Ausstellungsort

Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin

Gemäldegalerie
Matthäikirchplatz
10785 Berlin

Rothko / Giotto - Die Berührbarkeit des Bildes

Eine Ausstellung der Gemäldegalerie in Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Institut in Florenz - Max-Planck-Institut und der Sammlung Daimler Contemporary, Berlin

6. Februar - 3. Mai 2009

  

Mark Rothko, Reds no. 5, 1961, Staatliche Museen zu Berlin, Neue Nationalgalerie / Giotto di Bondone, Kreuzigung Christi, ca. 1315, Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie
Mark Rothko, Reds no. 5, 1961, Staatliche Museen zu Berlin, Neue Nationalgalerie / Giotto di Bondone, Kreuzigung Christi, ca. 1315, Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie

Mark Rothko (1903-1970) zählt zu den Hauptvertretern des abstrakten Expressionismus, innerhalb der so genannten "New York School". Ab den 1950er Jahren produzierte er seine "Color Field Paintings", mit denen er berühmt wurde.

Zeitlebens hat sich Rothko mit philosophischen, kunsttheoretischen und historiographischen Fragestellungen beschäftigt und damit den eigenen künstlerischen Standpunkt beständig neu bestimmt und hinterfragt. Erst unlängst wurden seine Gedanken unter dem Buchtitel "The Artist's Reality" durch seinen Sohn Christopher ediert. Rothko setzt sich in dieser Schrift, die in die späten 1930er Jahre datiert, aber auch in seinem späteren Werk mit der frühen italienischen Malerei auseinander, speziell mit der Bedeutung von Giotto di Bondone (1264-1337). Dazu reiste er auch mehrfach nach Italien, wo er nicht nur Giottos Schaffen im Original bewundern konnte, sondern auch zu einem Verehrer von Fra Angelico wurde.

An Giotto interessierte Rothko insbesondere die Fähigkeit, Bildraum und Handlung über das Kolorit zu organisieren. Das Konzept der "Berührbarkeit" (Taktilität, tactility) spielt dabei eine wesentliche Rolle: Wie es Giotto gelungen war, nicht nur unterschiedliche Materialitäten sondern auch das Spektrum menschlicher Konditionen greifbar zu inszenieren, so versuchte auch Rothko seine Farbkonstellationen zu verdichten, auf dass sie für den Betrachter zu bewegter Handlung, zu Erfahrungsräumen, würden. Zeitlebens bestand er darauf, dass seine Gemälde keine abstrakte Malerei darstellen. Vor diesem Hintergrund kontrollierte er sogar die Hängung seiner Werke und bezeichnete seine Bilder - analog zur italienischen Malerei a fresco - als "murals".

Ausgehend von diesem Blick des Malers auf die ältere Kunst Italiens, speziell jener des Mittelalters und der Renaissance, zeigt die Ausstellung Rothkos Leinwand "Reds no. 5" (Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, 1961) zusammen mit zwei Hauptwerken Giottos, dem großen "Marientod" (ca. 1310) sowie einer "Kreuzigung" (ca. 1315). Visualisiert wird damit die Verbindung zwischen Renaissance und Moderne, die Rothko so intensiv bewegte. Zugleich entsteht ein Ausstellungsraum, der Rothkos eigenem Wunsch entspricht: der Maler träumte von Orten, die wie kleine Kapellen wirken, "in denen ein Reisender oder Wanderer eine Zeitlang ein einziges in einem kleinen Raum hängendes Bild"betrachten könne.

1957 hielt er fest: "Mich interessiert einzig der Ausdruck elementarer menschlicher Gefühle - Tragödie, Ekstase, Schicksal usw. […]. Jene Leute, die vor meinen Bildern weinen, machen dieselbe religiöse Erfahrung, die ich machte, als ich die Bilder malte."

 
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