Date

12 – 21 September 2008

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Prof. Dr. Alessandro Nova
Alessandro Nova
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Italien und die 'longue durée' der Plätze

Studienkurs des Kunsthistorischen Instituts in Florenz - Max-Planck-Institut

Leitung: Cornelia Jöchner und Katja Lemelsen

Wissenschaftliche Gäste:  Elisabeth Kieven,  Reinhard  Metzner  (Bibliotheca  Hertziana, Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte, Rom); Klaus Stefan Freyberger (Deutsches Archäologisches Institut Rom); Niall Atkinson; Alessandro Nova, Costanza Caraffa, Wolfgang Loseries (Kunsthistorisches Institut in Florenz), Matthias Quast (Siena/Spoleto)

Die urbane Kultur Italiens wird in besonderer Weise durch Platzanlagen charakterisiert, die vom 14. Jahrhundert an einen äußerst wirksamen öffentlichen Schwerpunkt der Stadt formten. Der Platz erweitert den Bereich der kommunalen Institutionen zu einem öffentlichen Raum, dessen sich die politischen Kräfte der Stadt in unterschiedlicher Weise zu bemächtigen suchen. Was wie ein selbstverständliches Ensemble wirkt, entsteht meist nicht durch ein festes 'concetto', sondern ist das langwierige Produkt von 'Besetzung', Anstückung und Überformung, in denen sich wechselnde Akteure am Platz aufeinander beziehen. Die Strategien, den Platz durch verschiedene künstlerische Medien als öffentlichen Raum 'einzurichten', sind dabei höchst unterschiedlich: War es im Mittelalter der unbebaute Raum selbst, der die kommunalen Einrichtungen repräsentierte und für den vielfach antike Foren oder Theater genutzt wurden, so zentrierten im 15. und 16. Jahrhundert öffentliche Brunnen, Obelisken oder Denkmäler die Plätze oder Freiflächen. Auch regelmäßige Anlagen der Renaissance, die oftmals bestehende Bauten als Platzwände integrierten, sind als räumliche Besetzung zu verstehen, mit der sich eine neue bauliche Ordnung der Stadt gegenüber der mittelalterlichen Struktur absetzte. Nicht mehr die Gebäude bestimmten nun den Platz, sondern dieser die ihn umgebende Architektur. Vollends zum selbständigen Raumkörper wurde der Platz durch herrschaftliche Monumente, die über Achsen und Sichtbezüge in die Stadt ausgriffen. Diese Mittel der Raumüberwindung erlaubten es im späten 18. und 19. Jahrhundert, den Platz als Gestaltungselement einer veränderten Stadt einzusetzen, die vor allem auf die Erfordernisse eines gestiegenen Verkehrsaufkommens reagierte und neue Punkte der Anbindung und Ausrichtung schuf. In der dichten Städtelandschaft Mittelitaliens verfolgt der Studienkurs die Frage, wie Plätze über lange Zeiten hinweg (mit neuen Maßnahmen oft bis heute) gestaltet wurden und wodurch sich ihre Qualität als öffentliche Räume jeweils bestimmt. Besucht werden Anlagen in der Toskana (u. a. Florenz, Siena, Arezzo, Pienza) sowie ausgewählte römische Plätze, mit denen insgesamt die Zeitspanne vom 14. bis ins frühe 20. Jahrhundert - samt einem Exkurs in die Antike - betrachtet wird. Wer ein Referat übernimmt, sollte die formale Gestalt des Platzes im Zusammenspiel seiner einzelnen Elemente analysieren und dies vor dem Hintergrund der Geschichte der jeweiligen Stadt, ihrer Topographie und Sozialstruktur interpretieren.

 
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