene Bücher- und Photosammlung in räumliche Bedrängnis geratene Institut (Bestand: 8769 Bände und 26.400 Abbildungen) wird in gemietete Räume im zweiten Geschoß des Palazzo Guadagni (Piazza S. Spirito 9) verlegt. (Abb. 5)

 

Abb. 5: Palazzo Guadagni, um 1964
Abb. 5: Palazzo Guadagni, um 1964
Abb. 6: Palazzo Guadagni, Loggia, um 1964
Abb. 6: Palazzo Guadagni, Loggia, um 1964

  

Dort befindet sich auch eine Dienstwohnung für den Direktor. Die 22 Räume erstreckten sich L-förmig um den Innenhof herum. Die Decken sind im Stil des 19. Jahrhunderts bemalt und die Fenster öffneten sich zum Platz von Santo Spirito. Im Geschoss darüber eröffnen die Sorelle Bandini ihre gleichnamige Pension, die mit ihrer großen Loggia herrliche Ausblicke auf die Stadt ermöglicht und Generationen von Besuchern des Instituts Aufenthalt gewährt. (Abb. 6)

1913 umfasst die Bibliothek bereits rund 12.000 Bände, und die Jahre vor dem Krieg stehen im Zeichen der Neuordnung, zu der die systematische Aufstellung nach Sachgebieten gehört sowie ein noch heute gültiges alphanumerisches Signaturensystem. Seit 1913/14 arbeitet man außerdem bei den wissenschaftlichen Vorträgen mit Diaprojektor und Diasammlung. (Abb. 7a/b)

 

Abb. 7a: Photothek im Palazzo Guadagni vor dem Ersten Weltkrieg  
Abb. 7a: Photothek im Palazzo Guadagni vor dem Ersten Weltkrieg
  
Abb. 7b: Bibliothek im Palazzo Guadagni mit Deckendekoration, 1964
  

Abb. 7b: Bibliothek im Palazzo Guadagni mit Deckendekoration, 1964

  

 

Abb. 8: Großer Studiensaal des Instituts in den Uffizien, um 1920
Abb. 8: Großer Studiensaal des Instituts in den Uffizien, um 1920

1915 wird der Direktor von der Gabelentz-Linsingen zum Heer einberufen. Sein Stellvertreter wird Kurt Zoege von Manteuffel. Am 16. Mai 1915 schließt das Institut "für die Dauer des Krieges", woraus sieben Jahre werden sollen. Deutsche Staatsangehörige müssen Italien verlassen. Das verwaiste Institut steht unter dem Schutz des Schweizer Konsuls Carlo A. Steinhäuslin. Der Verein wird weitergeführt, es gibt nur wenige Austritte. Von Berlin aus werden die "Mitteilungen" weiter publiziert. Am 26.8.1916 wird das Institut nach der Kriegserklärung Italiens an Deutschland beschlagnahmt. Es folgt die Unterstellung an den Sopraintendenten der Florentiner Museen und Galerien Giovanni Poggi und schließlich die Überführung der Bücher- und Photosammlung in die Räumlichkeiten der ehemaligen Hauptpost, die die Uffizien als Depot nutzen. Die Bestände sind Benutzern ab 1920 nur noch in sehr beschränktem Maße für wissenschaftliche Zwecke zugänglich. (Abb. 8)

Wilhelm von Bode engagiert sich 1922 für die Rückgabeverhandlungen und erringt das Vertrauen der italienischen Ministerien, die eigentlich das Florentiner Institut gerne übernehmen würden. Auch ist wieder von Zusammenlegungen der drei italienischen Institute die Rede. Die italienischen Ministerien akzeptieren von Gabelentz nicht mehr als Direktor, da er im Krieg gegen Italien gekämpft hat. Nach dessen Rücktritt wird 1922 der Archäologe Christian Hülsen von den italienischen Behörden favorisiert. Bode jedoch sieht in dem Schweizer Heinrich Bodmer (1885-1950) einen geeigneten Nachfolger, und es gelingt am 10.8.1922 mittels eines königlichen Dekretes schließlich die  Rückgabe der Sammlungen in die deutsche Verwaltung mit Bodmer als neuem, ehrenamtlichem Direktor.

 
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