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Casa Zuccari
Ein Florentiner Künstlerhaus

Eine Online-Ausstellung des Kunsthistorischen Instituts in Florenz - Max-Planck-Institut

ab 2. April 2007

 

Die Ausstellung dokumentiert erstmals in Digitalfotos herausragender Qualität den Bau und die eindrucksvolle Freskenausstattung des als Wohnhaus und Atelier eines Künstlers erbauten Anwesens, der sogenannten Casa Zuccari. Heute vom Kunsthistorischen Institut in Florenz genutzt, steht es als Eckgebäude an der Via Capponi und der Via Giusti, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Piazza SS. Annunziata, der Accademia delle Belle Arti und der Universität von Florenz. Die Gegend war im 16. Jahrhundert von zahlreichen Künstlern wie Perugino, Pontormo und Giambologna bewohnt, und auch die Accademia del Disegno war mit ihrer Kapelle in der SS. Annunziata in diesem "Künstlerviertel" präsent.

Die Casa Zuccari sticht im heutigen städtischen Umfeld durch ihre Außenfassaden hervor: die große Ecksäule, darüber das Wappen der Zuccari und das der Medici, dazu die in Sandstein eingefassten Fenster, die den Spätrenaissancecharakter des Bauwerks unterstreichen. Das Gebäude verdankt seinen Namen dem Maler und Kunsttheoretiker Federico Zuccari (1540/1-1609), der 1577 von den Erben des Andrea del Sarto (1486-1531), des "pittore senza errori" (wie ihn Vasari nennt), dessen eigens erbautes Haus und Grundstück erwarb. Federico Zuccari war zu diesem Zeitpunkt ein erfolgreicher und renommierter Künstler, der als Nachfolger Giorgio Vasaris (1511-1574) den Auftrag für die Ausmalung der Florentiner Domkuppel erhalten hatte. Zuccari erweiterte das Wohnhaus, schloss ein Ateliergebäude an und nobilitierte die Architektur durch eine Gartenloggia und die Formensprache der Außenfassaden. Der Künstler machte mithilfe der Malereien mythologischer und allegorischer Thematik in der "sala terrena" aus seinem eigenen Haus ein Instrument der Selbstdarstellung: Federico zeigt sich hier als gesellschaftlich anerkannter, erfolgreicher Künstler und Lehrmeister.
Zuccari verließ die Stadt Florenz 1579. Die Aufträge führten ihn wieder nach Rom und einige Jahre später nach Spanien, an den Escorial. Schließlich nach Rom zurückgekehrt, wurde er 1593 Begründer und erster Principe der Accademia di San Luca. Das Florentiner Haus verkaufte Zuccari erst 1602 an Giovan Battista Paggi, der dann vermutlich Auftraggeber der Freskenmalereien im Obergeschoß gewesen ist. Das Gebäude wurde mehrfach veräußert und als "casa d'artista" genutzt, zuletzt von Carlo Dolce (1616-1686) und Baldassare Franceschini, gen. Il Volterrano (1611-1689).

1987 wurde die Casa Zuccari aus dem Besitz der Conti de' Acquarone durch die Deutsche Bank AG erworben und 1988 an den Verein zur Förderung des Kunsthistorischen Instituts in Florenz übergeben, 2004 waren die Restaurierungsarbeiten beendet. Das Kunsthistorische Institut in Florenz nutzt die Casa Zuccari seit 2006 als Ausstellungsort: 'Contrappunti' ist eine neue Veranstaltungsserie, die jeweils einen zeitgenössischen Künstler einlädt, sich mit diesem kunsthistorisch einzigartigen Ort, der Casa Zuccari, auseinanderzusetzen. Erster ausstellender Künstler war Erwin Wortelkamp (geb. 1938), der unter dem Titel "Nel giardino delle Esperidi - Arance per Hans von Marées" seine Arbeiten zeigte. Des Weiteren finden in der Casa Zuccari Empfänge und kleinere Tagungen statt. In den nicht zu repräsentativen Zwecken genutzten Räumen haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung, Photothek und Öffentlichkeitsarbeit ihre Büros.

"Casa Zuccari. Ein Florentiner Künstlerhaus" ist die zweite Online-Ausstellung der Photothek des Kunsthistorischen Instituts. Die hier gezeigten Fotos entstanden seit 2005 im Laufe mehrerer Fotokampagnen in der Casa Zuccari mit der institutseigenen Digitalausstattung. 2006 präsentierte die Photothek anlässlich des 40. Jahrestages der Flut von Florenz erstmals eine Online-Ausstellung aus den digitalisierten Beständen des umfangreichen Archivs an dokumentarischen Fotografien. Weitere Online-Ausstellungen der Photothek im Jahre 2007 präsentieren das fotographische Werk von Hilde Lotz-Bauer (1907-1999) anlässlich ihres 100. Geburtstages und im Anschluss eine Dokumentation der Erdbebenschäden und deren Restaurierungen von 1997 in Assisi.

 
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