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Anna Sophia Messner, M.A.
Anna Sophia Messner
Doctoral fellow
Fax: +39 055 24911-55

Palästina/Israel im Blick. Bildgeografien deutsch-jüdischer Fotografinnen nach 1933

Anna Sophia Messner

Das Forschungsprojekt ist dem weiblichen Blick durch die Kamera auf Palästina und den frühen Staat Israel gewidmet und untersucht Ikonografien und visuelle Topographien des zionistischen Nation-Building-Prozesses im Kontext von Bildsprache und Ästhetik nationaler Ideologien und Utopien. Der Idee einer visuellen Bildgeografie folgend, fokussiert das Projekt die Herausbildung und Charakteristika alter wie neuer urbaner Zentren, Tel Aviv, Haifa und Jerusalem, sowie unterschiedliche Facetten der sich nach zionistischer Utopie formierenden „neuen jüdischen Gesellschaft“. Weiterhin sind es Aufnahmen von Menschen unterschiedlicher religiöser, ethnischer und kultureller Herkunft sowie Landschaften, durch die sich die Fotografinnen ihre neue Umgebung aneignen. Formal zeigen die Fotografien die Bildsprache und Ästhetik der Avantgarde-Fotografie des Neuen Sehens und der Neuen Sachlichkeit, die die Fotografinnen aus Deutschland, das sie auf Grund der Verfolgungen durch das nationalsozialistische Regime verlassen mussten, mit nach Palästina brachten.

Vor diesem Hintergrund werden die Fotografien als interkulturelle Verhandlungsräume und als Kontaktzone zwischen Ost und West, Tradition und Moderne, Zentrum und Peripherie im Kontext einer sich herausbildenden mediterranen Nachkriegsmoderne betrachtet. Daraus ergeben sich u.a. folgende Fragestellungen: Inwieweit findet hier eine künstlerische Übertragung, Aneignung, Ablehnung sowie eine Reflexion kultureller Differenzen der neuen Umgebung und eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Fremden, dem Anderen statt? Gibt es Veränderungen hinsichtlich künstlerischer Ausdrucksweisen in Deutschland und im Exil bezüglich Themen- und Motivwahl sowie technischer Verfahrensweisen? Inwiefern finden hier interkulturelle und wechselseitige künstlerische Prozesse statt und inwieweit haben sich diese Prozesse, auch vor dem Hintergrund einer evtl. hybriden Exilästhetik, in die Fotografiegeschichte Israels eingeschrieben und im erweiterten Sinne die visuelle Kultur des modernen mediterranen Raums nachhaltig beeinflusst?

Um diesen Fragestellungen nachzugehen werden Methoden und Theorien der Fotografie, Art and Agency, des Kunst- und Kulturtransfers, der Gender-, Exil- und Netzwerkforschung sowie der Postcolonial und Mediterranean Studies herangezogen und fruchtbar gemacht.

This project is part of the Max Planck Research Group Objects in the Contact Zone - The Cross-Cultural Lives of Things.

 
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