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Tradierung topografischen Wissens - Der sogenannte Strozzi-Plan und seine Quellen

Anne Leicht

Der sogenannte Strozzi-Plan (vor 1474) ist eine auf Pergament ausgeführte Federzeichnung der Stadt Rom, die ursprünglich als Bifolium in eine humanistische Sammelhandschrift (Codex Redi 77, Biblioteca Medicea Laurenziana, Florenz) eingefügt war und nun separat aufbewahrt wird. Noch in mittelalterlicher Manier gesüdet zeichnet sich der Alessandro Strozzi zugeschriebene Stadtplan im Gegensatz zu älteren Romdarstellungen durch die Vielzahl der dargestellten antiken und christlichen Monumente sowie durch die genaue Wiedergabe der Topografie Roms im 15. Jahrhundert aus. Aufgrund der Beschriftungen der Monumente in lateinischer und italienischer Sprache wurde die Zeichnung stets mit Flavio Biondos Roma 'instaurata' in Verbindung gebracht. Bis heute wird davon ausgegangen, dass der Strozzi-Plan und drei Rompläne Piero del Massaios in lateinischen Handschriften der ptolemäischen 'Cosmographia' (Paris, Bibliothèque nationale de France, ms. Lat. 4802, fol. 133r; Rom, Biblioteca Apostolica Vaticana, Urb. Lat. 277, fol. 131r und Vat. Lat. 5699, fol. 127r) auf einen gemeinsamen Archetyp zurückgehen, der im Umkreis Biondos entstanden sein soll. Dabei bleiben jedoch zum einen zahlreiche Abweichungen der Beschriftungen des Strozzi-Plans von Flavio Biondos Text unbeachtet, die auch auf die Rezeption anderer Schriftquellen schließen lassen. Zum anderen wird übersehen, dass die Beschriftungen der Massaio-Pläne nicht von Biondos 'Roma instaurata' abhängig sind, sondern allein auf früheren Quellen basieren. Deshalb erscheint es wenig sinnvoll, die Vorstellung von einem verlorenen "Biondo-Archetyp" aufrechtzuerhalten.

Im Rahmen des Dissertationsprojekts sollen die schriftlichen Quellen für diejenigen Beschriftungen des Strozzi-Plans ermittelt werden, die nicht durch Biondos Überlieferung zu erklären sind. Dafür kommen insbesondere die 'Libri indulgentiarum' sowie die Mirabilienliteratur in Frage. Auch soll die Funktion des Plans innerhalb der Sammelhandschrift untersucht werden. Die Differenzierung verschiedener Zeichnungs- und Beschriftungsphasen legt die Vermutung nahe, dass im Lauf der Zeit Veränderungen, Ergänzungen oder Aktualisierungen nach dem neuesten antiquarischen Wissensstand über die Topografie Roms vorgenommen wurden. Es ist wahrscheinlich, dass der Romplan wie andere Bestandteile der Handschrift erst später in Strozzis Besitz gelangt ist. Daher stellt sich die Frage, welche Funktion ein solches kleinformatiges Blatt, auf dem die Topografie Roms skizziert ist, ursprünglich erfüllen sollte.

Eine weitere Aufgabe besteht darin, die komplexen Beziehungen zwischen Strozzi-Plan und den Massaio-Plänen zu analysieren sowie andere bildliche Zeugnisse wie z. B. Taddeo di Bartolos Romplan im Palazzo Comunale in Siena einzubeziehen, um Rückschlüsse auf die Wege der schriftlichen und bildlichen Überlieferung topografischen Wissens im 15. Jahrhundert ziehen zu können.


 

Project collaborators
Anne Leicht

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