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Circulation of Artefacts in the Mediterranean Region (from the Late Antiquity to the 15th Century), II: Pictures, Objects and Art

Gerhard Wolf
Vier kunstwissenschaftliche Disziplinen teilen sich in die Erforschung des nachantiken bis frühneuzeitlichen Mittelmeerraums: die Byzantinistik, die Islamwissenschaften, die Judaistik und die auf das Abendland konzentrierte kunsthistorische Mediävistik. Die unterschiedlichen Traditionen und Kulturen dieser Disziplinen erschweren die Untersuchung transkultureller Zirkulation von Artefakten ebenso wie jene von Zonen des Kontaktes und der Koexistenz unterschiedlicher Religionsgemeinschaften oder Ethnien.

In einem ersten Schritt hat sich das Projekt exemplarisch mit der Genese, dem Export und der Neukontextualisierung eines singulären Objektes, nämlich des Mandylion von Genua, befasst, welches als kaiserliche Gabe von Konstantinopel in die italienische Handelsstadt gelangte. In einem zweiten wurde ein Dialog über die Modelle von Zirkulation von 'islamischen' Artefakten im lateinischen Westen eröffnet unter den Stichworten "Gabe,Ware, Diebesgut" (zusammen mit Caterina Schmidt Arcangeli). In einem nächsten Schritt ist eine Bestimmung methodischer und thematischer Implikationen im Dialog mediterraner Kunstgeschichten wichtig, welcher u.a. in Form einer Sektion des CIHA Kongresses in Melbourne fortgesetzt wurde. Zentrale Problemlagen sind dabei die stark sprachwissenschaftlich ausgerichteten, aber auch die reduktiv bildwissenschaftlichen Ansätze beteiligter Disziplinen.

In der Tat lädt das Projekt zur Begründung einer Reflexionsebene "jenseits des Bildparadigmas" ein. Eine auf einen emphatischen Bildbegriff christlich bis idealistischer Provenienz eingeschworene Kunstgeschichte begibt sich des bildwissenschaftlichen Erkenntnisgewinns der letzten Jahre und verstellt den Blick auf das komplexe Zusammenspiel von Bildern und Artefakten in kommunizierenden Funktionsräumen ebenso wie auf jenes von Produktion und Rezeption in historisch-anthropologischer Perspektive. Als einfaches Begriffsmodell, das von den Objekten her entworfen ist, bietet sich die Trias von Bild - Ding - Kunst an, die erlaubt, die inner- oder transkulturelle Begegnung oder Konfrontation von gestalteten Objekten (Artefakten), ungestalteten (aber gefassten) Dingen (res, reliquiae) und Bildern (eikones, imagines, historiae) unter formalen wie funktionalen Gesichtspunkten zu erforschen. Der Kunstbegriff ist dabei nicht systemisch, sondern pragmatisch verstanden, 'Ding' steht nicht primär gegen Bild, sondern auch für die 'Reifikation' von Bildern in ihrer materiellen wie technischen Existenz.

Die Notwendigkeit methodologischer und begrifflicher Reflexion verbindet sich im Projekt, das im Dialog mit Avinoam Shalem realisiert wird, mit der Arbeit am konkreten Gegenstand: aktuell zum einen dem Sizilien des 12. und 13. Jahrhunderts (mit seiner Schatzkunst und seinen Mosaiken), wo sich die kulturellen Orientierungsmuster 'islamisch', 'byzantinisch', 'westlich' als ebenso problematisch erweisen wie die Prädominanz religiöser Differenz. Zum anderen in einem Kooperationsprojekt (cantiere mediterraneo) mit den Partnern: Museo del Mare in Genua, der Scuola Normale Superiore in Pisa und der Università di Genova, das sich in workshops und Tagungen mit "arte e scienza dei porti" beschäftigt.


 

Project collaborators
Gerhard Wolf

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