CENOBIUM - Ein Projekt zur multimedialen Darstellung romanischer Kreuzgangkapitelle im Mittelmeerraum
Ute Dercks, Gerhard Wolf Das Projekt verfolgt das Ziel, romanische Kreuzgangkapitelle für unterschiedliche Fragestellungen der Forschung, Denkmalpflege und Lehre unter Verwendung von digitalen Fotografien, 3D-Modellen und einer interaktiven Computeranwendung virtuell zugänglich zu machen. Zum einen werden die Kapitelle dabei in ihrem architektonischen und historischen Zusammenhang präsentiert, zum anderen dient das Projekt der Untersuchung des künstlerischen Austauschs und der künstlerischen Kooperationen im Mittelmeerraum des 12. und 13. Jahrhunderts. Nachdem sich CENOBIUM zunächst auf die Kreuzgänge von Monreale und Cefalù auf Sizilien sowie auf die Kapitelle von Sant'Orso in Aosta als den bedeutendsten Zyklen historisierter Kapitellplastik in Italien konzentrierte, werden nun weitere Kampagnen in Spanien realisiert. Der Kreuzgang des Domes San Salvatore in Cefalù, der zu dem von König Roger II. ab 1130 errichteten Gebäudekomplex gehört und der zwischen 1170 und 1180 entstand, gilt als wichtiger Referenzbau für die süditalienische Skulptur insbesondere für die in Monreale. Mit Sant'Orso in Aosta hingegen erschließt sich ein weiterer Kreuzgang, der exemplarisch für die Kapitellkunst im Mittelmeerraum steht und der stilistisch zudem einen Brückenkopf zu französischen Kreuzgängen bildet. In diesem gegen Mitte des 12. Jahrhunderts entstandenen Kreuzgang der Stiftskirche, die dem Heiligen Petrus sowie dem Gründer und Stiftungsheiligen Ursus gewidmet ist, spiegeln sich in den dargestellten Themen neben einem ausführlichen und strukturell einheitlichen Prophetenzyklus und einer über mehrere Kapitelle verteilten Erzählung des alttestamentarischen Patriarchen Jakob auch historische Begebenheiten um die Entstehung des Klosters wider. So werden nicht nur die Vita des Heiligen Ursus und die Einrichtung des Kapitels unter Einführung der Regel des Heiligen Augustinus ausführlich geschildert, sondern durch die Inschrift an einem der Kapitelle wird auch das urkundlich belegte Jahr 1133 (1132) genannt, dem Beginn des effektiven klösterlichen Gemeinschaftslebens. Des Weiteren lassen sich einige Darstellungen im Hinblick auf die Teilung der bis dato von den Kanonikern der Kathedrale von Aosta verwalteten Güter deuten. Durch die Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege in Aosta (Soprintendenza per i beni e le attività culturali della Regione autonoma dela Valle d'Aosta) wurden gleich mehrere neue Partner für CENOBIUM hinzugewonnen. Da die Kreuzgangkapitelle während eines Restaurierungsprojekts von ITABC/CNR (Institute for Technologies Applied to Cultural Heritage, Consiglio Nazionale delle Ricerche, Monterotondo/Rom) mit einem fotometrischen Verfahren dreidimensional aufgenommen wurden, bislang aber eine adäquate Visualisierung der Modelle fehlte, können die Kapitelle durch die Konvertierung der Daten in die bereits von ISTI/CNR (Istituto di Scienza e Tecnologie dell'Informazione "A. Faedo", Consiglio Nazionale delle Ricerche, Pisa) entwickelte Software in CENOBIUM integriert werden. URL der Website des Projektes:
http://cenobium.isti.cnr.it
|
|

Project collaborators
Ute
Dercks
Gerhard
Wolf
|