Visualisierung des Unsichtbaren in Zeichnungen Michelangelos aus der Casa Buonarroti

Eine Online-Ausstellung der Photothek des Kunsthistorischen Instituts in Florenz - Max-Planck-Institut
ab 17. November 2014

Visualisierung des Unsichtbaren: hinter dieser Ausstellung steht der Versuch, einige ausgewählte Zeichnungen Michelangelos, die nicht nur auf fotografischen Reproduktionen, sondern auch mit bloßem Auge schwer auszumachen sind, sichtbar werden zu lassen. Zugleich wird damit die außerordentliche Fähigkeit Michelangelos unterstrichen, Formen, noch bevor er sie aufs Papier zeichnete, bereits gedanklich zu gestalten.

Doch Papier erinnert vieles. Es dokumentiert auf ihm vorgenommene Veränderungen, wodurch seine Geschichte erzählt wird. Es nimmt einen physischen Raum ein, dessen Bewegungen und Verfremdungen es registriert. Die so hinterlassenen Spuren kann ein geduldiges Auge wahrnehmen. Michelangelo war offen für die vielschichtige Natur des Papiers. Er ließ zu, dass nicht nur der tägliche Umgang mit ihm, sondern auch die verschieden darauf verteilten Zeichen zur Inspirationsquelle wurden und Anstoß für zahlreiche seiner Einfälle lieferten.

Die für die Ausstellung ausgewählten Zeichnungen gehören zu einer Serie von Blättern, welche die Forschung lange Zeit beschäftigt haben. Viele von ihnen werden im Zeichnungskatalog der Casa Buonarroti, der von Paola Barocchi 1962-64 herausgegeben wurde, unter "unleserliche Zeichnungen" geführt. Auf Digitalaufnahmen in Hochauflösung folgen in der Ausstellung die Rekonstruktionsvorschläge von Mauro Mussolin und z.T. auch Aufnahmen der Rückseiten und Durchlichtaufnahmen. Die hierfür nötige Fotokampagne wurde nicht nur durch die großzügige Unterstützung der Fondazione Casa Buonarroti ermöglicht; sondern auch durch den grundlegenden technischen Support des Laboratorio Arti Visive della Scuola Normale Superiore di Pisa, welches die Kampagne finanzierte und damit auch seinem Archivio delle analisi non invasive neues Material zuführen konnte. Die Photothek des Kunsthistorischen Instituts in Florenz freut sich, den Rahmen für eine Ausstellung zur Verfügung zu stellen, welche die Möglichkeiten der digitalen Fotografie für die Forschung unterstreicht und gleichzeitig die Bedeutung der Materialität von Papier hervorhebt – ob es sich nun um Zeichenpapier oder um das Papier fotografischer Positivabzüge handelt.

 
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