Romualdo Moscioni. Apulia Monumentale

Eine Online-Ausstellung der Photothek des Kunsthistorischen Instituts in Florenz in Zusammenarbeit mit der Fotothek der Vatikanischen Museen
ab dem 4. Mai 2015

Die fotografische Dokumentation dessen, was wir heute als cultural heritage bezeichnen, ist ein charakteristisches Phänomen bei Prozessen von Nationenbildung und Identitätskonstruktion. Sie ist Teil des kollektiven Gedächtnisses und dazu bestimmt, künftigen Generationen überliefert zu werden. Ihre Zusammenführung in Archiven dient nicht nur der Kenntnis und Bewahrung des Kulturerbes, sondern auch seiner Definition. Denn verschiedene Erkenntnisinteressen bringen unterschiedliche Auffassungen von Kultur- und Denkmalerbe hervor, die auf Volkskunde, auf Landschaften oder aber auf Kunst und Architekturen abzielen können. Die zahlreichen privaten und institutionellen Initiativen auf dem Gebiet der Denkmalpflege, die vor dem Hintergrund der Bemühungen des neugegründeten Italiens um eine gemeinsame Identität entstanden, bilden den Ausgangspunkt der hier gezeigten Serie Apulia Monumentale des Fotografen Romualdo Moscioni. Der ministeriale Auftrag an Moscioni ist auch im Kontext der großen Debatte über eine 'nationale' Architektur zu lesen, in der vor allem Camillo Boito zugunsten eines Neo- Mittelalters eintrat. Die Debatte schuf ein kulturelles Klima, in dem diese fotografische Kampagne, die eine Pionierleistung darstellte, ausgeführt werden konnte.

Das präsentierte Material stammt aus der Photothek des Kunsthistorischen Instituts in Florenz (Positive) und aus der Fototeca der Vatikanischen Museen, die über den größten Bestand an Negativen von Moscioni verfügt. Wir hoffen, dass die Online-Ausstellung zu einer umfassenden wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Romualdo Moscioni anregt, in die auch weitere Institutionen wie das Istituto Centrale per il Catalogo e la Documentazione und die American Academy in Rome einbezogen werden sollten.

 
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