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Hana Gründler, M.A.
Hana Gründler
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Dr. Brigitte Sölch
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Prof. Dr. Alessandro Nova
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Fellows

Nele De Raedt, M.A.
Nele De Raedt
Doctoral fellow
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Ethik und Architektur

Hana Gründler und Brigitte Sölch mit Alessandro Nova

Von der Vitruv- und Aristotelesrezeption des Trecento über Überlegungen zur moralischen Dimension von Architektur im 18. Jahrhundert bis hin zur aktuellen Praxis des Bauens reicht das Spektrum der Fragen nach dem Verhältnis von Ethik und Architektur, das auch die Kunstgeschichte zur historisch begründeten Untersuchung und Auseinandersetzung mit diesem Themenfeld anregt. Dieses aus einer diachronen und problemorientierten Perspektive zu beleuchten und zugleich in einen interdisziplinären Diskurs einzubetten, ist Ziel der Projektgruppe, zumal das Nachdenken über Ökologie, gerechte Verteilung und nachhaltigen Einsatz von Ressourcen seit einigen Jahren erneute Debatten um eine Ethik der Architektur auslöst. Sowohl die Architekturbiennale im Jahr 2000 in Venedig, als auch die Jubiläen des Werkbundes und des Bauhauses waren von Forderungen nach einer theoretischen Neubegründung begleitet, von der Besinnung auf das Wesentliche und dem Wunsch nach einem mutigen Zugeständnis an das utopische, gesellschaftsverändernde Potential von Architektur. So vielfältig und aktuell die Auseinandersetzung mit dem Thema inzwischen erscheinen mag: Weder das Bauen noch die Architektur sind in jüngeren Handbüchern zur Ethik integriert. Auch stehen kunst- und architekturhistorische Studien aus, die historisch vergleichende und wissenschaftsgeschichtliche Perspektiven einnehmen und etwa Positionen des Mittelalters und der Renaissance systematisch einbeziehen. Das Dissertationsprojekt von Nele de Raedt zu Social Codes and Practices in Relation to Renaissance Architecture and Architectural Theory setzt an diesem Punkt an und fokussiert dabei auf das Verhältnis von moralischem Handeln, Palastarchitektur und der Patronage von Päpsten und Kardinälen.

Nach einer ersten Tagung zu Ethik und Architektur im Jahr 2010, deren gleichnamige Publikation beim Diaphanes-Verlag erscheint, lag ein besonderer Schwerpunkt auf dem Thema Hyper. Architektur und (Mehr-)Wert – wobei es sich beim Wertbegriff sowohl um eine ökonomische als auch eine ethische Kategorie handelt, deren Beziehung zum Ästhetischen der Workshop im Dezember 2014 untersuchte. Unter anderem wurde darin diskutiert, welchen Platz "Hyper" in der architektonischen Praxis (Kathedralen, Megabaustellen und Megacities, Film- und Bühnenarchitekturen etc.) und im Sprechen über Architektur einnimmt und welche Positionen zum Beispiel im Zeichen der Kritik an eben diese Architekturen herangetragen werden. Dabei ging es auch darum, zu analysieren, inwiefern eine solche Kritik ethische bzw. moralische Standpunkte überhaupt erst auslöst. Fragen wie diese sind zugleich Gegenstand des neu begründeten Formats der Ethik- und Architektur-Dialoge. Sie bieten ein Forum für den interdisziplinären Austausch und setzten 2014 mit dem Thema Crossing the Line: Colonial and Postcolonial Architecture in Africa (Brigitte Sölch mit Andres Lepik und Simone Bader vom Architekturmuseum der Technischen Universität München) ein. Sie werden in Gesprächen von Hana Gründler mit Vertretern der Philosophie, Kulturgeschichte und Architekturgeschichte zur moralischen Dimension von Architektur (2015) und zum Verhältnis von Psychiatrie und Architektur (2016) sowie von Brigitte Sölch zu Fragen der (emotiven) Wahrnehmung und Wirkung von Architektur (2016) fortgesetzt. In einer Stadt wie Florenz, in der die Beziehung zwischen Ethik, Moral und Architektur gerade im 14. und 15. Jahrhundert eingehend reflektiert wurde, sucht das Projekt somit aus einer geisteswissenschaftlichen Perspektive eine inhaltliche und methodische Auseinandersetzung mit der Thematik, die für gegenwärtige Diskurse, Planungen und Probleme sensibilisiert, diese zugleich historisch-kritisch reflektiert, und nicht zuletzt zum Nachdenken über die Realbedingungen von Architektur auffordert.

    

Forschungsprojekte:

 
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